Bitte lächeln! Warum es sich immer lohnt, freundlich zu sein

Die Welt da draußen wird immer rauer. Gerade deswegen ist es besonders wichtig, dass wir alle nett zueinander sind. Ein Plädoyer.

von Viola Kaiser

Vorgestern wollte ich ein Fahrrad kaufen. Dann überlegte ich es mir anders. Warum? Weil der Typ in dem Laden auf die Frage, ob er die Räder noch in anderen Farben hätte, total entnervt grunzte "Sind doch schon sieben da". Mir verging die daraufhin die Lust, bei ihm etwas zu erwerben.

Entgegen meinem ersten Impuls zurückzustänkern, sagte ich allerdings nur milde lächelnd "Tschüss" und ging. Ich würde das Rad woanders kaufen – nämlich bei dem Mann, bei dem ich schon vor langer Zeit mein erstes Rad gekauft hatte. Der Weg war weiter, die Auswahl kleiner, aber dafür wusste ich, der Verkäufer würde lächeln und mir gute Laune bereiten. Außerdem würde er mir auch eine andere Farbe bestellen, wenn mich das glücklich machen würde. Da war ich sicher. 

Ich hätte sofort zu ihm gehen sollen. Weil er mir ein gutes Gefühl gab, wenn er freundlich zu mir war. Weil es deswegen schön war, bei ihm einzukaufen. Auch wenn sein Schaufenster vielleicht nicht so "fancy" war wie das von dem Shop, in dem ich jüngst angemuffelt worden war.

Gemotze kann einem den ganzen Tag versauen

Warum ich das hier aufschreibe? Weil ich glaube, dass wir alle dieses Gefühl kennen, wenn uns das Gemotze eines anderen den ganzen Tag versaut. Das fängt schon morgens auf dem Weg zur Arbeit an. Dabei ist es viel schöner, wenn alle freundlich sind. Wenn der Busfahrer lächelnd "Hallo" sagt anstatt stoisch nach vorne zu gucken, der Radfahrer mit einem freundlichen Ton "Das ist ein Radweg" ruft, wenn wir uns verlaufen haben –  oder zwei Menschen in der Bahn gemeinsam lachen anstatt sch anzublöken. 

Laut Studien sind wir übrigens viel zufriedener, wenn wir viel lächeln. Nicht nur umgekehrt. Hat sich schon mal einer gefragt, warum Kinder oft so glücklich aussehen? Weil sie vorwiegend positive Reaktionen ernten – und diese spiegeln. 

Auch mal an einem Scheißtag lächeln

Was ich sagen will, ist: Wenn jeder Einzelne von uns mehr lächelt, freundlicher ist und einfach mal einen Schritt zurückgeht, selbst wenn er einen Scheißtag hatte,  ist alles viel leichter. Ich persönlich finde das auch nicht immer leicht. Aber es lohnt sich. Schon wegen der Kinder. Unter anderem, weil meine mich nachmachen – und das echt nicht immer von Vorteil ist. Das fiel mir auf, nachdem ich einen Radfahrer sehr aggressiv angezischt hatte, weil er fast eins meiner Kinder überfahren hatte. Danach fing das ältere Kind dauernd an Radfahrerin unflätigem Ton zu beschimpfen. Das gefiel mir nicht. An ihm und an mir. Ich konnte an dieser Imitation richtig sehen, wie ätzend ich gewesen war.

Man kann üben freundlicher zu sein

Seitdem übe ich, mich freundlicher zu verhalten. Manchmal gelingt es mir sogar. Neulich schnauzte eine Frau mich an, weil ich mich mitten auf dem Gehweg mit einem Bekannten unterhielt. "Sie stehen hier mitten im Weg, da muss man ja drumherum gehen. Was soll denn das!!!" keifte sie rüpelhaft in meine Richtung. Mein Gesprächspartner wurde sauer und wollte mich verteidigen: "Aber Sie kommen doch da wunderbar vorbei", entgegnete er leicht gereizt. "Vielleicht will ich aber keinen Umweg machen, nur weil sie rücksichtslos sind", brüllte die bereits Keifende noch lauter.

Da fiel mir eine Technik, über die ich neulich mit einer Verhaltenstherapeutin gesprochen hatte. Sie hatte geraten in Konfliktsituationen einfach mal nachzufragen. Zum Beispiel "Wie meinen Sie das denn jetzt?" Da dieses Beispiel nicht passte, sondern die arme Aufgebrachte erst richtig auf die Palme gebracht hätte, atmete ich einmal durch und fragte ganz freundlich und ruhig: "Aber warum sind Sie denn jetzt so sauer?" Da geschah das Wunder! Die Frau verlor den aggressiven Gesichtsausdruck, sah kurz baff aus – und lächelte mich auf einmal an. Dann sagte sie: "Das weiß ich auch nicht". Es war verblüffend, wie viel hübscher sie ohne den verkniffenen Gesichtsausdruck auf einmal aussah. Wir wünschten uns dann tatsächlich noch einen schönen Tag, und ich hatte ein gutes Gefühl im Bauch. Das Ganze ist übrigens keine Märchenerzählerei, es ist genauso passiert. 

Weniger und schönere Falten

Allein wegen des Gefühls im Bauch, wenn jemand zurücklächelt, loht sich jedes Mal wieder zu üben, mehr zu lächeln oder eine andere Freundlichkeit loszuwerden. Ein Kompliment, ein netter Satz ein geträllertes "Guten Morgen" kann einfach niemals falsch sein. Im schlimmsten Fall reagiert jemand nicht, im besten Fall macht es diese oft viel zu schlechte Welt zu einem besseren Ort. Mal ganz abgesehen von den bösen Falten, die man sich dadurch spart, dass man nicht dauergrimmig durchs Leben geht. 




Themen in diesem Artikel