60-jährige DJane: "Die Musik ist wie eine Droge für mich"

Früher hat sie bei einer Bank gearbeitet, heute steht sie als DJ Suze Grun hauptberuflich hinter den Turntables: Susanne Grun aus Düsseldorf ist 60 und DJane. Wie sie es schafft bis morgens um 5 Uhr durchzutanzen, wo sie gelernt hat hinter den Controllern zu stehen und wie lange sie noch auflegen will, hat sie uns im Interview erzählt. 

von Tina Epking (Interview)

BARBARA: Wie kommt es, dass du nach der Rente noch mal DJane geworden bist?

Susanne Grun: Ich habe mich immer für Musik interessiert, aber ich bin immer nur Tanzen gegangen. Allerdings habe ich mich immer gefragt, wie das Auflegen funktioniert. Ich bin öfter in Dubai, und dort habe ich vor drei Jahren den Soundingenieur in einem Technoclub kennengelernt und ihm erzählt, dass ich gerne mal wissen würde, wie das alles geht. Dann hat er mir von der DJ-Akademie erzählt und gesagt, da könne ich mich mal anmelden. Das habe ich dann gemacht. 

Wie sah diese Akademie aus?

Ich hatte Einzelunterricht bei einem DJ, er mir das ganze Equipment erklärt hat. Ich hatte ja keine Ahnung davon und ich bin auch kein Autodidakt, der sich soetwas selbst beibringt. Zuhause habe ich mir direkt Controller gekauft, geübt und angefangen Sets zu mixen.

Was für Musik legst du auf?

Techno. Immer nur harten Techno. Tatsächlich war ich aber vor sehr vielen Jahren – als es noch gar keinen Techno gab –  schon mal so etwas wie eine DJane. Nämlich mit 18 in Bremen, wo ich gebürtig herkomme. Ich habe während meiner Lehre zur Rechts- und Notargehilfin in einer Disco dort hinter der Bar gearbeitet habe. Der DJ damals hatte keinen Bock bis morgens um 5 aufzulegen, wenn nur noch zwei Leute auf der Tanzfläche waren. Deswegen hat er mich gefragt, ob ich weitermachen will. Das habe ich dann gemacht und Underground aufgelegt. Auf einmal war der Laden auch morgens um 5 noch voll.

Wie lange hast du das gemacht?

Drei Jahre lang. Zwischen 18 und 21. Dann ist meine Mutter gestorben, und ich hatte keine Lust mehr in der Disco hinter dem Tresen zu stehen. Tanzen gegangen bin ich aber weiterhin. 

Was sagt denn deine Familie zu deinem Job?

Kinder habe ich nicht, aber mein Mann geht schon mal mit, wenn ich auflege. Eigentlich ist das nicht so sein Ding, aber manchmal kommt er mit. Er geht schon mit mir auf Ibiza in die Clubs, wenn wir dort sind, aber er hört andere Musik – mehr so Techhouse.

Kennst du viele Leute in deinem Alter, die so drauf sind wie du? 

Überhaupt nicht. Ich hänge immer nur mit 30-Jährigen rum (sie lacht).

Wie reagieren die darauf, dass du ein bisschen älter als 30 bist?

Die meisten denken, dass ich maximal Mitte 40 bin. Wenn die hören, wie alt ich bin, glauben die mir das fast nie. Ich habe aber auch ganz viele "normale" Freunde, die hören zwar andere Musik, Rock und sowas, finden aber auch gut, was ich mache. Davon sind viele ungefähr so alt wie ich. 

Schon mit Ende 30 ist es nicht ganz einfach bis morgens zu tanzen. Wie hältst du durch? 

Wenn ich auf einer normalen Party zuhause eingeladen bin, bin ich auch um 23 Uhr müde, aber wenn ich in einem Club bin, tanze ich oft bis 8 oder 9 Uhr morgens. Die Musik ist für mich wie eine Droge, die hält mich wach. 

Apropos Drogen. Nimmst du was?

Bist du wahnsinnig? Ich brauche wirklich nur die Musik zum Wachbleiben, das reicht mir. Ich kann auch nach so einer Nacht nicht schlafen, ich bin dann so aufgedreht, ich bleibe wach. Ich mache das aber auch nicht so oft, ich bewerbe mich ja nicht. Ich bin immer angesprochen worden, weil Leute auf mich über Mixcloud aufmerksam geworden sind. Meine Mixe sind da immer in den TopTen.

Arbeitest du noch in der Bank?

Nein, ich bin nur noch DJane. Ich mache viele Radioshows und mixe zuhause. Ich bin den ganzen Tag auf der Suche nach neuen Tracks. Demnächst produziere ich etwas zusammen mit dem DJ und Producer Lars Eberle. 

Wie lange möchtest du noch auflegen?

Ich habe neulich von der ältesten DJane aus Japan gelesen, die 82 ist. Wenn ich fit bleibe, kann ich mir auch vorstellen, so lange hinter der Turntables zu stehen. 

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

60-jährige DJane: "Die Musik ist wie eine Droge für mich"

Früher hat sie bei einer Bank gearbeitet, heute steht sie als DJ Suze Grun hauptberuflich hinter den Turntables: Susanne Grun aus Düsseldorf ist 60 und DJane. Wie sie es schafft bis morgens um 5 Uhr durchzutanzen, wo sie gelernt hat hinter den Controllern zu stehen und wie lange sie noch auflegen will, hat sie uns im Interview erzählt. 

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

E-Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden