"Ich kann es wirklich gut ertragen, älter zu werden" – Heike Makatsch über den Zahn der Zeit

Schauspielerin, Sängerin, Mutter von drei Töchtern und Markenbotschafterin von L'Oréal Paris. Demnächst wird sie auch noch Musicaldarstellerin – Heike Makatsch ist ziemlich vielseitig. Mit uns hat sie über ihr Alter, Gefallsucht und Schatten unter den Augen gesprochen.

von Tina Epking (Interview)


BARBARA.de: Du hast mal gesagt, du findest es nicht schlimm, wenn du als schwierig giltst. Stimmt das?

Heike Makatsch: Das war in Bezug auf die Frage im Rahmen der #metoo-Debatte, ob eine Frau als schwierig gilt, sobald sie meinungsstark ist. Ja, das stimmt grundsätzlich. Ich halte das aus, wenn ich das, wofür ich kämpfe, als gerechtfertigt ansehe. Ich glaube auch, ich kann eh am besten gefallen, wenn ich ganz nah bei mir bin, mich also nicht verbiegen muss. Wenn ich denke, dass ich wirklich schwierig war oder über das Ziel hinausgeschossen bin, gehe ich mit mir ins Gericht oder entschuldige mich.

Ist Gefallsucht deiner Meinung nach ein Frauenproblem?

Männer haben andere Formen sich anzupassen oder gut zu funktionieren, die vergessen vielleicht auch mal, wofür sie stehen wollen, um sich im Großen und Ganzen geschmeidig darzustellen. 


"Ich möchte nicht, dass meine Kinder davon betroffen sind, was ich beruflich mache"



Ich persönlich wäre manchmal gerne ein Mann. Wie sieht es bei dir aus?

Ich bin froh, eine Frau zu sein, ich finde Frauen super. Männer finde ich allerdings auch gut.


Du selbst lebst unter anderem in einem Haushalt mit drei Töchtern. Du redest allerdings nicht gern über dein Privatleben. Warum?

Ich spreche darüber, wie ich Dinge sehe, aber ich erzähle keine Anekdoten aus meinem Privatleben. Da sind ja auch andere involviert – die wollen das vielleicht gar nicht. Ich möchte auch nicht, dass meine Kinder davon betroffen sind, was ich beruflich mache.


Du hast dich in den letzten 20 Jahren optisch kaum verändert, wirkst immer noch sehr mädchenhaft. Wie wichtig ist Aussehen für dich? 

Ich möchte mich natürlich wohlfühlen. Ich stemme mich nicht mit Händen und Füßen gegen den Lauf der Zeit. Ich kann es wirklich gut ertragen, älter zu werden. Aber ich freue mich natürlich auch, wenn ich mich für die passenden Anlässe zurechtmachen kann und denke, dass die Frau, die ich im Spiegel sehe, das repräsentiert, was ich fühle. Mir ist eine regelmäßige Pflege wichtig, die Revital Lift-Linie von L'Oréal lässt meine Haut gut aussehen und anfühlen. Sich gut ernähren, Bewegung, Freude im Herzen, das macht auch alles schön....und zu guter Letzt bin ich froh über den passenden Concealer, das erfrischende Rouge und strahlendes Mascara.


Gehst du ungeschminkt raus?

Klar. Morgens schon. Es kommt ja auch immer drauf an, wo ich hingehe. Manchmal habe ich schon den Anspruch besser auszusehen. Ich kann aber gut ausblenden, wenn ich angeguckt werde, sollte es so sein, bemerke ich es kaum. Ich glaube, ich laufe so oft ungeschminkt herum, dass mich gar keiner erkennt (sie lacht). Ich fühle mich in meinem Kiez in Berlin unter keinerlei Performancedruck.


"Ich liebe das Leben, es wäre schön, wenn man es manchmal anhalten könnte"



Du bis 46. Hat denn diese Zahl für dich eine Bedeutung? 

Das Einzige, was ich am Alter schade finde, ist, dass das Leben irgendwann vorbei ist. Das rückt immer näher, die Jahre verfliegen immer schneller, auch wenn sich das Ende für mich natürlich noch in weiter Ferne anfühlt. Ich liebe das Leben, es wäre schön, wenn man es manchmal anhalten könnte. Aber Zeit ist so relativ. Ich bin 1971 geboren. Früher dachte ich, 2020 ist eine abgefahrene Zukunftsvision, alle würden dann mit kleinen Ufos herumfliegen. Aber es ist doch nicht so viel anders als 1980. So ist das auch bei Menschen. Ein Kern bleibt immer gleich.


Probleme verändern sich aber schon mit dem Alter... 

Hoffentlich. Ich möchte in der Lebensphase sein, in der ich jetzt bin. 28 war auch gut, nur anders gut. Jede Phase hat andere Dringlichkeiten. Trotzdem mache ich innerlich immer noch gerne einen Radschlag (sie lacht). Das kann ich auch tatsächlich noch ganz gut.

Und wenn du gerade keinen Radschlag machst: Guckst du Netflix? Gehst du ins Kino? Was siehst du selber gern? 

