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Ach so ist das... Was Männer wirklich im Strip-Club denken

10 Minuten im Gehirn eines Mannes
© Getty Images
Eigentlich wollte unser Kolumnist doch nur ein paar Bierchen mit seinen Kumpels trinken. Das letzte hätte er sich besser gespart.
von Björn Krause

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins, zwei, drei. Halligalli im Rotlichtviertel. Mittendrin meine Kumpels und ich. Waren eigentlich schon auf dem Weg nach Hause. Eigentlich. Stattdessen die kollektive Entscheidung für einen Absacker. Ein Bier von der Tanke für unterwegs ist ein Vorschlag. Ein Bier im Strip Club der andere. Was soll ich sagen …

Schummrig, schlüpfrig, schonungslos

Über der Tür ein zitterndes Neonlicht, davor ein wankender Türsteher, der zahnlos lächelnd Adjektive ausspuckt: sexy, sexy, sexy. Gehen rein, schieben zwei Samtvorhänge zur Seite, die schwer und speckig wie Schweinehälften von der Decke hängen. Die Adjektive drinnen lauten: schummrig, schlüpfrig, schonungslos. Es ist heiß, stickig, eng, so furchtbar eng, dass wir auf den ersten Metern hintereinander gehen müssen. Der Teppich saugt schmatzend an den Füßen wie beim Wattwandern. Die nächste Flut wird kommen. Davor aber erst mal: Ebbe. Und zwar in der Kasse. 

Nach dem dritten Bier zur Schuldnerberatung

Gucke auf die Karte und sehe alles doppelt. Die Preise der Getränke sind so unverschämt hoch wie die Absätze der Dame, die sie bringt. Um das erste Bier kommt hier keiner rum, sagt sie. An das zweite, denke ich, kommt keiner ran. Dafür müsste ich eine Hypothek aufnehmen. Und nach dem dritten zur Schuldnerberatung. Klar, dass hier alle schon besoffen reingehen.

Funkelnde Kugeln an der Decke, wippende auf der Bühne. Frauen, deren Namen sich auf Handy reimen, räkeln ihre Körper im flackernden Scheinwerferlicht auf einer Drehscheibe. Nichts für Epileptiker. Oder Ästheten. Sandy, Mandy, Candy rutschen wie Feuerwehrmänner an Stangen runter, schwingen ihre Hüften und lassen ihre Polyester-Knallbonbon-Unterwäsche zu Boden fallen. Ach herrje. Da ziehe ich mich aber mit mehr Hingabe aus, zum Beispiel beim Arzt – vor einer Prostata-Untersuchung.

Niemand will das sehen

Haben trotzdem Spaß, oder gerade deshalb. Lachen viel, sind eben alberne Jungs, die früher durchs Schlüsselloch geguckt haben und nun, 30 Jahre später, auf der anderen Seite der Tür stehen. Ist wie Zirkus hier oder ein Junggesellenabschied, wenn der Bräutigam mit Schlagsahne eingesprüht wird. Nur ohne Bräutigam. Aber Schlagsahne gibt’s. Wer will? Wir, ähm, nicht. Andere schon. Männer lassen sich mit ihrem eigenen Gürtel den Hintern versohlen. Niemand will das sehen. Jeder guckt hin.

Habe mein Gefühl für Zeit verloren. Weiß aber: Wenn Männer wirklich fast alle 30 Minuten an Sex denken, wie Studien behaupten, dann sind wir noch keine halbe Stunde hier.


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