Gastgeber-Selbstversuch: Der Wein hat allen gut geschmeckt

Was soll man tun, wenn man Panik davor hat, Freunde einzuladen, weil man schlecht am Herd ist? Es einfach trotzdem machen. Eine gute Gastgeberin zu sein, hat schließlich nicht nur etwas mit Essen zu tun.

von Tina Epking

Als ich neulich las, dass laut einer Studie von Elitepartner.de 76 Prozent aller Männer Frauen attraktiv finden, die gut kochen können, war ich mal wieder sehr froh, dass ich schon verheiratet bin. Ich finde nämlich, dass Nudeln mit Butter und Käse durchaus ein aufwändiges Gericht sind. Ich habe mal Lachs-Gurken-Sandwiches am Nachmittag gereicht und so getan, als sei es ein Motto („Die Queen isst das jeden Nachmittag“), um nicht für andere Leute am Herd zu stehen. Seit Wochen versuche ich deswegen schon eine Einladung zu verschieben: Unsere Freunde Paromita und Peter sind beide echte Chefs am Herd. Sie produziert in kürzester Zeit nicht nur indische Currys wie ein Profi, sondern backt auch Brot, er kann sogar komplizierte Torten und Pralinen selbst machen und ist einer von den wenigen Menschen in meinem Umfeld, die einen Spiralschneider besitzen.

„Die Tischdekoration ist eher shabby als chic, aber mir gefällt sie trotzdem“

Leider habe ich wenig Zeit für die Vorbereitung, weil Paro und Peter ziemlich beschäftigte Menschen sind, und als ich sie frage, wann sie können: „In den nächsten zwei Wochen nur noch morgen“ antworten. Sie kommen also an einem Mittwoch, an dem ich arbeiten muss, und meine Kinder und ich nachmittags Besuch haben. Es beginnt semioptimal. Ich muss improvisieren. Was kriege ich hin? Geht es nicht vor allem darum, überhaupt etwas selberzumachen? Dass alle satt sind und genug zu trinken haben?

Ich entscheide mich für Lachslasagne – bis mir auffällt, dass das zu lange dauert. Spaghetti mit Garnelen, Knoblauch und Chilli sind doch auch ein schickes Essen, oder? Dazu gibt es Feldsalat mit Champignons und Parmesan, als Nachtisch Käse, Trauben und selbstgemachte Mousse au Chocolat. Weißwein hat mein Mann neulich bestellt. Am besten trinken wir den schon vor dem Essen...

Als die beiden eintreffen, drücke ich ihnen erstmal ein Glas in die Hand. „Der Wein schmeckt sehr gut!“ sagt Paro. Puh. Erste Hürde genommen. „Der Tisch sieht hübsch aus“, meint Peter. Tatsächlich habe ich mir Mühe gegeben. Ursprünglich wollte ich eine Tischdecke benutzen, fand aber bloß ein verknautschtes weißes Ding im Schrank, das leider nicht zu gebrauchen war. Trotzdem ist es für meine Verhältnisse festlich: Es gibt pinke Servietten, die alten Weingläser meiner Oma, dazu weiße Teller, silbernes Besteck und einen Krug mit Wasser. In der Mitte steht eine Blumenvase mit rosa Gerbera. Es ist mehr shabby als chic, aber mir gefällt es. Als wir sitzen, sagt Peter: „Originelle Idee so ein Champignonsalat“. „Die haben viel Vitamin C“, antworte ich nur. Man muss ja nicht darauf hinweisen, dass das eigentlich ein Feldsalat mit Champignons, Tomaten und Parmesan ist, der sehr pilzlastig wirkt, weil der vorhandene Salat irgendwie durch das ganze Gezupfe sehr wenig geworden ist.

Glücklicherweise ist der Salat schnell gegessen. Paromita hat anscheinend ein Faible für Pilze (oder möchte ihren Vitamin-C-Haushalt pushen), sie will mehr von meiner etwas gewöhnungsbedürftigen Vorspeisenkreation. Ich bin erleichtert, als alle die Spaghetti essen. Davon gibt es glücklicherweise auch genug. Meine größte Angst ist nämlich immer, dass das Essen nicht reicht, dass jemand nicht satt werden könnte. Als ich den Nudeln noch eine Portion Salz verpasse, macht Paromita es mir nach. Aber das kann jedem passieren, oder? Besser als zu viel, denke ich.

„Ich kippe Sahne und Eiweiß einfach zusammen – und lese dann, dass das so nicht funktioniert“

Beim Dessert sagt mein Mann: „Ich finde das total gut mit den Schokostücken.“ Ich verstehe nicht, was er meint. Bis ich selbst auf eins von der Größe einer Mini-Ritter-Sport beiße und mir einfällt, dass ich mittags nur eine halbe Stunde Zeit für das Dessert hatte. Anscheinend habe ich die Schokolade für das Mousse au Chocolat nicht richtig geschmolzen. Absicht ist dieser Special Effect nicht, aber alle finden ihn anscheinend gut. Glück gehabt. Chefkoch.de stuft Mousse au Chocolat übrigens als simpel ein, ich habe schon im zweiten Schritt den ersten Fauxpas eingebaut. Anstatt Sahne und Eiweiß getrennt zu schlagen, kippe ich alles zusammen – und lese dann, dass das so nicht funktioniert. Am Ende habe ich eine sehr flüssige braune Pampe in den Kühlschrank geschoben, die sich aber wie Wunderwerk nach zwei Stunden in eine dessertähnliche Masse verwandelt hat. Ein Traum. Zusammen mit Himbeeren sieht das Ganze sogar gut aus. Ich bin stolz.

Während unsere Essens bekommt unsere Freundin auf ihrem Handy die Zusage für einen neuen Job, auf die sie schon den ganzen Tag wartet. Wir öffnen die nächste Flasche, essen Weintrauben und Käse und trinken weiter. Eigentlich dachte ich, dass alle früh ins Bett wollen, weil wir morgen raus müssen, aber unsere Freunde bleiben, weil es gerade so schön ist. Am Schluss essen wir noch mal ein Mousse au Chocolat und dann Pombären zu noch mehr Wein. Natürlich sind die nicht selbstgemacht und auch nicht gerade ein kulinarischer Höhepunkt, aber das ist mir völlig egal – Paromita liebt die kleinen Chipstierchen und freut sich darüber fast mehr als über den neuen Job. Mein Fazit:  Anfängernudeln, wenig Salz und Mousse zum Beißen hin oder her – wir hatten Spaß und viel guten Wein. Der Rest ist nicht so wichtig.

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