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Aufgeklärt 7 Dinge, die wir Teenies über Sex, Intimität und Körper beibringen sollten

Kartoffel und Avocado im Bett
© Carol Yepes / Getty Images
Aufklärung schützt längst nicht nur vor ungewollten Schwangerschaften und Krankheiten. Sie hat gesellschaftliche Relevanz, denn es geht um Gleichberechtigung. Was wir unseren Kinder vor allem über Sex beibringen sollten, sind diese Dinge.

Ein Holzpenis, ein Kondom, etwa dreißig kichernde Schüler und eine Bio-Lehrerin, die das Thema Sexualkunde möglichst schnell über die Bühne bringen wollte – so in etwa gestaltete sich der Aufklärungsunterricht der 90er Jahre. Den Rest hat Dr. Sommer übernommen. Den meisten Eltern war das Thema unangenehm, die wenigsten von uns haben überhaupt mit ihnen über solche Themen gesprochen. Kein Wunder, dass auch heute noch so viele von uns mit Halbwissen rund um ihre Geschlechtsteile und Sex durch die Welt laufen. Unsere Kinder wachsen anders auf. Statt Dr. Sommer übernehmen Pornos die Aufklärungsarbeit. Das macht das Halbwissen leider nicht besser, im Gegenteil. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Sex, sondern vor allem auch um Grenzen, Selbstbewusstsein und Körpergefühl. Und weil wir unsere Kinder stärken wollen, gehören diese Themen eben auch an den Küchentisch:

1. Nein heißt nein!

Das Allerallerwichtigste zuerst: Egal wer mit wem gerade intim wird und in welcher Situation man sich dabei befindet: wenn eine*r Nein sagt, wird aufgehört. Viel zu oft wird ein Nein ignoriert – beim ersten Mal, beim zweiten, dritten und vierten. Wir müssen unseren Kindern beibringen, dass niemand Macht über ihren Körper hat, dass sich niemand diese Macht nehmen darf, dass wir uns wehren müssen, gegen die, die glauben, sie dürften sich bedienen. Viel zu oft machen vor allem Frauen und Mädchen einfach mit, weil ihr Nein ignoriert wird oder sie sich nicht trauen, etwas zu sagen. Stattdessen lassen sie es lieber über sich ergehen. Das ist doch furchtbar! Deswegen müssen wir nicht nur unsere Mädchen stärken, für sich einzustehen, sondern vor allem unsere Söhne sensibilisieren.

2. Was passiert da unten?

Was passiert in unserem Körper während des Eisprungs, der Periode, der Morgenlatte, bei der Ejakulation? Wie heißen die einzelnen Geschlechtsteile, wie sehen sie aus und wie entsteht ein Baby. All das sollte nicht hinter vorgehaltener Hand und mit Bienen und Blümchen besprochen werden, sondern offen und ohne Scham, denn es gibt Nichts, wofür sich irgendwer zu schämen hat. Schon gar nicht wir Frauen, obwohl unser ganzer Intimbereich das suggeriert. Aber das wird nur besser, wenn wir Eltern anfangen unsere eigene Scham abzulegen, uns das da unten gemeinsam anzusehen und Tacheles zu sprechen. Vulva, Vulvalippen, Klitoris, Penis, Hoden, Eileiter, Gebärmutter, Harnröhre, Samenerguss, Anus, Vorhaut, Eichel... Umso entspannter wir mit dem Thema umgehen, desto leichter fällt es unseren Kindern fragen zu stellen. Und das ist es doch, was wir sein möchten: erste*r Ansprechpartner*in, oder?

3. Haarige Angelegenheit

Huch? Was sprießt denn da? Kahlschlag an sämtlichen Körperstellen ist so normal geworden, dass unsere Kinder sich schämen, wenn in der Pubertät plötzlich das ein oder andere Haar zum Vorschein kommt. Waren wir noch stolz auf das erste Achselhaar, wird heute schnell alles wieder glatt rasiert. Zumindest wir Frauen scheinen schon mit einem Rasierer auf die Welt zu kommen, die Männer schämen sich weit weniger und lassen auch einfach mal wachsen, während es bei uns noch immer ein unhygienisches NoGo und super unsexy ist, Haare woanders als auf dem Kopf zu haben. Und mittlerweile haben wir uns so sehr an dieses Schönheitsideal gewöhnt, dass das Normale unnormal ist. Dabei sollte doch bitte jede*r selbst entscheiden können, ob, wie und wo irgendwas rasiert, gezupft oder gewachst wird ohne sich schämen zu müssen, wenn es zur Sache geht. Doch nur in dem wir Körperbehaarung wieder normalisieren, haben unsere Kinder überhaupt die Wahl, wie sie ihre Haare tragen wollen.

4. Über Pornos sprechen

Es wird gerammelt, als gäbe es kein Morgen mehr. Der Mann schiebt seinen Penis in sämtliche Öffnungen der Frau, während sie alles mit sich machen lässt und es auch noch richtig gut findet, sein bestes Stück bis zum Erbrechen im Hals zu haben. Und auch sonst geht es fast ausschließlich um Penetration und Samenergüsse. Pornos sind inzwischen leider auf den Schulhöfen angekommen und übernehmen das, was in unserer Generation noch Dr. Sommer gemacht hat, nur leider komplett falsch. Von Machtstrukturen und Frauenfeindlichkeit fangen wir lieber gar nicht an. Es ist aber gerade deshalb so wichtig, dass wir als Eltern gegensteuern und aufklären, wie es Sexualität wirklich funktioniert. Und das ist sicher nicht nur rein-raus-rein-raus in Leistungssport-Tempo.

5. Gleichberechtigung auch im Bett

Sex ist keine Einbahnstraße, die in der Sackgasse endet, wenn er gekommen ist. Auch Frauen haben ein Recht auf Bedürfnisbefriedigung. Sich zu trauen, das zu äußern, dafür legen wir Eltern den Grundstein, indem wir das Thema Sexualität enttabuisieren und aus seiner Schmuddelecke holen. Dabei muss man natürlich nicht ins Detail gehen, aber indem man seine Kinder ermutigt, grundsätzlich Dinge anzusprechen, die auch mal unangenehm sind, gehen sie auch mit solchen Themen offener um und trauen sich vor allem auch Dinge zu erfragen.

6. Verhütung ist nicht nur Frauensache

Verhütung liegt leider noch immer in der Verantwortung der Frau. Außer dem Kondom und der Sterilisation gibt es nichts, was der Mann tun kann, während wir mit Hormonen unseren Körper manipulieren und uns Dinge in die Vagina einsetzen lassen, auf eigene hohe Kosten natürlich. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass Verhütung so gleichberechtigt wie nur möglich passiert und sich die Kosten und die Verantwortung geteilt werden.

7. Wir alle sehen anders aus

Es gibt sie nicht, die Standardbrust, die Standardvagina und auch nicht den Standardpenis. Jedes Körperteil ist einzigartig, größer, kleiner, gerade, krumm, voll, spitz, asymmetrisch. Leider wird das so selten gezeigt, dass wir oft glauben, mangelhaft zu sein, wenn etwas an uns nicht dem Ideal entspricht, was uns in Filmen, Pornos und der Werbung noch viel zu oft vorgegaukelt wird. Dabei sieht kaum jemand wirklich so aus. Umso wichtiger ist es, ein gesundes Körperbild zu vermitteln und unseren Kindern zu erklären, dass alles an ihnen gut ist. 


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