Der wahre Charakter zeigt sich, wenn die dritte Kasse öffnet

Vergesst Big Five und alle Persönlichkeitstests der Welt, ja, sogar die in der BRAVO (selbst wenn die fast unschlagbar sind)... Du wirst nie so viel über einen Menschen erfahren wie in dem Moment, in dem sich eine weitere Kasse öffnet. 

von Marie Stadler

Der Big Five-Test mag gut sein, der Kassen-Test ist besser. Denn wenn bei REWE, EDEKA, ALDI, LIDL und Co. eine weitere Kasse öffnet, dann zeigt sich sofort, welche der folgenden fünf Persönlichkeiten vor und hinter einem stehen (und zu welcher man selbst gehört). 

Typ 1: Der eilige Rentner / Die eilige Rentnerin

Sie sind definitiv nicht in Eile, aber Zeit ist bei diesen Herrschaften trotzdem kein Gut, das man gerne der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Soweit es gesundheitlich irgendwie machbar ist, schubsen, drängeln und pöbeln sich die eiligen Rentner an die vorderste Front, koste es, was es wolle. Weinende Kinder, Berufstätige in der Mittagspause... nichts und niemanden würden sie jemals freiwillig vorlassen. Wen könnte man sonst mit einem kleinen Kassiererpläuschchen und einer fünfminutigen Suche nach zwei Cent nerven, wenn niemand mehr hinter einem steht?

Erkennungszeichen in freier Wildbahn: Graue Haare, angespannter Kiefer, bebende Unterlippe, Wutbürgerblick

Typ 2: Der Stratege / Die Strategin

Strategen stellen sich nicht einfach an Kasse 2 an, nein nein. Sie stellen sich mittig zwischen die 2 und die 3, stöhnen gekonnt in Richtung Kasse und stürmen dann im selben Moment los, in dem das Knistern der Lautsprecher eine kommende Durchsage ankündigt. Was mit den anderen ist? Dem Strategen komplett egal. 

Natürlicher Feind: Der Oberaufseher

Typ 3: Der Unglücksrabe

Ach, wäre er gerne ein Stratege, der Unglücksrabe... aber leider ist das Schicksal ein mieser Verräter. Unglücksraben landen am Ende immer dort, wo die Kasse ausfällt, ein Preis gesucht wird oder die Auszubildende am ersten Arbeitstag sitzt. Selbst wenn sie mal die ersten am Kassenband sind. Man erkennt Unglücksraben am gequälten Blick, an der Hoffnungslosigkeit, die aus jeder Pore quillt. Schließlich kennen sie das Prozedere längst. Und deshalb fühlen sie das Unglück auch dann, wenn es gar nicht da ist. Hach ja, das Leben ist schwer...

Lebensmotto: Gibt das Leben dir Zitronen, heul rum und übersieh vor lauter Tränen den Tequila.

Typ 4: Der Mutter-Teresa-Käufer

Sobald eine neue Kasse öffnet, werden Mutter-Teresa-Käufer nervös. Sie checken sofort die Lage und würden gerne den Betriebsrat des Supermarkts hinzuziehen, um eine Sozialanalyse zu machen. Ob die Alleinerziehende mit den schreienden Zwillingen wohl ärmer dran ist als die alte Dame, die sich kaum auf den Beinen halten kann? Wird der gechillte Teenie bemerken, dass der nette Mann hinter ihm offensichtlich Eile hat und wieder zur Arbeit muss? Fragen über Fragen, für deren Beantwortung die Mutter-Teresa-Käufer viel Zeit haben werden. Denn während sie noch denken, haben sich längst sieben eilige Rentner und fünf Strategen vor alle gequetscht, die es nötiger gehabt hätten (inklusive aller Mutter Teresas). Schade.

Was wir ihnen immer schon mal sagen wollten: DANKE! Schön, dass es euch gibt!

Typ 5: Der Oberaufseher (gerne auch weiblich)

Leicht zu verwechseln mit den Mutter-Teresa-Käufern, bloß nicht ganz so altruistisch. Oberhauptmänner und Oberhauptfrauen lieben Gerechtigkeit. Am liebsten würden sie erstmal die Überwachungskameras auswerten, um auch ja niemanden zu übervorteilen. Sie achten penibel darauf, niemanden zu prellen und lassen jedem den Vortritt, der vorher da war. Doch Gnade dem eiligen Rentner und dem Strategen! Wer drängelt, bekommt vom Oberaufseher einen ordentlichen Einlauf. Richtig so!

Typische Oberaufseher-Berufsgruppen: Lehrer, Polizisten, Richter


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