5 Tipps gegen die unnötige Scham im Schwimmbad

Im Urlaub geht es gerade noch so, in fremden Städten auch. Aber in genau das Hallenbad zu gehen, in dem auch der Fitness-Guru-Nachbar sein könnte, oder die Yogasüchtige Kollegin, das kostet unsere Autorin ein bisschen Überwindung

von Marie Stadler

Ich liebe Wasser. Ganz besonders das warme, süffige, nach Chlor riechende, das einen an die schönen Kindheits-Nachmittage im Schwimmbad erinnert. Diese Nachmittage, an denen man irgendwann glücklich und entspannt mit einer bunten Tüte in der Hand am Beckenrand Süßigkeiten in sich reinstopfte. Im Nachhinein gesehen vielleicht die Wurzel allen Übels.

Denn heute macht mir Schwimmbad nur noch halb so viel Spaß, was nicht direkt am Schwimmbad liegt, sondern an mir selbst. Mit zwei Kindern, eher mäßiger Sportbegeisterung und dem unsäglichsten Bindegewebe der Welt fühle ich mich in Winterklamotte eingemummelt irgendwie weitaus attraktiver als im Bikini. Dabei sind mir die fremden Leute tatsächlich relativ egal (so weit reicht meine Reife immerhin), aber die Vorstellung, irgendjemanden, den ich kenne, im Schwimmbad zu treffen, der mich sonst nur angezogen kennt und sich eventuell erschrecken könnte vor der halbnackten Wahrheit, diese Vorstellung verhagelt mir jedes Mal wieder die Lust auf die gechlorte Glückseligkeit.

 Alles eine Frage der Übung

Ich wäre nicht ich, wenn ich es dabei belassen würde. Und natürlich weiß ich, dass es weitaus sinnvoller ist, mental an meinem Problem zu arbeiten als mit einem Diätplan. Aber... ob es einfacher ist? Ich frage eine Expertin.

Christa Spannbauer ist Referentin und Autorin zum Thema Selbstliebe und Achtsamkeit. Einer ihrer Buchtitel lautet "Sei gut zu dir". Genau die richtige Frau, denke ich, und frage sie, was ich tun kann gegen die Selbstzweifel im an der Hüfte kneifenden Zweiteiler aus Elastan.

Hier sind sie: Ihre 5 Tipps gegen die unnötige Scham im Schwimmbad

Richte deine Aufmerksamkeit nach außen

Das mag jetzt erst einmal merkwürdig klingen, weil man eher den Rat erwarten könnte, ganz bei sich zu bleiben und nicht zu viel auf die Außenwelt zu geben. Doch das Problem ist ja meist eher, dass man zu sehr bei sich und seinen Selbstzweifeln ist. Wenn du am Beckenrand stehst, streck einfach mal den Zeh ins Wasser und konzentrier dich darauf, wie schön warm es sich anfühlt. Schau dir die Lichtreflexe, die glücklichen Menschen an, atme den Geruch ein, den du so magst und konzentriere dich ganz auf deine Sinne, anstatt über dich und deine Außenwirkung nachzudenken.

Verändere deinen Blickwinkel

Den Fokus zu verändern, klappt auch Zuhause vor dem Spiegel. Natürlich kannst du all deine Makel aus jeder Perspektive betrachten und verachten, aber hast du nicht auch wunderbare Seiten, die es wert wären, mal betrachtet zu werden? Vielleicht magst du deine Hände, deine Grübchen oder dein Dekolleté? Dann schenke diesen schönen Dingen unbedingt mehr Beachtung. Alles eine Frage der Übung... Hilfreich dabei: Stell dir vor, deine beste Freundin oder deine Tochter sähe genau so aus wie du. Würdest du sie so streng bewerten, wie du es gerade bei dir selbst tust? Eben!

Betrachte auch die anderen wohlwollend

Ganz wichtiger Punkt: Der Gedanke "ach, es gibt ja auch noch dickere als mich" hat noch keinem je gut getan. Obwohl es eine sehr gängige Strategie ist, andere zu verachten, um sich danach besser zu fühlen, ist sie keineswegs zielführend. Im Gegenteil: Wer andere verachtet, strahlt das meist unbewusst aus, was sich für alle unangenehm anfühlt. Wer sein Gegenüber hingegen wohlwollend betrachtet, schafft das meist auch bei sich besser und wird positiver wahrgenommen. Schon mal durch die Stadt gelaufen und festgestellt, dass irgendwie alle lächeln? Das passiert genau dann, wenn es dir gut geht und du freundliche Gedanken hast. Denn Menschen erspüren sehr genau, welche Energie du aussendest. Und meist spiegeln sie es wider in ihren eigenen Gesten und Gedanken.

Nicht alles muss bewertet werden

Ist es nicht faszinierend, wie unterschiedlich Körper aussehen? Das Schwimmbad ist der perfekte Ort, um zu üben, das mal völlig wertfrei wahrzunehmen. Das ist gar nicht mal so einfach. Nicht alles zu bewerten, erfordert Achtsamkeit und Übung. Wer es aber beherrscht, ist auch mit sich selbst viel entspannter. Eine hilfreiche Frage, die man sich in dem Zusammenhang mal stellen könnte: Wer entschiedet denn überhaupt, was "schön" ist?

Vergleiche sind das Gift der Selbstliebe

Eine ganz alte Wahrheit, sehr bekannt und doch immer wieder eine Erwähnung wert (vor allem, wenn es um die optimale Bikinifigur geht): Vergleiche bringen einen nicht weiter. Du willst wirklich so sein wie jemand anders? So röllchenfrei, braungebrannt, straff und jung? Das wäre wirklich furchtbar schade. Denn wer wäre dann genau wie du?