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So "krass" waren Abifahrten früher...

So "krass" waren Abifahrten früher...
© Getty Images
von Cordula Schmitz

Der Trend geht zur Weltreise: Junge Abiturienten sind nach erfolgreichem Abschluss auf dem ganzen Globus unterwegs. Australien, Tasmanien, Südafrika oder die USA müssen es schon sein. War das eigentlich schon immer so? Wir haben eine Umfrage unter Menschen gestartet, die schon sehr lange Abitur haben...

Für 500 DM bin ich damals mit einer Schulfreundin für eine Woche nach Malle geflogen. Es handelte sich dabei um eine "Glücksreise". Man wurde in das Hotel gestopft, in dem noch was frei war. Wir hatten tatsächlich etwas Glück und landeten im Touri-Bunker in Alcudia, um uns herum nur reichlich angetrunkene Briten. Abends ging es in die Disko, wir tranken viel zu süßen Schnaps und Sekt. Riesenparty, genau was wir uns vorgestellt hatten.

Skurrilstes Ferienerlebnis: Weil wir zu wenig Geld für Essen eingeplant hatten, kam uns eine Einladung zu "Kaffee und Kuchen" bei uns im Hotel gerade recht. Natürlich war das keine großzügige Spende, sondern eine Verkaufsveranstaltung für beige Wolldecken im Alpaka-Look, wahlweise mit Schäferhund oder Alpenpanorama. Bei 27 Grad Außentemperatur, wohlgemerkt. Und zwar von der übelsten Sorte. In der Lobby des Hotels steigerte sich der schmierige Verkäufer aus Deutschland von schleimfreundlich zu bestimmt und dann wurde es unverschämt. Das Publikum bestand zu 98 Prozent aus Senioren, die er richtig schön unter Druck zu setzen versuchte. Selbst meine mitgereiste Freundin wollte schon ihr Portemonaie zücken. Ich konnte sie und eine ältere Dame gerade noch davon abhalten. Aber nur mit dem Argument, das die Decke so viel Platz im Koffer wegnehmen würde. Der Verkäufer wollte mich in dem Moment erwürgen. Immerhin gab es ein Stück Mokka-Torte.

Juli 2003 – das war der Juli, in dem RTL im Logo „Der Jahrhundertsommer“ stehen hatte. Mein Freund, sein Kumpel, eine Freundin und ich sind zwei Tage nach dem Abiball mit dem Auto nach Kroatien gefahren. Ohne Klimaanlage natürlich. Und mit einem Führerschein in der Tasche, der genau einen Tag alt war... Geld hatte irgendwie auch keiner von uns, war aber völlig egal. Wir haben gelernt, dass die kroatische Polizei nicht besonders viel Spaß versteht und dass T-Shirts nicht von Armani sind, wenn Amani draufsteht. Ich würde gerne mehr erzählen, aber wir haben es uns geschworen: Was in Kroatien passiert, wird in Kroatien bleiben.

Zur erlangten Volljährigkeit ging es für zwei Wochen nach Bulgarien an den Sonnenstrand. Wir hatten ein Hotel mit Frühstück, wobei das tatsächlich die einzige Mahlzeit des Tages blieb. Das knappe Budget wurde nämlich ausschließlich in Tequila Sunrise und Spumante minderer Qualität investiert. Ansonsten gab es viel Party, Sonne und teilweise völlig beknackte Aktionen, die zum Glück immer glimpflich ausgingen.

Mein persönliches Highlight-Erlebnis: Ich bin am Morgen nach einer durchzechten Nacht über einen Dachvorsprung in das Hotelzimmer zweier gewaltiger Bodybuilder eingedrungen (während sie schliefen!), um eine Jacke meiner Freundin zurückzuerobern, die dort zuvor die Nacht verbracht hatte und im Morgengrauen geflüchtet war. Nach einigem Suchen fand ich das gute Stück. Die Jacke hatte ich wieder, nur war sie an den Schultern zerissen, da die beiden Bodybuilder-Stiere sich offenbar zwischenzeitlich damit verkleidet hatten. Ich hätte das zu gerne gesehen, da es sich um einen weißen Stoffblazar mit pinker Brosche handelte. Naja.


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