Hier kommen mal ein paar echte Mutproben für euch

Klingelstreich nebenan: ewig her! Sprung vom Zehner: pfff! Wir hätten hier neue Mutproben für den Alltag. Sorry, sind das etwa eure Zähne, die da klappern?

von Melanie Khoshmashrab

1. SCHNIPP, SCHNAPP: HAARE AB

Für einen neuen Look muss man sich nicht vom Partner trennen. Macht doch mal an anderer Stelle einen Cut.

Das hilft beim Durchziehen:

Morgenvision: nur noch fünf Minuten im Bad, um die Haare zu stylen. So viel Freizeit war zuletzt in Kindergarten-Tagen.

Glücksgefühl:

Das bin ich? Ja! Ganz schön unerwartet. Ganz schön schön. Mut kann man sehen! Und dann diese vielen Komplimente …

Restrisiko:

Das bin ich? Nein! Hättet ihr mal besser nicht auf uns gehört.

Nun ist aber auch gut:

Selbst Hand anlegen wie Britney Spears ist nur etwas für pathologische Härtefälle. Erst atmen (noch mal!), dann den Friseur um seine Meinung fragen. Und vielleicht drauf hören.

MUMM-LEVEL ****

2. UNGESCHMINKT AUF DIE ROLLE

Oh. Man geht nicht mal ohne Make-up zum Wochenmarkt? Dann ist dies der persönlicher Dreikampf: Farbschichten sanft abtragen, Lächeln aufsetzen, willkommen im Club (auf der Party, Vernissage, Firmenfeier – wo immer man sich abends so rumtreibt)!

Das hilft beim Durchziehen:

Erinnert Ihr euch an die Schminkanfänge? Wie lange brauchte es, bis das gemalte Gesicht dem gefühltem Gesicht entsprach? Alles eine Frage der Gewöhnung. Auch umgekehrt.

Glücksgefühl:

Nachts sind alle Katzen wow. Und: im Morgengrauen kein Abschminken nötig!

Restrisiko:

„Geht’s dir nicht gut? Bist ’n bisschen blass.“

Nun ist aber auch gut:

Wenn man allen zwanghaft erklären muss, was Couperose ist, geht wieder in Deckung!

MUMM-LEVEL ***

3. FREMDEN GÖREN DIE MEINUNG GEIGEN

Kinder können so fies sein. Also, die der anderen. Sie winden sich quäkend aus dem Buggy. Kreischen. Zwingen ihre Eltern auf die Knie. Kerngruppe: Vierjährige. Schauplatz: Supermarkt, Wartezimmer, Bus. Was hilft: externe Irritation (im toten Winkel der Erziehungsberechtigten). Heißt: Zunge raus! DAS HILFT BEIM DURCHZIEHEN Immer dran denken: Auch als Passant hat man einen Bildungsauftrag. Und Eltern verlieren eben manchmal die Distanz, sind nicht so frei in ihrem Urteil. Schreien, äh, schreitet ein!

Glücksgefühl:

Diese zwei, drei Sekunden Stille.

Restrisiko:

Eltern haben doch keinen toten Winkel. Sie folgen Butzis Blick. Und sehen: DICH. Bäääh.

Nun ist aber auch gut:

Nicht kratzen, beißen, spucken!

MUMM-LEVEL *****

4. SCHÖNE WORTE FÜR EINE FREMDE

Boah, sieht die Frau toll aus! Hmm, duftet die gut! Dazu passt das Süßholz, das gleich geraspelt wird. Echt jetzt. Nur zu!

Das hilft beim Durchziehen:

Allein der Gedanke daran, wie so ein unerwartetes Kompliment bei einem selbst einschlagen würde: so schön!

Glücksgefühl:

Abgesehen von den Punkten für das Karma-Konto? Glaubt man kaum, aber wenn Menschen lächeln, macht das gute Laune. Sei der Auslöser.

Restrisiko:

Die Fremde schaut einen an, zieht die Augenbrauen hoch – nicht freudig, sondern mitleidig. Verdammt, du hast eine Schnepfe erwischt! Tschuldigung, war ein Versehen.

Nun ist aber auch gut:

Keine Komplimente unter der Gürtellinie!

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5. IM BETT FARBE BEKENNEN

Wenn man keinen Bock auf Sex haben, kann das so viele – auch wirklich ernsthafte – Gründe haben. Sollte es aber daran liegen, dass sein Sex dir nicht liegt, bringe es auf den Tisch. Erst mal bitte im übertragenen Sinne: „Du, ich muss dir was sagen …“

Das hilft beim Durchziehen:

Wir haben jetzt schon rote Ohren – nichts ist peinlicher, als über Sex zu sprechen. App dafür: „UnderCovers“ bietet 99 Fantasien zur Auswahl. Dem Partner werden aber nur jene Vorlieben angezeigt, die er selbst hui findet.

Glücksgefühl:

Verdammt, ich lieb dich …

Restrisiko:

Niemand will hören, dass er/sie nicht gut im Bett ist. Vermitteln: Ich brauche es so …

Nun ist aber auch gut:

Nenn dich nie Sexpertin, bitte!

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6. ABSAGEN ERTEILEN

Darf ich die Hälfte von deiner Pizza haben? Kannst du mich kurz nach Hause fahren? Besorgst du das Geschenk für die Kollegin? NEIN! NEIN! NEIN! Ach, ist das herrlich!

Das hilft beim Durchziehen:

Okay, okay, du kannst dich auch erst mal langsam herantasten. Zum Beispiel mit einem „Vielleicht“. Puh, das treibt einem schon den Schweiß auf die Stirn? Ja? Nein! Sprecht uns nach: N-E-I-N-! Wir schaffen das!

Glücksgefühl:

Nein heißt auch Ja – und zwar zu Ihrer Selbstbestimmtheit. Dieser Moment, in dem diese sich entfaltet: oh yeah!

Restrisiko:

Der Titel Everybody’s Darling wird womöglich aberkannt, du kleine Querulantin.

Nun ist aber auch gut:

Kategorisch zur Neinsagerin werden? Nein! Ähm, Ihr wisst schon, wie wir das meinen …

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