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Tsunami-Alarm! Warum eigentlich an allem nur die Hormone Schuld sind

Der Sturm der Hormone bläst heftig.
Der Sturm der Hormone bläst heftig.
© Getty Images
Eigentlich brauchen wir keine Psychotherapeuten, Philosophen oder Welterklärer – denn an allem sind letztlich doch die Hormone schuld: an der Laune, dem Schlaf, dem Sex, dem Shopping, dem Aussehen, der Gesundheit und sogar an Unfällen! Wirklich!
Von Oda Albers

15 Uhr Sex!

Flaute im Bett? Vielleicht nur die falsche Zeit, etwas Erotik ins Schlafzimmer zu bringen. Angeblich gibt es ein Zeitfenster, in dem unser Hormonspiegel besonders guten Sex garantiert. Laut Hormonexperten ist nicht etwa die romantische Abendstunde optimal für Sex, sondern ein spätes Mittagsschläfchen!

Dann ist der Östrogenspiegel bei Männern hoch, und sie sind besonders: liebevoll. Und Frauen? Haben den höchsten Cortisollevel – das macht fit! Apropos Timing: Morgens ist die beste Zeit, um ein Kind zu zeugen! Los, spring!

No Risk, No Fun!

Buckelpiste im Schuss runterbrettern, aufs brüchige Eis ... Jugendliche sind besonders risikofreudig! Das liegt nicht daran, dass sie jung und blöd sind, es liegt an den Hormonen!

An einem, um genau zu sein, und das heißt: Neurokinin B. Es kann einiges in puncto Fahrlässigkeit. Auweia!

Naschi gegen Stress

Das ist grandios. Es ist tatsächlich so: Stresshormonen kann man mit Gummibären den Garaus machen! Kakao, also dunkle Schoki, hilft auch, toll!

Denn die Flavonoide der dunklen Schokolade senken Cortisol – und Adrenalinspiegel, bei Gummibärchen wird der Glucocorticoidspiegel gesenkt. Na bitte – her mit dem Stress!

Fetthead

Der Fettkopf kommt mit dem PMS, und das Prämenstruelle Syndrom ist einer der Beweise, warum Gott keine Frau sein kann: Nicht nur, dass wir heulig, grantig, fresssüchtig sind – wir sehen dabei auch beschissen aus! Dank des Östrogenspiegels, der kurz vor der Periode am niedrigsten ist, wird unser Haar speckig und die Haut manchmal auch. Ach ja: Pickel und Wassereinlagerungen sind ebenfalls im PMS-Angebot.

Kleiner Trost: Kaum geht die Stimmungslage bergauf, sitzt auch die Frisur wieder: Endorphine kurbeln die Durchblutung der Kopfhaut an, und schon wird unsere Mähne fluffig, kräftig, schön.

Fremdgehen

„Du, Schatzi, sorry, aber, mein Östradiol war schuld!“ Klingt eindeutig besser als: „Äh, weiß nicht, der Karl-Peter und ich – es ist einfach so passiert!“ Schuld war also ein Hormon, es hat uns sozusagen zum Fremdgehen verführt.

Laut einer Studie der Universität Austin Texas gehen Frauen mit höherem Östradiolspiegel schneller fremd. Und auch häufiger. Bei dem Eisprung ist der Spiegel dieses Betrugshormons übrigens bei allen Frauen am höchsten und dann ... Ups. Kann man nichts machen, oder?

Ammenmärchen

Angeblich macht Stillen doof – in Fachkreisen junger Mütter auch Stilldemenz genannt. Die Brille liegt im Kühlschrank, der eigene Nachname wird oft vergessen.

Jetzt hat eine neue Studie aus Toronto bewiesen: Alles Quatsch! Hormone bewirken eher das Gegenteil, nämlich eine Intelligenzsteigerung. Nur Schlafmangel und Multitasking lösen zwischenzeitlich echt Abenteuerliches aus.

Zunge raus!

Der Zungenkuss kann in Sachen Hormone einiges mehr als ein Koitus. Die Sache läuft so: Werden die hochsensiblen Lippen berührt, setzen die Nieren Neuropeptide frei, und das Gehirn schüttet Endorphine obendrauf.

Folge: Glücksflash! Das Herz wummert, der Blutdruck steigt, die Haut wird stark durchblutet (und wird dadurch straff). Müssen echt mehr knutschen!

Bei einem Eisprung: Shopping!

Die rote Latexhose, krasse High Heels, Hammer-Glitzerkleid – die dollsten Sachen shoppen wir rund um den Eisprung. Sachen, die wir sonst niemals kaufen würden. Unsere Hormone signalisieren uns: Wir sind so sexy – das muss also sein. Drei Tage später: Kann man die Latexhose umtauschen? Brauch ich ein Hammer-Glitzerkleid?

Tag 14 im Zyklus, das ist wirklich erwiesen, ist der Tag der meisten Fehlkäufe. Also: Bleiben Sie zu Hause, kaufen Sie ein Eis oder, wenn Sie wirklich shoppen wollen, Schlüppis, Socken, T-Shirts – da kann weniger schiefgehen.

Eier machen schön

Nee, keine Spiegeleier oder Rührei. Ihre Eier! Während die nämlich heranreifen, also bis kurz vor dem Eisprung (zehnten bis zwölften Tag), fühlen Sie sich super, haben Toplaune, sehen dufte aus. Träumchen sozusagen. Obendrein sind Sie redegewandt, Ihr Verstand ist messerscharf.

Was sagt uns das? Dates – jetzt! Bewerbungsgespräche – jetzt! Fotos – jetzt! Wenn das ganze Leben schon von schnöder Biochemie bestimmt ist, sollten wir das auch nutzen. Ey, Mama!

Präpubertätärätä

Eben noch das Puppenbett gerichtet, dann den Kajal auftragen oder das Deo. Mama anmotzen oder bei den Jungs: mal kräftig wo reintreten. Oder heulen. Oder – alles gleichzeitig! So mit etwa acht geht’s los, die ersten Hormone schießen ein.

Manche Kinder müffeln langsam, manche werden einfach nur komisch. Bei Jungs schießt das Testosteron auch schon mal im Vorschulalter ein, und sie werden: krawallig.

Wechsel unter Palmen

Das ist doch ’nen Ding: Wechseljahre verlaufen weltweit nicht gleich! In Asien etwa haben Frauen weniger Probleme, aber Asiatinnen in der westlichen Welt haben die gleichen Symptome wie wir.

Liegt also nicht nur an den Genen, sondern auch am Lebensstil! Heißt im Klartext: Frührente, ab nach Koh Samui!

Ist bald so weit

Klingt doch irgendwie nach Trostpreis: „Nach den Wechseljahren beginnt noch ein volles Drittel des Lebens. Und sicher nicht das schlechteste ...“, sagt Psychiater Prof. Dr. med. Volker Faust. Hm, ja, hm, toll. Ein Mann ist dieser Experte auch noch.

Aber recht hat er eben doch: Wir haben vielleicht ein Barthaar zu viel, vielleicht auch ein Haar aus der Nase, die Haut merkelt um den Mund herum, aber die fehlenden Hormonturbulenzen machen uns: entspannter, ausgeglichener, souveräner. Mit 58 Jahren etwa sind wir dann endlich im Lot – puh!


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