"Chillt mal!" - Dieser Coach lehrt uns das Faulenzen

Coach Thomas Hohensee plädiert für Lockermachen statt Fleißarbeit. Gerne doch!

von BARBARA Redaktion

Lieber Herr Hohensee, wie geht Nichtstun?

Genau genommen kann man nicht nichts tun. Man atmet, denkt, liegt im Gras und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Selbst indem man schläft, tut man etwas.

Faulenzen heißt ja auch In-sich-Reinhorchen. Was kann ich da hören?

Wenn der Intelligenzquotient knapp über Knäckebrot liegt, gar nichts. Sonst eine ganze Menge: zum Beispiel, was gerade schlecht läuft, was noch zu tun ist – und, wenn man genau hinhört, auch das, was im Moment schön ist, und was man tun könnte, um noch glücklicher zu sein.

Die meisten Frauen fahren im fünften Gang durchs Leben. Immer noch schnell irgendwas erledigen. Wieso?

Weil die unwichtigen, aber dringenden Sachen davor schützen, sich zu überlegen, wie ein glückliches, entspanntes und von Liebe erfülltes Leben aussähe. Unangenehme Nebenwirkung: Zufriedenheit wird zum unerreichbaren Fernziel.

Ist es bequemer, heimlich zu faulenzen, weil man fürs öffentliche Faulenzen aufs Dach kriegt?

Bequemer schon. Andererseits könnten die Befürworter des blinden Aktionismus eine Menge von denen lernen, die sich zum Faulsein bekennen. Schon Laotse wies darauf hin, dass es neben der Kunst, etwas zu erledigen, die nicht minder edle gibt, Dinge ungetan zu lassen. Deshalb: Faulpelze aller Länder, vereinigt euch und chillt öffentlich!

Welche guten Dinge im Leben werden aus Faulheit geboren?

Dusche, Zentralheizung, elektrisches Licht, Fahrrad: Die meisten Erfindungen beruhen darauf, dass jemand keine Lust mehr hatte, zum Brunnen zu gehen, Holz zu hacken, ein Feuer zu machen oder 30 Kilometer zu Fuß zu laufen.

Welche grässlichen Dinge haben ihren Ursprung in Fleiß?

Eine der schlimmsten Folgen sind Kriege. Um sie zu führen, braucht man Fleiß und Disziplin. Faulheit würde sie unmöglich machen. Die Fleißigen holzen auch den Regenwald ab, produzieren bis zum Umfallen und lassen der Natur – und sich – keine Zeit zur Erholung.

Was kann ich von einem Teenager lernen, der den ganzen Tag im Bett verbringt?

Kommt drauf an. Wenn er depressiv ist, lohnt es sich nicht, ihn nachzuahmen. Sollte er sich jedoch glückliche Gedanken machen und sein Leben im Liegen genießen, kann man das unbedenklich übernehmen.

Wo ist der Unterschied zwischen Faulpelz und Drückeberger?

Wer über diese Frage länger als fünf Sekunden nachdenkt, ist jedenfalls weder das eine noch das andere.

Gibt es auch Dinge, die keinen Aufschub dulden?

Alles, was sich gut anfühlt: Eis essen, Menschen in Not helfen, mit seinem Lieblingsmenschen durch die Stadt bummeln, das Bad putzen, in den blauen Himmel gucken oder was einem sonst noch Spaß mach!

Mehr von Thomas Hohensee: „Gelassenheit beginnt im Kopf“ (Knaur MensSana) und „Ganz einfach Zeit haben“ (dtv).