"Das Leben ist kein Ponyhof!" – Alptraum Reiterferien

Ferien auf dem Ponyhof: Leider nicht geil!

von Diana Huth

Ich hatte eine ziemlich unbeschwerte Kindheit. Wir haben zuhause viel gelacht, Schabernack getrieben und waren immer füreinander da, wenn wir uns brauchten. Ich erinnere mich an unzählige Schulfreizeiten, die meine Mutter begleitete und fand das auch immer toll. Die anderen Kinder erschienen manchmal ein wenig neidisch, weil meine Mama so nett war. Im Umgang mit Kindern ist meine Mutter ein sehr großes Vorbild für mich. Auch mein Vater hat mich immer sehr inspiriert, mir viele Freiheiten gegeben und mich in allem unterstützt. Aber natürlich sind auch sie nicht unfehlbar und es gab dieses eine Erlebnis, das mich sehr geprägt hat.

Eigentlich kein Pferdemädchen

Ich muss so etwa acht Jahre alt gewesen sein und besuchte einmal die Woche eine Jugendgruppe. Das machte Spaß und als es darum ging, dass verschiedene Gruppen zusammen auf einen Ponyhof fahren sollten, überlegte ich, wie es wohl wäre, wenn ich zum ersten Mal reiten würde. Obwohl ich nun wirklich keins dieser Pferdemädchen war.
Es hieß, dass Birgit, die Gruppenleiterin, die ich so mochte, mitkommen würde, sonst leider niemand, den ich kannte. Das war etwas komisch, aber so lange Birgit dabei sein würde, war alles ok. Also entschied ich mich, mitzufahren. Ich freute mich auf die drei Tage Ponyhof, wenngleich es mir nicht so leicht fiel, unsere zwei neuen Zebrafinken 'alleine' zu lassen. Nach der Freizeit sollte es schließlich auch noch eine Woche in den Center Parcs gehen.

Ein Abend voller Heimweh

Damals hing ich manchmal noch sehr stark an Mamas Rockzipfel und der Abschied fiel mir schwer. Dann fand ich auch noch raus, dass Birgit nicht gekommen war, sondern nur die doofe Gabi. Sie war die Betreuerin einer anderen Gruppe und ich mochte sie nicht. Sie roch immer etwas komisch. Schlechte Stimmung war angesagt. Da waren viele andere Kinder und die kannten sich schon ziemlich gut. Ich fühlte mich ausgeschlossen und war damals zu schüchtern, um auf sie zuzugehen. Auch die Schnitzeljagd am Abend half nicht. Ich wollte nach Hause, einfach nur nach Hause. Alles war doof. Also ging ich zu Gabi und sagte, dass ich nach Hause wolle. Natürlich versuchte sie mir gut zuzureden. „Die anderen Kinder sind doch alle ganz nett, oder? Und morgen früh werden wir schon reiten.“ Pff, als ob mich das zu irgendwas angespornt hätte. Ich gab keine Ruhe, bis ich endlich meine Eltern anrufen durfte. Ich berichtete, wie schlimm alles war und am Ende hieß es, dass sie mich morgen nach der Reitstunde abholen würden. Erleichterung.

„Ich habe nochmal mit deinen Eltern gesprochen und gesagt, dass du hierbleibst.“

Die Nacht war nicht schön, aber der Gedanke, dass ich bald nach Hause könne (und meine Vögel wiedersehen würde), half. Nach dem Frühstück hatten wir unsere erste Reitstunde. Dazu mussten wir die Pferde putzen und striegeln. Einige waren natürlich voll die Profis. Ich nicht und mein komischer Pferdepartner auch nicht. Klar war ich dann auch noch diejenige, die vom Pferd zwischen die Beine getreten wurde. Wir ritten immer im Kreis und ein wenig Trab. Mittendrin rief mich Gabi zu sich um mir etwas zu sagen: „Ich habe nochmal mit deinen Eltern gesprochen und gesagt, dass du hierbleibst.“ Mein kleines Herz zerbrach und ich war noch nie so sauer! Noch Wochen und Monate danach habe ich Gabi gehasst. Ich fand das so unfair und unverschämt von ihr.

Phil, mein einziger Halt

Was sollte ich tun? Ich konnte es nur durchstehen. Hab ich natürlich auch. Es gab auch noch ein paar nette Momente. Die schönsten davon hatte ich mit Phil, meinem Pferd. Dass es mich getreten hatte, war mir egal. Wir beide verstanden uns. Als meine Mutter mich schließlich abholte, hatten wir unsere letzte Reitstunde und ein bisschen stolz war ich, wie gut ich reiten konnte. Doch der bittere Beigeschmack, im Stich gelassen worden zu sein, blieb.

Die böse Überraschung Jahre später

Jahre später kam das Thema nochmal auf den Tisch. „Na vielleicht hat es an mir gelegen", bekannte mein Vater. "Wie bitte?". "Ich habe damals gesagt, dass wir dich nicht abholen sollten. Ich wollte, dass du lernst: Wenn man sich für etwas entscheidet, dann muss man es auch durchziehen.“ Kurz stieg die alte Wut in mir hoch. Danach erklärte ich ihm, dass ich das verstehen kann und dass ich ihm dankbar dafür bin, dass ich gelernt habe, Dinge durchziehen und -halten zu können. Das was mir bei der ganzen Sache jedoch gefehlt hat, ist eine Erklärung. Ich hatte damals nicht verstanden, warum Gabi (bzw. meine Eltern) einfach entschieden hatten, dass ich bleiben muss. Ist manchmal so im Leben. Chefs entscheiden auch häufig Dinge, die wir nicht nachvollziehen können. Leider. Niemand ist perfekt und auch meine Eltern machen Fehler. Das ist ok. Spannend ist, wie weitreichend kleine Entscheidungen manchmal sein können.