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Date Night mit Ehemann: Zack, wieder frisch verliebt

Date Night mit Ehemann: Zack, wieder frisch verliebt
© Getty Images
Nichts ist unromantischer als der Alltag. Deswegen vergessen wir manchmal fast, dass wir eigentlich noch ziemlich verliebt sind in den Mann, mit dem wir Bett und Klo teilen.
von Theresa König

Ganz am Anfang der Beziehung, was war man da noch aufgeregt, wenn das Telefon klingelte. Und dann redete man so lange, bis das Ohr glühte. Man verbrachte Stunden damit, den anderen besser kennenzulernen und herauszufinden, was er mag und nicht mag. Und dann erklärte man sich gegenseitig immer wieder, wie sehr man sich liebte. Ach ja, lang ist’s her.

Heute ist da kein Kribbeln mehr, wenn mein Mann kurz mal durchklingelt. Dann geht das eher so: „Schatz, das Klopapier ist alle, kannst du neues besorgen? Und haben wir am Wochenende eigentlich was vor? Sonst würde der Christoph auf ein Bier vorbei kommen, und, oh, ich muss auflegen, ich habe einen Termin. Bis später, Schatz!“ Tja.

So tricksen wir den Alltag aus

Der Alltag ist ein fieser Hund. Er klaut uns einfach jegliche Romantik. Wie soll man auch jemanden anhimmeln oder vor Leidenschaft verglühen, wenn man sich abends um die Fernbedienung streitet oder im Bad das Fenster aufreißt, weil er mal wieder länger auf der Schüssel sitzen geblieben ist? Aber diesen unromantischen Zustand will ich nicht mehr dulden. Das Kribbeln von früher muss wieder her. Wäre doch gelacht, wenn man den Alltag nicht irgendwie austricksen könnte. Ich habe da auch schon eine Idee: die Date Night.

Die Amerikaner machen das schon lange. Gerade Paare, die länger verheiratet sind oder Kinder haben, haben sie oft institutionalisiert. Also stelle ich mir und meinem Mann direkt mal einen Termin in den gemeinsamen Google Kalender, organisiere uns einen Babysitter und reserviere einen Tisch bei dem Italiener, wo wir früher, bevor wir Eltern wurden, regelmäßig versackt sind.

Zeit für Romantik

Allein für die Vorfreude hat sich der Aufwand schon gelohnt. Und für das Ergebnis sowieso. Ich tausche die üblichen Jeans und Turnschuhe gegen Kleidchen und hohe Hacken und finde das Ergebnis ziemlich respektabel. Mein Mann übrigens auch. Das sagt er, mehrfach. Als wir uns beim Italiener gegenüber sitzen, fühle ich mich wie bei einem unserer ersten Dates. So ein bisschen aufgeregt, und als wüsste man nicht genau, wie der Abend endet. Und dann passiert etwas total Abgefahrenes: Wir unterhalten uns. So richtig! Arbeit, Alltag, Organisatorisches hat in unserer Unterhaltung keinen Platz. Stattdessen geht es um uns. Was wir uns für die Zukunft vorstellen, was wir uns wünschen. Wir lachen und trinken viel zu viel Wein. Ohne einen Gedanken an den Kater am nächsten Morgen. Hinterher gehen wir wie zwei frisch Verliebte Händchen haltend nach Hause. Und sind sie wieder: das Kribbeln, das Anhimmeln, das Verliebtsein. Schön, dass ihr wieder da seid! Bitte bleibt doch noch eine Weile.

Und das tun sie auch. Selbst als am nächsten Morgen der Alltag in Form von vier Kinderfüßen viel zu früh um die Ecke gejagt kommt. Aber wir zwei schauen uns immer noch ein bisschen verknallter an als zuvor. Ist seine Stimme irgendwie tiefer? Sieht er heute nicht so richtig sexy aus? Und wie. Deswegen trage ich uns die nächste Date Night schon mal jetzt in den Kalender ein. In knallrot. Für wichtig! Ist es ja auch.


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