Kinder verboten! Wellness im Erwachsenenhotel

Kinder verboten! Wellness im Erwachsenenhotel

Ich wollte entspannen. Ein paar Tage einfach mal meine Ruhe. Job, Beziehung, Familie – es ist in letzter Zeit alles ein bisschen viel geworden und ehrlich gesagt, habe ich mir das auch mal verdient. Der Februar hat schließlich nicht so viel zu bieten außer die Steuererklärung, Rosenkohl und vielleicht die Heizkostenabrechnung

von Jessica Seiffert

Wellnesshotel „Adults-only“: Ach, sowas gibt’s?

Meine Recherche nach passenden Wellnesshotels führte mich schnell zu einem Hotel, das sich ausschließlich an Erwachsene richtet. Adults only? Ist das vielleicht etwas Versautes? Oder gehts da wirklich um Entspannung? Die Vorstellung allein fühlte sich schon einmal sehr gut an: Im Ruhe-Bereich ungestört ein Buch lesen, meine Bahnen im Schwimmbecken ohne Bauchklatscher vor meiner Nase drehen und keine neugierigen Kinderaugen, wenn ich gerade unbekleidet die Sauna verlasse. Auch keine Eltern, die mich mit einem inbrünstigem „Kommt da jetzt sofort wech vom Beckenrand, Kinners.“ aus meinem inneren Qi reißen.

Kinder verboten: Entspannung oder Diskriminierung?

Es sollte tatsächlich so sein: Dieses Spa-Hotel lässt einfach keine Gäste unter 16 Jahren zu – verrückt! Ich lese mir Bewertungen durch. Wie jetzt, nur drei von fünf Sternen? Ich bin skeptisch. Zu Unrecht, denn die eine Hälfte bewertet den Aufenthalt begeistert als unglaublich entspannend und würde sogar gerne mehr als fünf Sterne geben. Die andere Hälfte sind Eltern, die so richtig Dampf ablassen. Sie fühlen sich diskriminiert, weil ihre Kids dort keinen Zugang erhalten. Das könne schließlich nicht angehen. Dieses kinderunfreundliche Land. Scheißhotel. Solle man sofort verbieten. Zack, ich buche meinen Aufenthalt für ein Wochenende – und es war wundervoll. Im Ruhebereich hörte ich leises Vogelgezwitscher aus den versteckten Lautsprechern, ich hatte morgens um 9.00 Uhr vor dem ausgiebigen Frühstück das Schwimmbecken für mich alleine und an der Vitamin-Bar gönnte ich mir ohne jegliche Hektik einen Früchtesmoothie. Während ich auf meine Wellness-Behandlung wartete, bekam ich Tee angeboten. Die Atmosphäre war ruhig und freundlich. Es gab einige Alleinreisende wie mich und es gab Paare, die aber auch oft getrennt ihre Aktivitäten planten. Man kam selten ins Gespräch. Nicht, weil man sich nicht mochte. Sondern weil es jeder genoss, alleine zu sein und nicht zur Kommunikation und Aufmerksamkeit gezwungen war. Die Gäste lächelten sich maximal kurz zu, wenn man sich über den Weg lief, schwomm oder saunierte. Keine Kommunikation, dafür Entspannung, Entschleunigung. Kurz: Ruhe!

Liebe Eltern, entspannt euch mal!

Mag sein, dass ein solches Hotelkonzept für einige erst einmal einen komischen Beigeschmack hat. Doch offenbar kann sich das Hotel dieses Angebot ja leisten. Es gibt sie also, die abgespannten Erwachsenen, die einfach mal abschalten wollen – ohne permanentes Kindergeschrei im Sole-Becken. Und nein, diese Menschen sind keine notorischen Kinderhasser. Es sind sogar viele Eltern unter den Gästen, die sich als Paar eine kleine Auszeit nehmen. Gönnt euch das doch auch mal! Wer seinen Frust in Online-Bewertungen rauslassen muss, der hat diese Adults-only-Auszeit vielleicht sogar nötig. Ansonsten gibt es noch genügend andere Angebote, bei denen Kinder selbstverständlich herzlich willkommen sind.