VG-Wort Pixel

Green Travelling Happy Holidays im Bauwagen

Green Travelling: Frau im Wald
© Bogdan Sonjachnyj / Shutterstock
Urlaub im Bauwagen auf dem Land? Klingt nach Nieselregen, bibbernden Nächten und Vier- bis Achtbeinern, die sich wahlweise um den Bauwagen oder in dessen Ritzen tummeln. Kurzum: Es klingt nach wenig Erholung! Unsere Redakteurin macht die Probe aufs Exempel – und ist begeistert! Ein Plädoyer für grüneres Reisen.

An unseren Urlaub kann die Messlatte manchmal ganz schön hochgesteckt sein: rauskommen, Neues erleben, ferne Länder sehen, stylische Unterkünfte und am liebsten noch jede Menge Abenteuer dazu erleben! Dass das für unsere Umwelt nicht gerade das Beste ist, kann sich jede:r denken. Doch letztes Jahr machte sich nicht nur ein Gefühl von Flugscham bei mir breit, auch das Coronavirus machte jedweden Reiseplänen einen Strich durch die Rechnung. Weltenbummler:innen wurden unfreiwillig zu Stubenhocker:innen und Vielreisende entweder zu Waldbadenden oder zu Dauercamper:innen. Die Tourismusbranche hat es schwer getroffen, aber unserer Umwelt tat das tatsächlich gut. Der weltweite Flugverkehr wurde stark reduziert und die Natur atmete endlich mal auf. Indes stellten viele Urlaubshungrige in der Zeit zwischen den Lockdowns gezwungener Maßen fest, dass es in den heimischen Gefilden auch richtig schön sein kann – und bewegten sich dadurch ganz automatisch hin zur Kategorie Slow/Green Travelling. So auch ich: Eine Woche Urlaub im Oktober lag vor mir – und dazu der Wunsch (nicht nur Corona-bedingt) in der Nähe zu bleiben und in Sachen nachhaltigere Urlaubsoptionen die Augen offen zu halten. Also klickte ich mich durch diverse Onlineauftritte und fand letztendlich einen restaurierten, kleinen Bauwagen, der in einem Garten auf dem Lande steht.

Hyggelig und grün

Urlaub im Bauwagen also – im Herbst, ohne Heizung und mit Außentoilette – das klang nach Abenteuer! Blieb noch die Frage nach dem Hinkommen. Da ich mir Slow Travelling zum Leitspruch gemacht hatte und sowieso kein Auto besitze, war auch die Sache schnell geklärt: Fahrrad und Bahn geben eine gute Kombi ab und brachten mich entspannt von Hamburg nach MeckPomm. Die Hinfahrt war Entschleunigung pur und während ich durch die Felder radelte, kam ich direkt in diese Art von Gemütlichkeit, die Dörfer auf dem Land per se schon ausstrahlen. Der Bauwagen an sich war dann wirklich eine Überraschung: Das mit so viel Liebe und handwerklichem Geschick restaurierte Kleinod stand auf einer Streuobstwiese und lässt sich durch das Wort hyggelig wohl am besten beschreiben: Klein, gemütlich und mit nachhaltigen Materialien eingerichtet – so dass man sich einfach wohlfühlen musste. Was dann folgte, erinnert an die Devise "naturnahes Leben": Wenn es abends kalt wurde, übte ich mich in der Kunst des Feuermachens, Wasser wurde im Kanister abgefüllt, Abwasser auf die gleiche Art wieder weggebracht. Licht gab’s, solange der Vorrat an Solarenergie es eben zuließ, und am Morgen kullerten Äpfel direkt vom Baum vor die „Haustür“. Fazit: Ich liebte es! 

Happy Holidays im Bauwagen: Außenansicht
© privat

Selten habe ich im Urlaub so gut abschalten können wie dort in diesem kleinen Bauwagen mitten im Nirgendwo. Vielleicht war es der mangelnde Internetempfang oder weil ich mich an diesem Ort mit dem Gegenteil von Reizüberflutung konfrontiert sah. Vielleicht war es auch, weil es dort einfach nicht so viel zu tun gab, außer Spaziergänge, kleinere Radtouren, Abende vor dem Kamin und gute Bücher. Fakt ist, ein paar Tage in dem Bauwagen fühlten sich an wie Wochen, in denen ich mal "raus aus allem" war, und das fand, was man sich im Urlaub oft wünscht: Erholung. Mein Energielevel füllte sich wie von selbst in dem kleinen Idyll wieder auf. Außerdem machte mich der Gedanke glücklich, dass sich Nachhaltigkeit und Reisen doch gut vereinen ließen!

Happy Holidays im Bauwagen: Innenansicht
© privat

Reisen und Neues sehen mit grüneren Optionen

Es ist klar, dass wir Menschen, sobald wir unterwegs sind, immer einen ökologischen Fußabdruck hinterlassen werden – und mir ist auch klar, dass so ein Bauwagen nicht für jede:n der Inbegriff von Urlaub ist. Dennoch zeigt es, dass da draußen (und vor allem um die Ecke) viele schöne und vor allem grünere Optionen bereitstehen: Sei es die privat geführte Pension, die beim Frühstück auf Bio-Produkte der lokalen Bauern setzt; Das Hotel, das grüne Energie bezieht und ein nachhaltiges Wasser- und Müllmanagement verfolgt; Oder die vielen Unterkunftsmöglichkeiten, die aus nachhaltigen, recycelten oder lokalen Materialien gefertigt sind und einen direkt ins Grüne platzieren (Baumhaus, Tiny House, Tippi etc.) – alle versuchen sie ihren Teil dazu beizutragen, in Sachen Nachhaltigkeit umzudenken.

Wir Menschen werden immer gern reisen und Neues sehen wollen – die Frage ist nur, wie und auf wessen Kosten! Ich bin keine Verfechterin davon zu sagen, wir sollten alle nie wieder fliegen – dafür gibt es viel zu schöne Orte auf der Welt, von denen der ein oder andere im Laufe des Lebens doch noch entdeckt werden möchte. Trotzdem lohnt es sich im Hinterkopf zu behalten, dass Tourismus auch eben das zerstören kann, was wir eigentlich so lieben. Der Blick nach grüneren Optionen kann dafür sogar spannendere oder erholsamere Alternativen bereithalten – auch wenn oder gerade weil zwischen Heimats- und Urlaubsort vielleicht nicht mal 100 Kilometer liegen. Und das auch ganz unabhängig von Corona-bedingten Reiseauflagen. Und selbst wenn es irgendwann wieder etwas weiter gen Süden gehen soll, so findet sich bestimmt auch da eine mediterrane Bauwagen-Version – mit noch mehr Solarenergiepotenzial.

Barbara

Mehr zum Thema