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Bettgeflüster Wie sprechen wir über Sex – beim Sex?

Beim Sex über Sex reden? Unbedingt, rät eine Sextherapeutin
Beim Sex über Sex reden? Unbedingt, rät eine Sextherapeutin
© alfa27 / Adobe Stock
Kommunikation ist für eine Beziehung ungemein wichtig – auch und gerade beim Sex. Eine Sextherapeutin gibt Hilfestellung.

Na, wie fühlt sich das an? 

Wie oft hast du dich das eigentlich schon gefragt, während du mit deinem:deiner Partner:in Sex hattest? Manche Menschen wissen sehr genau, welche Berührungen und an welchen Stellen sie besonders erregen. Manche müssen erst einmal darüber nachdenken. Und wie sieht es eigentlich bei deinem:deiner Partner:in aus? Wüsstest du genau, was er:sie will? Und wie oft? Und wann? 

Dian Gleim ist Sextherapeutin und stellt sich diesen Fragen regelmäßig in Sitzungen mit ihren Patient:innen. Oft wird sie gefragt, wie man während dem Sex Feedback geben kann – positiv wie negativ. Sie nennt das "sexuelle Beziehungsskills" und hat ein paar Ideen für diejenigen, denen es beim Sex die Sprache verschlägt.

Warum überhaupt beim Sex über Sex reden?

Für einige Leute gibt es kaum eine abturnendere Vorstellung beim Sex als Gespräche. Schließlich möchte man ja im Moment sein, sich ganz den Sinnen hingeben und eben nicht den Kopf eingeschaltet haben, der für die Bildung kompletter und verständlicher Sätze allerdings notwendig ist. Also: Kopf aus und durch! Oder?

Tatsächlich hat es viele Vorteile, wenn du und dein:e Partner:in auch während des Akts kein Schweigegelübde ablegt. Denn: Es kann immer mal sein, dass jemand versehentlich eine Grenze überschreitet oder etwas tut, das schmerzt oder auf andere Weise unangenehm ist. Natürlich kann man auch im Nachhinein darüber sprechen, aber warum solltest du oder dein:e Partner:in die unangenehme Situation "aussitzen" müssen? 

Besser ist es doch, gleich verbal oder physisch Grenzen aufzuzeigen – oder gegenteilig deinem Gegenüber zu zeigen, dass diese Berührung/Bewegung etc. gerade richtig, richtig schön ist. Die Frage ist nur: wie?

So gibst du positives Feedback

Es gibt einige Möglichkeiten, deinem Gegenüber ein positives Feedback zu signalisieren:

  • Die Körpersprache: Du kannst mit den Bewegungen deines Körpers zeigen, dass du gerade ein sehr lustvolles oder angenehmes Gefühl hast, indem du beispielsweise deinen Körper gegen den deines:deiner Partner:in presst.
  • Laute: Ein simples "Oooh" oder "Aaaah" ist ziemlich universell verständlich und bedeutet zumeist: Ja, mach weiter damit, das ist gut!
  • Worte: Für die Gesprächigeren unter uns, sind natürlich auch ganze Worte eine Möglichkeit. Ein "Ja!" oder "Weiter!" oder "Mehr!" … ist dabei ziemlich eindeutig.

Sex-Talk: Tipps für negatives Feedback

Gerade zu Beginn einer Beziehung (oder einem spontanen "Übernachtungsbesuch"), ist es so eine Sache mit dem Sex-Talk: Man kennt sich nicht bzw. nicht besonders gut – insbesondere weiß man nicht um die Bedürfnisse, Vorlieben, aber auch Triggerpunkte der anderen Person. Das kann eine gemeinsame Nacht schon zum ziemlichen Minenfeld machen!

Umso wichtiger ist es hier, sich auch bei vermeintlich "negativem" Feedback nicht zurückzuhalten. Das macht dich oder dein Gegenüber nicht zur Spaßbremse, im Gegenteil: Selten will dein:e Sexualpartner:in dir beim Akt etwas Böses. Die Person darauf hinzuweisen, dass gerade eine Berührung, Bewegung etc. so gar nicht passt, hilft nicht nur ihr, sondern natürlich auch dir dabei, deine Grenzen zu wahren. 

  • "Das ist nichts für mich" ist ein mögliches Beispiel für negatives Feedback und für die Sextherapeutin eine andere Art zu sagen: "Das erregt mich nicht."
  • Eine andere Möglichkeit ist: "Das hat mir gefallen, aber jetzt nicht mehr so sehr." 
  • Wer etwas konstruktiver kommunizieren möchte, der:die kann ein wenig Hilfestellung geben: "Können wir stattdessen X machen?" oder "Ich möchte unbedingt Y machen" oder eben auch: "Kannst du höher/tiefer/weicher/schneller/langsamer gehen/machen?"

Gleim beschreibt den sexuellen Akt als das Erklimmen eines Berges, wobei das Ziel ist, den Gipfel zu erreichen (also einen Orgasmus zu bekommen). Somit ist "Das hat mir gefallen, aber jetzt nicht mehr so sehr" in etwa wie zu sagen: "Es hat meine Erregung bis hierher gesteigert, aber nun haben wir ein Plateau erreicht." Daran sei nichts auszusetzen, macht die Therapeutin klar. "Beim Sex ist jede:r für das eigene Vergnügen verantwortlich. Denken Sie daran, dass Ihr:e Partner:in nicht in Ihrem Körper lebt und nicht immer sagen kann, was für Sie angenehm ist und was nicht."

Worauf ihr beim Sex-Talk achten könnt

Die Sextherapeutin hat noch einen Tipp in puncto Wortwahl: "Am besten ist es, wenn Sie nicht 'Geh nach links' oder 'Geh nach rechts' sagen, denn je nach Ihrer Position ist Ihre linke Seite die rechte Seite des Gegenübers." Besser sei so etwas wie: "Geh nach innen" oder "Geh zu meinem … (Innenschenkel, Außenschenkel, Bauchnabel)."

Wichtig sei auch, dass man selbst bzw. der:die Partner:in über ein "gewisses Maß an sexuellem Selbstwertgefühl und Widerstandsfähigkeit" verfügt, so Gleim. Es geht bei dem Feedback nicht darum, dass jemand verletzt oder kritisiert werden soll – sondern dass beide auf der Suche nach Vergnügen sind. Und es ist doch ein tolles Zeichen, dass du bzw. dein:e Partner:in sich so wohlfühlt, dass man bereit ist, auszusprechen, was man will, oder?

Verwendete Quelle: Psychology Today

cs Barbara

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