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Periode beim Namen nennen Erdbeerwoche? Wie wär's mit: Ich blute verdammt – und das tut weh!

Eine Frau hält sich schmerzerfüllt den Unterleib
© Courtney Haas/peopleimages.com / Adobe Stock
Die rote Tante ist da, die rote Welle surfen ... warum lassen wir uns einreden, dass man die Periode umschreiben muss? MENSTRUATION, PERIODE, BLUT. So ist es doch wirklich.

Ich finde es super, wenn andere Menschen offen ihre Periode ansprechen und mit mir über ihre Schmerzen reden, als wäre es das Normalste der Welt. Denn das ist es schließlich auch: Jede Person, die den Menstruationszyklus durchläuft, kennt es. Familienmitglieder oder Partner:innen, die mit einem menstruierenden Menschen aufgewachsen sind oder zusammenleben ebenfalls. 

Und trotzdem haben sich die meisten von uns früher unwohl dabei gefühlt, Binden oder Tampons zu kaufen – oder überhaupt das Thema anzusprechen. Die Mutigeren haben es vielleicht für die ein oder andere Ausrede beim Sport benutzt, weil es dem Lehrer noch peinlicher war als uns. Heute habe ich oft das Gefühl, dass es bereits besser geworden ist. Aber lasst uns doch die ganzen "niedlichen Umschreibungen" für etwas so absolut Nicht-Niedliches wie die Regel langsam aber sicher verschwinden lassen.

Mehr als 5.000 Euphemismen weltweit

Wie eine Umfrage der Perioden-Tracking-App Clue aus 2016 zeigt, gibt es global gesehen mehr als 5.000 Euphemismen für die Periode. Weitere Highlights aus Deutschland: die rote Armee, Alarmstufe Rot, Tomatensaft oder Besuch aus Rotenburg. Die Abstimmung über die Online-Community erreichte damals 90.000 Menschen. Scheinbar ist das nicht direkte Ansprechen einer Sache, die jede menstruierende Person betrifft, ein weltweites Phänomen. Aber: Kriegsvergleiche oder lebensbedrohliche Situationen als Allegorien? Echt jetzt?

Nichtsdestotrotz muss ich sagen: Teilweise bin ich selbst für das Umschreiben dankbar. Immerhin haben so viele Frauen einen Weg gefunden, um überhaupt darüber zu sprechen. Obwohl es sich bei mir immer seltsam angefühlt hat, wenn andere über die "Erdbeertage" sprachen. Immerhin wusste man so was los ist und konnte die andere Person verstehen. Selbst solche Ausdrücke auszusprechen hat bei der ein oder anderen sicherlich schon einige Zeit gedauert – und auch ich posaune nicht überall frohlockend herum, dass mein Rücken mich umbringt, ich schlechte Laune habe, zweiwöchige PMS-Fress-Flashs oder das Gefühl, gleich auszulaufen. Regelmäßig verfluchen ich und meine Freund:innen diese Zeit der Menstruation. Ich finde, diese Wut dürfen wir ruhig rauslassen (vor allem bei guten Freund:innen).

Preiselbeeren, Maler oder der Weihnachtsmann?

Ja, tatsächlich sind das alles Euphemismen, die in anderen Teilen der Welt genutzt werden. In Rumänien kommt der Weihnachtsmann bei manchen Menschen eben jeden Monat... darf man das dann nur sagen, wenn keine Kinder anwesend sind? Die drehen sonst ja komplett durch! In England wird von Malern frisch gestrichen. Und in Schweden sind Preiselbeeren der beliebtere Ausdruck als die Erdbeeren bei uns. Vielleicht weil es mit leckeren Gerichten wie Köttbullar assoziiert wird und dadurch harmlos wirkt? Australien und Kanada sprechen sogar von der "Hai-Woche" – ein grausamer Ausdruck, aber immerhin kann man sich hier vorstellen, dass nicht alles schön, friedlich oder superalltäglich ist. Vielleicht merke ich mir das sogar – als Hai-Horrorfilm-Fan weiß ich das zu schätzen. 

M-E-N-S-T-R-U-A-T-I-O-N

Eine neue Kampagne der Marke Intimina, die Hygiene-Produkte für Frauen (beziehungsweise menstruierende Personen) herstellt, will mit einem Video zu dem Thema mehr Aufmerksamkeit schaffen. Die vielen Euphemismen werden dabei zu Wahrheiten von weltweiten Unterstützer:innen: Tante Flo kommt wirklich zu Besuch, ein Maler aus England streicht die Wand rot – und ein australischer Surfer sucht die purpurrote Welle:

Für viele sind die bestehenden Euphemismen ein "witziger Ausdruck". Vor allem sind sie aber eine Beschönigung dessen, was während der Periode mit unserem Körper passiert. Das trage dazu bei, das bestehende Stigma und das gesellschaftliche Tabu zu verstärken, so Intimina. "Im besten Fall sind sie beleidigend, im schlechtesten Fall führen diese Begriffe zu so viel Scham bei Menstruierenden, dass ganze Generationen nicht über ihre Periode und ihr körperliches Well-being sprechen", heißt es in einer Pressemitteilung der Marke.

Gynäkologe Dr. Unsworth gibt außerdem zu bedenken, dass sich manche Frauen deshalb bei Problemen verspätet Hilfe suchen könnten, da sie sich nicht in der Lage fühlen, offen über die Periode zu sprechen: "Es sollte keine Schande sein, den Begriff 'Menstruation' oder 'Periode' zu verwenden, da mehr als 50 Prozent der Bevölkerung damit konfrontiert sind und die restlichen 50 Prozent ohne sie nicht hier wären!", erklärt er. Amen. So was Schönes hört man doch gern.

Zu Perioden-Menschen werden

Das Ziel, die Menstruation zu enttabuisieren, muss nicht nur menstruierenden Personen am Herzen liegen. Es kann für all jene wichtig werden, die ein Kind oder eine Partner:in haben, die die Periode hat oder noch bekommt. Justus Bowen, der Maler aus dem Kampagnenvideo, kümmerte sich beispielsweise nach dem Tod seiner Frau allein um deren junge Tochter. Erst da wurde ihm die Wichtigkeit, über das Thema zu sprechen und dem Stigma ein Ende zu setzen, bewusst. 

"Ich bin jetzt ein Perioden-Mann!", so der Maler gegenüber Intimina. Davon können wir definitiv noch mehr gebrauchen. Fangen wir gleich bei den Söhnen, Brüdern und Vätern an (wenn das Verhältnis zu ihnen nicht total furchtbar ist jedenfalls). Damit in Zukunft noch mehr tolle Männer existieren, die problemlos Periodenprodukte für uns mitkaufen können – uns zuhören, wenn es uns mit der Menstruation nicht gut geht – oder ihre Töchter mit Problemen unterstützen und ihre Söhne dafür sensibilisieren können. Verständnis und Empathie haben schließlich noch niemandem geschadet. "Periode". "Menstruation". Das ist ein guter Start.

Verwendete Quellen: Pressemitteilung Intimina, helloclue.com

lkl Barbara

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