Wenn der Postbote klingelt, könnt’ ich durchdrehen vor Glück

von Theresa König

Es ist nämlich so. Ich hasse shoppen. Wenigstens im herkömmlichen Sinne. Einkaufszentren, Kaufhäuser, Umkleidekabinen, Schlangen vor den Kassen: Das alles strengt mich an. Mich nerven die Luft und die hektischen Menschen und dass man immer erst in der Umkleidekabine feststellt, dass die Hose jetzt doch wieder eine Nummer zu klein oder zu groß oder sonst irgendetwas ist. Allein schon beim Gedanke an einen ausgedehnten Shoppingtrip bekomme ich Schnappatmung und Schweißausbrüche. Und wieso soll ich mir das auch antun, wenn ich genauso gut mit einem Glas Wein zu Hause auf dem Sofa sitzen kann, um von dort aus die Online-Regale zu durchstöbern?

Ich weiß, ich weiß: Leute wie ich machen den Einzelhandel kaputt. Und Großkonzerne wie Amazon sind der Teufel. Tut mir auch leid. Wirklich. Aber da draußen, in diesem Internet, wartet eine Welt voller schöner Dinge auf mich. Soll ich die ignorieren? Und dieser Amazon ist gar kein so schlechter Typ, der hat mir schon das ein oder andere Mal den Hintern gerettet: Zum Beispiel als der Geburtstag einer Freundin auf einmal total überraschend im Kalender aufpoppte oder mir einen Tag vorm Urlaub eingefallen ist, dass die Kinder noch keine Schwimmflügel haben.

Überhaupt. Kinder. Wer will denn schon mit Kindern shoppen gehen. Ihr etwa? Deren Geduldsfaden ist noch geringer als meiner. Und der ist schon knapp bemessen. Außerdem wuseln sie ständig um einen herum. Wer soll sich da ernsthaft entscheiden können, ob der Midi-Rock jetzt gut zur Bluse passt oder das Hemd zur Hose? Stattdessen greift man dann irgendwas, rennt zur Kasse und stellt dann zu Hause fest, dass einen der Wahnsinn geritten haben muss, sonst hätte man so etwas doch nie im Leben gekauft? Statt es aber zurückzugeben, behält man die Geschmacksverirrung, weil man ja nicht noch mal wieder in die Stadt will, um das Teil einzutauschen. Und so füllt sich der Schrank mit Klamotten, die man gar nicht mag.

Da lobe ich mir doch das Onlineshopping. Da bestellt man die Teile gleich in zwei Größen, probiert sie entspannt zu Hause an, muss sich dabei nicht über die fiese Beleuchtung in der Umkleidekabine ärgern und schickt das zurück, was man nicht mag. Das Geld landet dann wieder auf unserem Konto ohne dass wir dafür wieder gefühlte zwei Stunden haben anstehen müssen. Ach, du schöne neue Welt.