Happy Gar Nix – Wie es ist, am 29. Februar Geburtstag zu haben

Unsere Autorin darf in diesem Jahr endlich mal wieder Kerzen ausblasen. Aber auch in all den Jahren, in denen es keinen 29. Februar gibt, findet sie es ganz ok, an einem Tag Geburtstag zu haben, den es meist gar nicht gibt.

von Christine Rickhoff

Man kann alles im Leben von der einen oder auch der anderen Seite betrachten. Mir wurde zum Glück von Anfang an die "Das-Glas-ist-halb-voll-Version" des Lebens serviert. Mitleid für mein außergewöhnliches Geburtsdatum habe ich als Kind nicht verstanden. Meine Eltern hatten mir das nämlich nicht als Problem verkauft, sondern als Privileg: "Du hast dich eben schon am Tag deiner Geburt entschieden, etwas Besonderes zu sein." Und damit konnte ich wirklich gut leben. Erst später bekam ich die Tücken des Datums mit.

Bloß kein Kind am 29. Februar bekommen

Ich bin erst kurz vor Mitternacht auf die Welt gekommen, die Zeitungen hatten schon geschrieben, dass kein Kind in unserem Landkreis am Schalttag geboren ist. Ein Zufall, dass es so wenige Schalttagkinder gibt? Nicht ganz. Tatsächlich soll es Mütter geben, die diesen Tag per Wunschkaiserschnitt umgehen oder vorher die Geburt einleiten. In meinen Augen völlig bekloppt! Schon bei der Geburt meinem Kind eine Richtung vorzugeben oder überhaupt zu erwägen, am Geburtsdatum zu drehen, würde mir nicht in den Sinn kommen. Schließlich ist es ja wirklich nur eine Frage des Marketings, wie ich dem Kind sein besonderes Datum verkaufe. Die einzige Frage, die tatsächlich schon für Eltern ein bisschen nervig ist: Wann feiert man denn nun in den drei Jahren zwischen dem einen und dem nächsten Geburtstag?

Kein Schaltjahr: 28. Februar oder 1. März?

Die Frage, an denen sich die Gemüter scheiden. Und zwar jedes Jahr wieder. Seit jeher wird mir je nach Gratulant an beiden Tagen gratuliert. Und grundsätzlich mit der schüchternen Frage, ob das denn nun so richtig sei. Ist auch wirklich nicht einfach, denn das hält jeder irgendwie anders. Während manche wenigstens auf ihren Geburtsmonat bestehen, finden andere, dass sie sich erst am Tag darauf älter fühlen. Ich persönlich gehöre zur zweiten Gruppe und feier am 1. März. Das ist übrigens in Deutschland auch das gesetzliche Datum. Rechtlich gesehen durfte ich, als ich volljährig wurde, erst am 1. März Wodka in mich reinkippen. In Neuseeland zum Beispiel würde gesetzlich geregelt der 28. Februar als mein Geburtstag gelten, wenn es mal wieder keinen 29. gibt. Auch Facebook befindet, man müsse mir am 28. gratulieren. Und Facebook scheint sowas wie der moderne Papst zu sein. Alle gratulieren. Auch die, die es ohne Facebook besser wussten. So gesehen hab ich sogar doppelt Geburtstag.

"Kein Geburtstag, kein Geschenk"

Egal, ob wir letztes Jahr 35, 51 oder 87 wurden. Wir kennen alle Witze, die man über den fehlenden Geburtstag machen kann, längst auswendig. Von "Kein Geburtstag, kein Geschenk", über "Du siehst aber älter aus als du bist, du Arme!" bis zu "Eigentlich gibt es dich ja dieses Jahr gar nicht", wir lachen wirklich nur aus Höflichkeit mit, denn diese Sprüche sind einen Guiness-Buch-Eintrag für den längsten Bart wert. Zumindest in unserem Leben. Aber es ist wirklich amüsant, den anderen dabei zuzusehen, wie sie sich selbst wegschmeißen über ihren eigenen Spruch. So gesehen sind sie am Ende ja doch irgendwie witzig.

Vor Zahlen brauche ich mich nicht fürchten

Meine Kollegin erzählte mir letztens, dass sie bald 40 wird. "40. Das ist schon ein Einschnitt", sagte sie. Ich rechnete und merkte: Das kann mir einfach nicht passieren. 40 werde ich erst in weit über hundert Jahren und ich fürchte, dass ich das eventuell nicht erleben werde, obwohl ich brav ganz viel Obst und Gemüse esse. Ich habe vor, so 22 zu werden. Dann werde ich drei erwachsene Kinder haben, im besten Fall ein paar Enkel und Urenkel und noch immer ganz viel Dankbarkeit, dass meine Eltern mir das Gefühl gegeben haben, etwas Besonderes zu sein. Und das ist viel mehr wert als ein Geburtsdatum, das es jedes Jahr gibt.