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Junggesellinnenabschied: Am Ende heult immer eine


Den Mount Everst besteigen, kein Problem. Eine Geburtstagsfeier mit 20 Fünfjährigen schmeißen – easy. Aber bitte fragt uns nie, nie wieder, ob wir euren Junggesellinnenabschied organisieren, ok?
von Theresa König

Manchmal ist das Leben wie eine romantische Komödie. „Wir werden heiraten!“ kreischt meine beste Freundin durchs Telefon. Und ich kreische vor Freude zurück. Kreischen ist eigentlich nicht so unsere Sache. Haben wir wahrscheinlich das letzte Mal mit 14 gemacht, als sie mir in der Schulpause erzählte, dass ihr Schwarm sie während der Mathestunde um ein Date gebeten hat. Aber bei einem Heiratsantrag darf man ja mal durchdrehen, oder?

Die nächsten Monate waren ganz hollywoodlike: Wir haben lachend Locations begutachtet, uns durch Hochzeitskuchen probiert, waren das Brautkleid shoppen und haben dabei das ein oder andere Glas rosafarbenen Sekt getrunken. Ach, war das schön.

Aber dann kam der Wendepunkt. „Willst du eigentlich einen Junggesellinnenabschied haben“, frage ich sie eines Abends unbedarft. „Och, das wäre schon schön“, antwortet sie. Von da an nahm das Drama seinen Lauf.

„Die Stripper sind echt klasse. Wirklich. Da darf man auch mal Hand anlegen.“ 

Die Braut wollte es stilvoll. Die Kolleginnen wollten sie verkleiden. Der Schulfreundin war der Weg zu weit. Ob man sich nicht irgendwo in der Mitte treffen könne? Die Schwägerin war beleidigt, weil an ihrem Lieblingstermin die anderen zehn Frauen nicht konnten. „Muss ich jetzt echt meinen Brunch absagen?“, schrieb sie erbost. Die ehemalige Kollegin fühlte sich nicht ernst genommen, weil keiner auf ihren Vorschlag mit den Zwillings-Strippern aufgesprungen war. „Die sind echt klasse. Wirklich. Da darf man auch mal Hand anlegen.“ Die Kommilitonin bekam keinen Babysitter. Die Cousine trennte sich von ihrem Mann und bekam einen Heulanfall, sobald das Wort Hochzeit fiel. „Ich kann das gerade alles nicht“, schluchzte sie ins Telefon. Die gute Bekannte bestand auf ein veganes Restaurant. Die Hotelbuchung der Kindergartenfreundin wurde verschlampt. Die Deutsche Bahn streikte und die Schwester stand im Stau. Mein Whatsapp-Speicher quoll über und die Nerven gleich mit.

Am Ende gabs dann aber doch ein Happy End – ohne Stripper, dafür mit viel Schnaps. Als die Sonne aufging, lagen wir uns alle in den Armen und bei der Hochzeit begrüßten wir uns, als wären wir seit Jahren die allerbesten Freundinnen.

Habe ich gerne gemacht, liebe Braut. Wirklich. Aber ihr müsst jetzt leider für immer und ewig zusammenbleiben. Denn das mache ich NIE WIEDER!


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