Freie Fahrt durch die Hölle: Von Sprachnachrichten, Facetime und Döner

Man sitzt in der S-Bahn, im Bus oder auch im Wartezimmer und das Smartphone des Nebenmenschen macht pling, dann nochmal und nochmal und nochmal – Frequenz steigend. Parallel dazu steigt das Aggressionslevel unserer Autorin. 

von Linda Berger

Letztes Jahr habe ich mir zum Jahreswechsel mal wieder vorgenommen, ruhiger zu werden, besonnener zu handeln und weniger über andere Menschen zu urteilen, die ich nicht kenne. Leider ist das bisher nur in kleinen Teilen geglückt, wie ich erst kürzlich in der Bahn feststellen musste. Und ja, ich weiß, es ist verschwendete Energie und Lebenszeit, macht Falten und graue Haare, aber es gibt Tage im Leben, da kann ich das einfach nicht abstellen, denn: Ich verstehe einfach nicht, warum andere so wenig Rücksicht nehmen und ihnen ihr Umfeld so am Hintern vorbeigeht. Meine persönliche Hölle: öffentliche Verkehrsmittel! Man weiß nie, was man für sein Geld bekommt, wenn man einsteigt.

Junge, Junge, Junge, die Jugend von heute...

Gefühlt ist es noch gar nicht so lange her, dass ich selbst so um die 20 war. Naja, reell sind es 15 Jahre, aber das tut auch nicht so viel zur Sache. Jedenfalls habe ich nicht auf den Sitzen der S-Bahn lautstark Safri Duo interpretiert, um ganz offensichtlich und mit voller Absicht andere zu nerven, selbst dann noch, wenn schon darum gebeten wird, damit aufzuhören. Diese beiden Exemplare, die mir gegenüber sitzen, nicht – die haben extra Gas gegeben, um noch das letzte aus sich und den Polstern der S-Bahn-Sitze herauszuholen. Danke dafür!

Auch besonders beliebt: die Horde feiernder Partymäuse, die mich und alle anderen Mitfahrenden mit den neuesten Beats beschallt, während sie sich grölend Wodka Mate hinter die Binde kippt. Ja, ich war auch kein Unschuldslamm, aber nie so schlimm! Mama, falls du das hier liest, ganz bestimmt nicht! 

Döner macht schöner? Gleich nicht mehr!

Szenario zwei: Döner, Burger oder Asia Food in der Bahn. Es stinkt! Merken die das nicht? Wie kommt man auf die Idee, sich in einem geschlossenen Verkehrsmittel schön einen Döner oder Burger King Burger zwischen die Kiemen zu schieben. Ich bin echt nicht empfindlich was Gerüche angeht, aber das nervt mich einfach. Vor allem dann, wenn ich selbst unsagbaren Hunger habe. Ein Mischung aus purem Neid und komplettem Unverständnis, ob dieser Rücksichtslosigkeit! 

ring, Ring, RING – Alter, mach die Tastentöne aus!

DAS ist definitiv das Schlimmste: Menschen, die die Töne an ihrem Smartphone nicht ausstellen, im Sekunden-Takt Whats App - Nachrichten bekommen und ihre Sprachnachrichten LAUT abhören, in dem sie ihr Telefon schräg ans Ohr halten. Ernsthaft? Ich verrate jetzt mal einen wirklich geheimen Geheimtipp: Man kann das Smartphone einfach ans Ohr halten, wie beim Telefonieren und dann kann man die Nachricht auch leise abhören. Kraaaassss oder?

Noch schlimmer ist aber der neueste Trend: Facetime in der S-Bahn, auf laut versteht sich. Ernsthaft? Ist den Menschen denn nichts zu privat?

Chill mal deine Base

Ich weiß, man kann sich auch an Kleinigkeiten aufhängen und auf das große Ganze gesehen verhalten sich die meisten Mitfahrer ja auch total angemessen – die hört man nun mal nicht. Und manche sind Situationen sind auch wirklich niedlich, wie die ältere Dame die mir letztens in der Bahn gegenüber saß und dezent zur Schlagermusik aus ihrem Smartphone mitging. Was sie allerdings nicht bemerkte: Die Kopfhörer waren nicht richtig eingestöpselt... 
Und klar versuche ich entspannter zu sein, aber Rücksicht auf andere zu nehmen, finde ich trotzdem wichtig! Basta!