Schnarchende Männer – Der Feind in meinem Bett

Früher dachte unsere Autorin immer, dass ein Paar am Ende ist, wenn es getrennte Schlafzimmer hat. Heute hat sie dazu ihre Meinung geändert. Das liegt daran, dass ihr Mann im Schlaf viel lauter ist als tagsüber.

von Viola Kaiser

Heute Nacht war ich kurz davor meinen Mann zu schlagen. Ich weiß, das klingt brutal, aber für alles im Leben gibt es schließlich einen Grund. Und Schlafentzug ist nicht umsonst eine Foltermethode, das weiß ich inzwischen.

Mein Mann ist ganz wunderbar und ich liebe ihn. Bitte versteht mich nicht falsch. Aber er geht mir mit seinem Schnarchen so furchtbar auf die Nerven. Denn so sehr ich ihn liebe, so sehr liebe und brauche ich meinen Schlaf. Gerade ist die Phase überstanden, in denen uns unsere Kinder dauernd geweckt haben, jetzt habe ich das nächste Problem: Es heißt medizinisch "Rhonchopathie", macht mich fertig und gefährdet unsere Beziehung.

Noch vor wenigen Jahren habe ich über Paare gelacht, die über die nächtlichen Geräusche des anderen diskutierten. Solche, die getrennt schliefen, hielt ich für die Ewigkeit zerrüttet. Heute weiß ich es besser. Es ist so: Ich mag besonnene, ruhige Männer, meiner ist so ein Exemplar. Er spricht nur das Nötigste, aber das hat dann auch Hand und Fuß. Tagsüber gehe ich ihm sicher sehr viel öfter auf die Nerven als er mir. 

Nachts dagegen zahlt er mir alles zurück, in dem er neben mir röhrt wie ein Presslufthammer. Das ist übrigens nicht übertrieben: Richtige Schnarcher können bis zu 90 Dezibel laut werden – für diesen Geräuschpegel tragen Männer auf der Baustelle Kopfhörer. Ohropax helfen dagegen nicht, das weiß ich aus eigener Erfahrung. 

Meine Tochter könnte uns alle später rächen

Es geht mir ja nicht nur um mich, Schnarcher haben ein erhöhtes Krebsrisiko und eine geringere Lebenserwartung. Ich bin kein romantischer Typ, aber ich habe tatsächlich mit der Absicht geheiratet, dass das mit uns bis ans Ende gehen soll – das bitte nicht so bald kommen mag. Deswegen versuche ich rauszufinden, warum er neuerdings mit seiner nächtlichen Lautstärke jedem Düsenjet Konkurrenz macht.

Alkohol, Tabak und erhöhtes Gewicht können das Schnarchverhalten beeinflussen. Mein Mann raucht nicht, trinkt selten und hat einen tadellosen BMI. Schwanger ist er wohl auch kaum. Vielleicht muss er mal ins Schlaflabor? Vielleicht ist es nur eine Phase, durch die ich jetzt einfach durchmuss. Oder vielleicht sollte ich ab und an mal ins Gästezimmer fliehen, damit ich entspannt bleibe?

Meine bisherige Methode, ihn irgendwann in die Seite zu kneifen, damit er kurz aufhört und ich schnell wieder einschlafen kann, funktioniert dauerhaft auf jedem Fall nicht. Sie führt lediglich dazu, dass nicht nur ich, sondern auch der Mann an meiner Seite außerhalb des Bettes außerordentlich aggressiv agieren.

Meine kleine Tochter schnorchelt übrigens genauso wie ihr Vater. Nur in Babyversion. Hoffentlich behält sie das bei. So zumindest wird sie später eine ganze Generation an leidenden Frauen rächen können