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Oxytocin Liebe, Lust und Leidenschaft: Das alles kann das "Liebeshormon"

Oxytocin kann weit mehr als "nur" für gute Orgasmen sorgen
Oxytocin kann weit mehr als "nur" für gute Orgasmen sorgen.
© Vasyl / Adobe Stock
Oxytocin sorgt nicht nur für einen Liebesrausch: Das Hormon tut uns und unserer Beziehung richtig gut.

Oxytocin ist ein Hormon, das in puncto Beziehung ein echter Allrounder ist. Das "Liebeshormon" bringt uns nicht nur auf Wolke 7, wenn wir in einen anderen Menschen verknallt sind – auch im Laufe der Beziehung und in unserem Alltag außerhalb des Betts hat Oxytocin eine ziemlich wichtige Rolle.

Das Hormon sorgt für ein Liebeshoch

Die ersten Wochen und Monate in einer neuen Beziehung sind doch einfach die schönsten – heißt es zumindest öfter. Darüber lässt sich streiten, aber für viele Menschen ist die Anfangszeit tatsächlich emotional besonders mitreißend: Bei jeder Nachricht von dem:der Angebeteten hüpft das Herz, wenn man an ihn:sie denkt, muss man unweigerlich dumm-dämlich grinsen und bei jeder Berührung scheint ein Blitz durch den Körper zu jagen – hach, die Liebe! 

Niemand will diesem Zustand die Romantik nehmen, aber tatsächlich hat eine Studie aus 2012 festgestellt, dass die Menschen, die frisch in einer Paarbeziehung waren, einen "signifikant" höheren Oxycotinspiegel im Plasma hatten als untersuchte Singles. Besonders spannend: Die Werte blieben auch sechs Monate später unverändert – zumindest bei den Paaren, die sich bis dahin nicht getrennt hatten.

Oxytocin ist nicht nur im Bett immer mit dabei

Gleich zwei Studien beschäftigten sich mit der Rolle des Hormons in Bezug auf den "Höhepunkt" beim Sex. Schon 1987 stellte eine Studie fest, dass der Oxytocin-Wert im Plasma sowohl bei Frauen als auch bei Männern während der sexuellen Erregung anstieg. Und noch einmal in die Höhe schnellte, als es zum Orgasmus beziehungsweise der Ejakulation kam. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die zweite Studie im Jahr 1994.

Abseits davon spricht man vom Allround-Hormon Oxytocin auch besonders in Bezug auf die Schwangerschaft, wie eine Review zusammenfasst: Während der Geburt wird es in großen Mengen ausgeschüttet und auch beim Stillen spielt es eine wichtige Rolle, weil es nach der Stimulation der Brustwarzen freigesetzt wird.

Und das "Liebeshormon" kann sogar noch mehr, wie eine andere Review aus 2013 zusammenfasst. Unter anderem hat es Effekte, die positive Auswirkungen auf die Beziehung haben:

  • Vertrauen: Wie (nicht nur) eine Studie gezeigt hat, kann eine Verabreichung von Oxytocin dazu führen, dass Menschen ihrem Gegenüber mehr vertrauen – und damit ist nicht gemeint, dass sie sich zu allem Quatsch überreden lassen, sondern eher bereit dazu sind, "soziale Risiken zu akzeptieren, die durch zwischenmenschliche Interaktion entstehen".
  • Treue: Nun, immerhin scheint das Hormon dafür zu sorgen, dass Männer in einer heterosexuellen, monogamen Beziehung einen viel größeren Abstand zu Frauen einhalten, wie eine Studie feststellte. Wie die Forscher:innen selbst zugeben, lässt sich bei diesem für sie unerwarteten Ergebnis allerdings nichts darüber sagen, was die lieben Männer denken und fühlen.
  • Kooperation: Eine Studie stellte fest, dass Oxytocin eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der sozialen Kooperation darstellen könnte.

Gibt's das auch zu kaufen?

Ein Hormon, dass treu macht? Soziale Verhaltensweisen verbessert? Für einen intensiveren Orgasmus sorgt?! Oxytocin kann wirklich eine ganze Menge leisten – ein Glück also, dass der Körper das Hormon ganz von selbst herstellt. Oxytocin wird in unserem Gehirn produziert und schließlich im Körper ausgeschüttet.  

Künstlich beigeführt wird es eher für Studienzwecke, mitunter beim Geburtsvorgang und kann aufgrund seiner Eigenschaften auch bei der Behandlung von Menschen auf dem autistischen Spektrum und bei anderen psychischen Zuständen, die das soziale Miteinander beeinträchtigen, verwendet werden.

Zusammengefasst ist das "Liebeshormon" Oxytocin ungemein komplex und seine Wirkungsweise noch lange nicht vollständig untersucht. Aber an dieser Stelle ein kleiner Applaus an unseren Körper, der Unglaubliches zu schaffen vermag.

Verwendete Quellen:

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Barbara

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