"Kinder, wie die Zeit vergeht" - So dreht sich die gefühlte Uhr langsamer

Natürlich kann man versuchen, durch eine besonders gesunde Lebensweise mindestens 120 zu werden. Aber ob das glücklich macht? Zum Glück gibt es noch einen anderen Weg, mehr Lebenszeit zu haben. Zwar nur gefühlt, aber genau darauf kommt es doch an, oder? 

von Miriam Kühnel

Es ist ein bisschen paradox. Anderthalb Stunden dauern unendlich lang, wenn man auf den Bus wartet. Sitzt man aber im Kino und folgt einer spannenden Geschichte oder erkundet eine unbekannte Stadt, sind anderthalb Stunden schnell verflogen. Logisch also, dass man denkt, dass es eigentlich die gefühlte Lebenszeit verlängern müsste, wenn man möglichst viel "Langweiliges" erlebt.

Das Paradoxon der Zeit

Letzten Endes ist es aber genau andersherum. Zumindest im Nachhinein haben Menschen, die nicht viel Spannendes erlebt haben, das Gefühl, die Zeit sei geflogen. Menschen, die in der gleichen Zeit Abenteuer erlebt haben, geht es nicht so. Im Gegenteil: Sie kommen sogar mit dem eigenen Alterungsprozess besser zurecht, weil er ihnen logischer erscheint. Schließlich hat man ja auch schon ne ganze Menge erlebt!

Tu immer mal wieder was Neues

Früher ist die Zeit gefühlt viel langsamer vergangen, richtig? Dafür gibt es nicht nur eine Erklärung. Zum einen ist für einen Zehnjährigen eine Zeitspanne von fünf Jahren ein ganzes halbes Leben. Mit fünfzig sind es nur noch läppische zehn Prozent und die fühlen sich dann auch dementsprechend weniger an. Zum anderen haben wir, als wir noch jung und fresh und straff waren, andauernd Dinge gemacht, die allein deshalb aufregend waren, weil wir sie zum ersten Mal gemacht haben. Wir haben Hobbys ausprobiert, den Führerschein gemacht, uns dauernd neu verliebt und haben ständig neue Leute kennengelernt. Nichts gegen die ruhige Entspanntheit des Alters und die Weisheit, nicht ständig das Rad neu erfinden zu wollen, aber manchmal wieder mal etwas zu tun, was wir noch nie getan haben, verlängert unser Leben. Zwar nur gefühlt - aber darauf kommt es doch an. 

Auch für Paare empfehlenswert

In seinem Buch "Liebe. Und wie sich Leidenschaft erklärt" geht der Autor Bas Kast der Frage auf den Grund, warum Menschen sich verlieben, wie und warum die Liebe bleibt oder bei manchen eben auch geht. Ein Phänomen, das er im Buch vorstellt: Wer mit einer Person zusammen etwas erlebt, was Adrenalinspiegel und Puls nach oben schnellen lässt, projiziert diese Aufregung auf die Beziehung. Will heißen: Sowohl für ein erstes Date, als auch für Langzeitpaare, ist es sehr ratsam, zwischendurch ein paar Abenteuer zu erleben. Für neu geschlüpfte Schmetterlinge im Bauch. Und für mehr gemeinsame Zeit. Schon klar - auch hier halt nur gefühlt. Aber das eigene Gefühl ist ja auch irgendwie eine Wahrheit.