Darum war der Urlaub mit meiner Mutter der beste seit Jahren

Unsere Autorin machte das letzte Mal Urlaub mit ihrer Mutter,  als sie 15 war. Dabei kann man bei so einem Mutter-Tochter-Trip viel über sich selbst lernen.

von Stephanie Morcinek

Wenn ich normalerweise einen Urlaub plane, frage ich meinen Partner oder vielleicht meine besten Freundinnen, ob sie Zeit haben. Meine Mutter war lange Zeit nicht im engeren Kreis der Auserwählten. Warum das so war, kann ich mir eigentlich nicht erklären, denn nachdem ich den Schritt Mama-Tochter-Urlaub jenseits der 30 gewagt habe, würde ich sie definitiv zu den Top-3 meiner Urlaubsbegleiterinnen zählen.

In den letzten Jahren machte ich Liebesurlaub mit meinem Partner, Spaßurlaub mit meinen Mädels oder Selbstfindungsurlaub mit mir alleine. Urlaub mit Mama? War gar nicht auf der Agenda. Vielleicht lag das gerade in den letzten Jahren auch daran, dass ich noch keine Kinder habe. Denn als junge Mutter nimmt man die eigene bestimmt auch aus rein praktischen Gründen mit an den Strand oder in die Berge. Schließlich freut sich Oma über die Zeit mit den Enkeln, während die frischgebackenen Eltern Zeit zu zweit genießen können. Dabei sollten wir viel häufiger Quality-Time mit Mama verbringen.

Die ideale Idee zum Geburtstag

Zu ihrem runden Geburtstag wünschte sich meine Mutter – wie überraschend – nichts. Dieses Nichts bereitete mir viel Kopfzerbrechen, bis mich ein Geistesblitz und ein Blick auf die Website des auf Gesundheitsreisen spezialisierten Reiseanbieters Fitreisen auf die geniale Urlaubsidee brachte. Denn da meine Mutter gesundheitliche Probleme mit ihren Beinen und Knien hat, wäre ein Kurztrip in ein Gesundheitshotel mit betreuendem Ärzteteam doch genau das Richtige.

Mama freute sich riesig und so stand ich am Donnerstag vor der Abreise bei ihr im Schlafzimmer und half beim Packen. Sie war richtig aufgeregt und ich merkte, dass ich mit meinem Geschenk voll ins Schwarze traf. Schon die Autofahrt am nächsten Tag war ein echtes Highlight. Wir tuckerten ganz gemütlich los, ließen uns Zeit und hörten eine selbsterstellte CD meiner Mutter. Dass dort nur Lieder drauf waren, die auch ich mochte, zeigte mir mal wieder, wie sehr mich ihr Musikgeschmack prägte. Wir sangen lauthals mit und mussten mehrfach lachen, als wir bei manchen Songs genau zur gleichen Textzeile komische Handbewegungen machten und die Songzeile seltsam betonten.

Doch das Lachen verging Mama kurz, als ihr bewusst wurde, dass sie eine der wichtigsten Sachen für einen Spa-Urlaub vergessen hatte: ihren Bikini. So lautete unsere erste Mission: Bikini-Kaufen. Ein kurzer Anruf in unserem Hotel, dem Klosterhof in Bayerisch Gmain, genügte und wir bekamen einen super Tipp für ein Bademodengeschäft vor Ort. Mama kaufte sich einen schicken Tankini, und ich stand als Modeberaterin zur Seite, der Mama voll und ganz vertraute. Ein schönes Gefühl, das sich den gesamten Urlaub hindurch zog.

Ich übernahm die Anmeldung, organisierte Wellnessbehandlungen im Klosterhof-Spa, das Menü fürs Dinner und kam mir so vor, als würden sich die Rollen im Leben irgendwann umdrehen. Während damals, mit 15, meine Mutter das Ruder der Organisation an sich riss, wurde es mir diesmal ganz sanft übergeben. Sie ließ mich alle Entscheidungen treffen und freute sich, nichts regeln zu müssen.

Urlaub mit den Eltern ist beliebt

Eine Studie im Auftrag von Enterprise Rent-a-Car kam letztes Jahr zum Ergebnis, dass über alle Altersgruppen hinweg mehr als ein Drittel (35 Prozent) der deutschen Erwachsenen mit ihren Eltern im Urlaub waren, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es sogar 61 Prozent, bei den 35- bis 44-Jährigen immerhin 47 Prozent und bei den 45 bis 54-Jährigen noch 17 Prozent.

Wir lagen also voll im Trend. Und weil es ständig regnete, und Wandern damit nicht infrage kam, lagen wir die meiste Zeit irgendwo herum. Mal machten wir einen Power Nap im kuscheligen Bett, dann relaxten wir in der Sauna, später auf den bequemen Liegen am Pool. Ich war über die Entspannungszeit mit meiner Mutter so dankbar. Wir konnten endlich über viele Dinge reden, die wir im hektischen Alltag, wenn ich mal schnell für einen Tag zu Besuch komme, nicht besprechen können. Wir redeten über Mamas Gesundheit. Über ihre und meine Beziehungslaufbahn. Über die Zukunft. Ich entdeckte Seiten an meiner Mutter, die mich sehr stark an eine ganz wichtige Person in meinem Leben erinnerten: an mich. Und das machte den Urlaub zu einer ganz besonderen Zeit.

Plötzlich erkannte ich mich in meiner Mutter wieder 

Meine Mutter ist nämlich genauso offen für Neues wie ich es schon immer war. Bei meinem Vater suche ich diese Eigenschaft meist vergeblich, er ist eher der Typ "Kenn ich nicht, vermiss ich nicht". Daher sieht er oft vielleicht auch Schatten, wo eigentlich keine sind. Meine Mutter blickt eigentlich immer positiv in die Zukunft – auch eine meiner herausragenden Eigenschaften, die ich sogar bei Feedbackgesprächen im Job immer wieder zu Ohren bekomme. Es gibt ein Problem in meinem Leben? Dann muss es dazu auch eine Lösung geben – und wenn diese noch so absurd klingen mag. Danke, Mama,  dass du mir deine positive Einstellung zum Leben in meinen Gen-Cocktail gemischt hast – und für unseren schönen Urlaub!




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