Ich bin kein Seriengucker. Ich interessiere mich für deutsche Kinoproduktionen, schon rein aus Neugier, um zu sehen, was die Kollegen so machen. Aber eigentlich suche ich  immer nach einem Film, der mir mich selbst oder die Welt erklärt. „Manchester by the Sea“ zum Beispiel hat mich sehr berührt. Dieser Film war existentiell.

Man sieht dich nicht sehr oft auf Promifeiern oder roten Teppichen. Bist du gern berühmt?

Ich hege und pflege das "Berühmtsein" nicht in meinem täglichen Leben. Wenn ich einen Film drehe, möchte ich, dass er gesehen wird und Menschen davon berührt werden. Ich freue mich, wenn meine Arbeit erfolgreich ist und darüber, wenn ich dafür Anerkennung bekomme. Das Öffentlichsein an sich interessiert mich nicht, aber meine Arbeit geht nun mal mit öffentlichen Auftritten einher.

Wie viel arbeitest du momentan?
Ich bin sehr zufrieden, wenn ich pro Jahr zwei schöne Projekte drehen kann.

Was macht denn für dich ein schönes Projekt aus? 

Regisseur, Drehbuch, Besetzung. Da gibt es verschiedene Pfeiler, die eine Rolle spielen.


"Mein Leben unterscheidet sich nicht viel von dem anderer Mütter"



Du hast genug zu tun, oder?

Für mich passt alles, weil ich noch eine Familie habe, mit der ich möglichst viel Zeit verbringen möchte. Ich bin ja außerhalb von Dreharbeiten sehr viel Zuhause. Ich habe lange Strecken, in denen ich in erster Linie Hausfrau bin. Mein Job ist manchmal sehr intensiv – und dann findet er wieder eine lange Zeit gar nicht statt. Mein Leben unterscheidet sich nicht viel von dem anderer Mütter. Ich gehe nur nicht jeden Tag ins Büro, sondern arbeite zwei Monate am Stück.

Schauspielerinnen beschweren sich allerdings oft, dass sie ab einem gewissen Alter weniger Drehbücher angeboten bekommen. Kannst du das nachvollziehen?

Ich finde es schwierig, eine Flaute im Job mit meinem Alter in Verbindung zu bringen. Mal gibt es mehr zu tun, mal wieder weniger. Das ging in meinem Arbeitsleben schon immer in Wellen. Natürlich gibt es Zeiten, in denen man denkt, wo die Drehbücher bleiben und dann wieder solche, in denen man nicht weiß, wie man mehrere Projekte gleichzeitig unter einen Hut bringen soll. Es ist unstet. Ich erlebe es so, dass es immer gute und schlechte Phasen gibt.

Ostermontag läuft der nächste Tatort mit dir. Ein Herzensprojekt?

Tatort ist anders als andere Projekte. Du bekommst nicht ein Drehbuch und entscheidest dann, ob du es machst. Im besten Fall kannst du dich mit einbringen. Das ist mir allerdings wichtig, ich möchte mitgestalten, welche Tonalität so ein Film hat.

Du spielst aber nicht nur, sondern singst auch. In einigen Filmen hast du beides verbunden. Gibt es etwas, das du gern in Zukunft unbedingt machen möchtest?

Tatsächlich bin ich gerade in der Vorbereitung für einen Film, den ich ein Herzensprojekt nennen würde. Es handelt sich um ein Film-Musical, „Ich war noch niemals in New York“, eine turbulente Geschichte über die Liebe, erzählt anhand der Lieder von Udo Jürgens. Gesungen habe ich schon oft in Filmen, das mit dem Tanzen ist neu. Das ist für mich ein Traum und gleichzeitig eine spannende Herausforderung. Außerdem nehme ich gerade die dritte Kinderliederplatte zusammen mit Max Schröder für den DiogenesVerlag auf. Diesmal widmen wir uns den Weihnachtsliedern aus dem ‚großen Liederbuch‘. 


Viele Schauspieler sagen, dass sie sich selbst nicht auf der Leinwand ertragen können. Siehst du dich selber gern?

Ich habe keine große Furcht davor, mich selbst auf der Leinwand zu sehen. Wenn es gut ist, dann freu ich mich. Wenn das Resultat nicht gelungen ist, ich beim Dreh einen schlechten Tag hatte, dann sehe ich das natürlich auch nicht gern. Wenn meine Arbeit aber auf dem Punkt war und eine Szene so wird, wie ich mir das gewünscht habe, bin ich zufrieden. Dabei ist es mir echt egal, ob ich furchtbar aussehe oder unreine Haut und Schatten unter den Augen habe.

Du bist nicht perfektionistisch?

Ich habe klare Vorstellungen von Dingen. Den Weg dahin beschreite ich aber auch durchaus chaotisch. Und es haut mich auch nicht um, wenn das Ziel mal verfehlt wird. Perfektionistisch klingt getrieben, als könne man nicht los lassen. Ich denke, das kann ich schon....

 


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"Ich kann es wirklich gut ertragen, älter zu werden" – Heike Makatsch über den Zahn der Zeit

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