VG-Wort Pixel

Eine Reise veränderte für immer das Leben dieser Familie

Eine Reise veränderte für immer das Leben dieser Familie
© Austin Neill / Unsplash.com
Manchmal trifft das Schicksal genau die Richtigen. Rainer Schuster und seine Familie begegneten ihrem kleinen Wunder an einer Tankstelle in Mönchengladbach
von Pia Volk

Bevor ich mein ganz persönliches kleines Wunder erlebte, war ich eigentlich alles andere als glücklich. Ich hatte einige Zeit zuvor Stammzellen gespendet. Es ist sehr, sehr selten, als Spender auserwählt zu werden, ich war schon jahrelang in der Datenbank der DKMS registriert, als die Nachricht kam. Über Wochen wurde die Produktion meiner Stammzellen angeregt, mein Körper hat darauf sehr empfindlich reagiert, am Ende der Spritzenperiode konnte ich kaum noch stehen, sitzen, liegen. Ich konnte gar nichts mehr. Nach der Entnahme kam es mir vor, als hätte man mir mit den Zellen auch die Lebensenergie ausgesaugt. Ich fühlte mich elend zu dieser Zeit.

„Sie sind einer der glücklichen Gewinner!“

Eines Morgens brachte ich Jannis, 9, und Joline, 11, zur Schule. Danach fuhr ich noch an die Tankstelle bei uns in Mönchengladbach. Dort verlosten sie 33 Kreuzfahrten, und jeder, der für mehr als 10 Euro tankte, bekam einen Glückscode, den man auf einer Website eintragen konnte. Den Code tippte ich erst am Abend ein. Und dann stand da plötzlich: „Sie sind einer der glücklichen Gewinner!“

Bis dahin hatten wir unsere Urlaube meist in einer Ferienwohnung im Sauerland verbracht, wo wir uns selbst versorgen. Im Urlaub ist uns wichtig, dass wir zusammen sind, ganz gleich wo. Aber im Ausland waren wir noch nie gewesen. Und dann dieser Gewinn!

Wohin mit den Kindern?

Die Reise war nur für zwei Personen. Meine Frau Liane hat dann gegoogelt und herausgefunden, dass Kinder unter zwölf Jahren kostenlos in der Kabine der Eltern schlafen dürfen. Wir haben hin- und hergerechnet, ob das geht, die Reise lag ja mitten in den Sommerferien – Hochsaison also. Für die Flüge der Kinder hätten wir unsere Ersparnisse nutzen müssen. Aber als wir zum Fototermin gingen, wo uns offiziell der Kreuzfahrtgutschein überreicht wurde, sagte einer der Sponsoren: „Wir haben uns erlaubt, die Flüge auch für die Kinder zu übernehmen.“ Da hatte ich wirklich Tränen in den Augen.

Bis wir nach Malta flogen, wo unsere Kreuzfahrt begann, hatte ich noch nie in einem Flugzeug gesessen. Mit 44 Jahren sah ich zum ersten Mal die Wolken von oben. Dieses Gefühl beim Start, wenn man in den Sitz gedrückt wird, hat mich an meine Kindheit erinnert. An die Achterbahnen auf den Rummelplätzen. Am ganzen Körper hat es gekribbelt. So habe ich mich gefühlt, als ich in diesem Flieger saß. Als der Bus vom Flughafen Malta in den Schiffshafen einbog, dachte ich immer noch:

Das ist alles nur ein Traum oder eine große Verwechslung.

Das Kreuzfahrtschiff sah aus wie ein schwimmendes Hochhaus, das in der Sonne funkelt. Die Wochen auf dem Schiff waren die sorgen freiesten Wochen, die wir je hatten. Man bekommt von der Außenwelt gar nichts mehr mit. Es ist, als würde man von einer Welt in eine andere gleiten. Wir mussten uns um nichts Gedanken machen. Auf dem Schiff gab es Essen rund um die Uhr. Die Barkeeper wussten am dritten Abend schon, was wir trinken wollten. Wir mussten uns um Geld keine Gedanken machen, denn wir hatten eine Schiffskreditkarte bekommen. Wir lagen am Pool herum und sahen den Kindern zu, wie sie herumtollten. Abends sind wir ins Theater oder haben uns ein Musical angeschaut. Seekrank wurde keiner von uns. Wir waren im Glückstaumel. Liane sagte immer wieder: „Kneif mich mal, das ist zu schön, um wahr zu sein.“ Einmal saß Jannis auf unserem Balkon und zeigte auf etwas im Wasser. Neben uns glitt ein Delfin durch die Wellen! Es war wie in einem Traum.

Eine unvergessliche Reise, die unser Leben verändert hat

Die Reise hat unser Leben verändert. An was erinnert man sich, wenn man älter wird? Bestimmt nicht an den Fernseher, den man hatte, oder dass der Kühlschrank Eiswürfel machen konnte oder was sich Menschen sonst so leisten. Menschen wachsen zusammen durch das, was sie tun, und diese Reise hat uns als Familie noch mehr zusammengeschweißt. Davor hatte ich ein bisschen mit der Welt und dem Leben gehadert, aber seitdem glaube ich wieder, dass guten Menschen auch Gutes widerfährt. Die Buddhisten nennen das Karma.


Mehr zum Thema