Kruzifix! Tanzverbot am Karfreitag. Bitte, was?

Ruhe und Besinnlichkeit wird Weihnachten angerechnet, dabei ist der unlustigste Tag im Jahr der Karfreitag vor Ostern. Da darf man quasi nichts. Schon gar nicht tanzen. Ruhe jetzt, zum Teufel! 

Gardinen zu, Strom aus, Kerzen an und beten – so sollte der Karfreitag wohl ausschauen, düster und insgesamt zum Heulen. Am besten noch den Wasserhahn tropfen lassen, dann fühlt ihr euch wie in einer Einsiedler-Höhle. Und ja nicht kichern! Amen. 

Leider wahr, daß der Karfreitag genau so gedacht ist. Inklusive Ostern als "stille Feiertage", das heißt kalt und trostlos – obwohl mit Ostern ja eigentlich der Frühling vor der Tür steht, und die Häschen sind ja auch eher für ihre fleißigen Triebe (zwinker, zwinker) bekannt.

Dennoch herrscht in Deutschland an gewissen Osterfeiertagen Tanzverbot. Besonders an Karfreitag. Aber bitte, liebe Minister, was soll denn das? Wir sind doch nach dem Winter schon zur Genüge betrübt.

War nicht lustig da, am Kreuz

Kurzer Religions-Crashkurs, falls ihr die letzen Folgen verpasst habt: In der (vorerst) letzten Staffel von "Zorn des Himmels" reitet Jesus am Palmsonntag auf seinem Esel "Umberto" in Jerusalem ein, feiert am Gründonnerstag das letzte Abendmahl mit Fingerfood und Weinschorle und wird dann am Karfreitag gekreuzigt. Mieser Kater quasi.

Ging schnell. Und ist natürlich sehr tragisch, weshalb jede Art von Lebensfreude an diesem Tag auch auf alle Ewigkeit untersagt ist – weil wieso sollten wir Spaß haben, wenn Jesus da ganz offensichtlich das Gegenteil von Spaß hatte? 

Aber ernst: Tanzen gilt als Ausdruck von Freude und in diesem Sinne am Karfreitag als pure Blasphemie. Somit sind in allen Sonn- und Feiertagsgesetzen der Bundesländer – mal strenger, mal lascher – "öffentliche Tanzveranstaltungen" am Karfreitag verboten.

Reeperbahn, du Antichrist

Wer in Bayern wohnt, hat ganz großes Pech. Zumal weil ihr in Bayern wohnt, und weil da von Donnerstag bis Samstagnacht alle Clubs dicht sind, wie die Touristen am Oktoberfest – Musik darf man auch keine machen, sogar ein Engelschor würde vorwurfsvolle Blicke kassieren.

Hessen tanzt (haha) auch aus der Reihe – da dürfen die Discos nämlich öffnen, aber keine Musik spielen. Hört sich toll an. Wo genau was erlaubt ist, haben die Kollegen vom Stern hier zusammengefasst.
Wer trotzdem feiern will, muss schon wie gewohnt nach Berlin gehen – zum Beispiel nach Kreuz-Berg (begriffen? Blasphemie!) Oder halt auf die Reeperbahn in Hamburg, da kümmert sich garantiert auch keiner um eure Bibeltreue. 

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