Warum es nervig ist, wenn Frauen mich aus der Damentoilette schicken

Menschen werden wegen ihres Aussehens gemobbt, das ist bekannt. Meistens geht es dabei um Gewicht, Körperform oder Andersartigkeit. Unsere Autorin beschreibt eine Art, die weniger bekannt ist: Gendermobbing.

von Diana Huth

Eigentlich fühle ich mich echt okay in meinem Körper. Klar, es gibt Tage, an denen meine Haare nicht gut liegen oder ich mich im Gesicht irgendwie aufgedunsen fühle. Manchmal finde ich meine Brüste zu klein oder ich ärgere mich über ein paar Fettpolster, von denen ich zugegeben echt gut verschont bin. Neben all diesen weit verbreiteten Gedanken plagen mich vor allem Selbstzweifel aufgrund meines burschikosen Auftretens.

"Die Männertoilette ist dort drüben!"

Ich weiß gar nicht, wie häufig mich Menschen schon auf die Herrentoilette verweisen wollten. Wenn ich das anderen erzähle, schauen sie mich ungläubig an: "Was? Aber du siehst doch überhaupt nicht wie ein Mann aus?!" Während ich recht feminine Gesichtszüge habe, wirken meine sportliche Statur und die kurzen Haare durchaus etwas 'maskulin'. Müsste ich mir ein Label geben, wäre es Tomboy. Das ist quasi neudeutsch für burschikos.


In meiner Kindheit und Jugend gab es diese Bezeichnung noch nicht. Stattdessen hörte ich Sätze wie "Na, welche Eissorte möchte der junge Mann denn haben?". Manchmal antwortete ich dann genervt, dass ich kein junger Mann sei.

Viele Kinder kennen dieses Problem und viele Erwachsene erinnern sich, dass sie als Kind dieses Problem auch hatten. Für mich hat es einfach nur nie aufgehört. Es war auch ganz egal, wie ich mich kleidete. Selbst wenn ich dann mal ziemlich enge Oberteile trug, schienen einige Menschen meine Brüste zu ignorieren. Gut, sie sind klein, aber man kann sie durchaus wahrnehmen.

Dieses Verhalten ist einfach nur übergriffig!

Dass sich jemand bei meinem Geschlecht nicht sicher ist, kann ich noch verstehen. Gerade auf der Toilette habe ich auch oft das Gefühl, dass wir Menschen uns nicht so genau anschauen, weil wir die Privatsphäre der anderen respektieren. Aber es ist wirklich maßlos übergriffig, wenn jemand sich selbst erhebt, über mein Geschlecht urteilen und meine Toilettenwahl anzweifeln will.

Ich meine klar, es gibt bestimmt widerwärtige Männer, die im Frauenklo spannen wollen und denen man ordentlich die Meinung geigen sollte. Doch sind wir Frauen nicht in der Lage, Männer mit solch grenzüberschreitenden Verhaltensweisen genau zu identifizieren? Würde ich, wenn ich ein solcher Mann wäre, nicht ganz anders auf die anwesenden Frauen reagieren?

Das ist es, was mich wirklich aufregt: Dass andere darüber entscheiden wollen, wie ich mich zu verhalten habe oder gar darüber, welches Geschlecht ich bin. Frechheit. Egal wie selbstbewusst ich manchmal wirken mag, diese unzähligen Toilettendiskussionen haben mich nachhaltig geprägt. Es gibt Tage, da fällt es mir leicht, einen flapsigen Konter zu machen. An anderen Tagen bin ich verletzt. Es zahlt ein, auf meine "So wie ich bin, bin ich nicht richtig"-Geschichte.


Jede/r wie er/sie mag!!

Wenn ich die Geschichte weiterdenke, werde ich traurig und wütend zugleich. Ich selbst fühle mich wohl in meinem Körper, doch es gibt andere Menschen, denen es leider nicht so geht. Das allein ist für sie bestimmt nicht leicht. Wie furchtbar es sein muss, wenn sie dann noch von anderen so stark verurteilt und abgelehnt werden. Das macht ihr Leben bestimmt nicht leichter.

Für mich persönlich muss es keine dritte Toilette geben. Ich halte es wie Barbara und benutze oft einfach die Toilette, die leerer ist. Unisex-Toiletten finde ich auch gut, doch ich weiß, dass es für manche Menschen aus kulturellen und/oder persönlichen Gründen keine Option ist. Das respektiere ich. Die Welt ist bunt und ich wünsche mir, dass wir das auch leben und fördern.

Alle Bilder aus dem Instagram-Profil @cheeky.dimple, das sich mit Diversität und Genderfluidität beschäftigt.