Alles, was du noch nicht über Brüste wusstest

Seien wir ehrlich: Busengeschichten mag jeder. Deshalb: Hier sind die Schönsten. Viel Spaß damit.

von Julia Rühm

Helmut Ziegler hat ein Buch über Brüste geschrieben. Was weiß er, was wir nicht wissen?

Ich habe mich ein ganzes Jahr lang auf Brüste konzentriert – ihre Anatomie, ihren Nutzen für die Menschheit, ihre ästhetische, kommerzielle und auch politische Wirkung. Anfangs empfand ich dabei die pralle Freude. Es folgte: ehrliche Bewunderung. Brüste melden Temperaturschwankungen, kommunizieren mit dem Kreislauf und setzen Wehen in Gang. Muttermilch enthält eine Substanz, die Marihuana ähnelt, hilft gegen Lungenentzündung und senkt das Infektionsrisiko bei Säuglingen. Es gibt sogar einen Schwarzmarkt für Muttermilch! Was Brüste alles können, Hammer! Brüste sind einfach überall. Als Protestsignal wie bei den Oben-ohne-Aktionen der Frauen von Femen. Als Konsumanreiz für so ziemlich jedes Produkt bis hin zum Titten-Memory. In der Kunst der Steinzeit. Sogar in der Algebra – Kurvendiskussion. Gleichzeitig gibt es 1000 Rätsel: Warum heißt es Brustwarze? Warum sitzen BHs selten gut? Warum sind Menschenweibchen die einzigen Primaten, die immer Brüste haben – nicht nur in der Schwangerschaft oder beim Stillen? Irgendwann konnte ich keine Brüste mehr sehen. Schließlich, das Buch war abgestillt, trat die Normalisierung ein. Und mit ihr das Fazit, dass Brüste zwar die meiste Zeit ohne Funktion sind, aber eben verschwenderisch und wunderschön. Man kann auch Kunst dazu sagen.

BRÜSTE, DAS BUCH von Helmut Ziegler und Paula Lambert. Verlag Rogner & Bernhard, 304 Seiten, ca. 30 Euro

Ich will’s echt!

„Schönheits-OPs halte ich für grenzwertig, und ich bedauere jede Frau, die zu diesem Mittel greift. Andererseits schaue ich mir einen perfekten, also vermutlich künstlichen Busen in einem Magazin oder im Fernsehen gern an. Ich weiß, wie inkonsequent das ist, aber ich will dann einfach glauben, dass er ‚echt‘ ist. Bei realen Frauen, deren Namen ich weiß, finde ich künstliche Brüste schrecklich. Mir machen Frauen Angst, die glauben, die Demonstration totaler Weiblichkeit würde sie in den Augen von Männern begehrenswert machen.“ Falk, 39

Rechts ein Apfel, links eine Melone

„Der Moment, als ich Claudia zum ersten Mal nackt gesehen habe, war für mich irritierend. Ihre Brüste waren zwar echt wunderschön, aber ihre linke Brust hatte die Größe einer Honigmelone – und die rechte die eines Apfels. Dann habe ich den Fehler gemacht, über diesen Unterschied nachzudenken. Ich habe mich gefragt: Wenn ich mich zuerst mit der größeren Brust beschäftige, glaubt Claudia dann, dass ich die kleinere nicht schön finde? Oder andersherum: Widme ich mich als Erstes der kleineren, denkt Claudia dann vielleicht, dass ich das nur aus Mitleid tue? Und dann habe ich mich gefragt, was andere Männer vor mir wohl getan haben. Spätestens an dieser Stelle drohte ein verheißungsvoller Abend rapide abzukühlen. Zum Glück hat Claudia die Sache dann in die Hand genommen. Heute kann ich sagen, dass es wirklich stimmt, was immer gesagt wird: Auf die Größe kommt’s nicht an.“

Frank, 36

Tante Ingrids Ausschnitt

„Ich hatte Brüsten nie besondere Beachtung geschenkt – bis ich zwölf war. An einem schönen Sommertag im Garten meiner Eltern kam meine Tante zu Besuch. Der Busen meiner Tante war nicht nur groß, sondern sehr groß und wogte in ihrem Kleid über der Kaffeetafel. Sie zwinkerte mir zu und stellte ihren Kuchenteller oben auf ihren Vorbau. ‚Schau mal, Brustkuchen‘, strahlte sie mich an. Ich werde das nie vergessen.“ Henning, 56

Beleidige nie einen Busen!

„Sabine war meine erste richtige Freundin. Da sie mit fünfzehn noch keinen BH brauchte, hatte ein Typ aus unserer Klasse sie ‚Kirsche‘ getauft. Ich fand das damals einfach nur lustig. Als ich zum ersten Mal versuchte, Sabine unter den Pulli zu greifen, reagierte sie zurückhaltend, um es mal vorsichtig auszudrücken. Mein nett gemeinter Spott, das sei doch nicht so wild, sie sei halt einfach ein wenig spät dran, führte nicht zum gewünschten Ergebnis. Es dauerte Monate, bis Kirsche sich in meinem Zimmer traute, ihr T-Shirt auszuziehen. Ich hatte es geschafft, sie zu verschrecken, ohne sie auch nur einmal dort berührt zu haben. Allein mit einer blöden Bemerkung. Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, wäre ich vorsichtiger vorgegangen. Und respektvoller.“

Alexander, 42

Gummibälle

„Silikonbrüste fühlen sich anders an als echte. Härter. Unflexibler. Klumpiger. Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen dieser blauen Gummibälle vor sich, mit denen früher in der Schule Völkerball gespielt wurde. So einen Ball schneiden Sie nun in der Mitte durch und füllen eine Hälfte mit Sand auf: Voilà! Genau so fühlt es sich an.“

Jochen, 53

Brüste können Männer töten

„Ich hatte von Kriminalfällen gehört, bei denen Frauen ihre Brüste eingesetzt haben, um Männer zu ersticken. Das wollte ich ergründen und habe es darum mit Freiwilligen nachgestellt. Das Ergebnis: Es klappt tatsächlich und ist eine ziemlich perfide Art, um einen Mann zu töten. Unser Proband kam nach nur 20 Sekunden in die Sauerstoffunterversorgung. Ohne es selbst zu bemerken, zeigte er bereits alle Anzeichen einer Erstickung: rote Punkte, geplatzte Kapillaren, rote Halskrause und so weiter. Bis er das gemerkt hätte, wäre es bereits zu spät gewesen. Er wäre nämlich ohnmächtig geworden und erstickt, weil das Gehirn den Befehl gegeben hätte, tief einzuatmen. Man kann sagen: Ab einem C-Körbchen wird es gefährlich. Je größer die Brüste, desto mehr saugen sich Mund und Nase fest. Das passiert eben durch das nicht willentlich steuerbare, tiefe Notfall-Einatmen.“