Klar, war ich im selben Hotel wie du – 9000km entfernt!

Elefantenritt in Asien, Hipster-Brunch in New York: Wenn es hier noch kalt ist, schreit das Fernweh besonders laut. Nur blöd, dass immer alle an die selben, "total hippen" Trendziele fahren.

von Rex Valentino

Sommerträume! Hach, so ein bisschen in der Sonne liegen, Fruchteis löffeln und sich vom Badetuch aus für Touristen fremdschämen wär jetzt ja nicht schlecht – nach diesen gefühlten 100 Jahren Kaukasus-Eiswinter. Da ergötzt man sich schon mal einen Abend lang daran, wo es im Sommer denn hingehen könnte. Und die Instagram-Bilder aus der Südsee sehen auch alle so inspirierend aus! Sagenhaft!

Bevor ihr jetzt aber eure drei Wochen im Bungalow auf Gili Islands bucht: Seid gewarnt. Es gibt nämlich ein paar Trend-Destinationen, die überlaufener und deshalb heimischer sind als das Kleinstadt-Strandbad bei 40°C im Juli. Genau – das sind dann auch die Orte, die ihr überall auf Facebook-Fotos wieder erkennt.

Und wer bei seinem Thai Style Bourbon im Sonnenuntergang nicht von Selfie-Sticks erschlagen werden möchte, sollte bei folgenden Reisezielen deshalb vorsichtig sein. Gar nicht so schwierig: Nur schauen, wo alle hingehen – und dann eben was andres buchen.

Abenteuerlich exotisch: Bangkok bis Bali

Südostasien: Blaues, klares Wasser. Palmen, Strandbars, Ladyboys – In den letzten Jahren haben europäische Touristenströme die Region von Thailand über Vietnam bis Indonesien derart überströmt, als seien sie Holländer und Südostasien eine Pommesbude in der Wüste. Das Resultat: Gefühlt jeder war entweder schon da (und will unbedingt wieder hin) – oder hat bereits gebucht.

Der Horror also für alle Individualisten. Nun trifft man da auch zwei Arten von Touristen: Die Babsi vom Empfang, die gerade hysterisch vom Bananenboot runter steigt und genauso gut an die Costa Brava hätte fahren können, weil sie sich sowieso nie aus der Peripherie der Hotelbar begibt. 

Zweitens die pseudo-spirituellen Weltentdecker, die jeden Urwald-Ausflug zwar gefixt mit einer Reisegruppe unternehmen, die ganze Reise aber über Instagram-Hashtags als Selbstfindungstrip vermarkten und auf Facebook Artikel wie "Wieso Alleinreisende mehr Abenteuer erleben" posten. 

Easy Chill'n: Surf und Yoga-Camp

Yoga – welche spezielle Richtung jetzt auch immer – muss überall dabei sein. Im Büro, in der Kita und eben auch im Urlaub. So treibt es jährlich Schwadronen von Körpern an hippe Atlantik-Strände, wo sie dann verknüppelt in der Krieger-II-Stellung den reinigenden Wellen lauschen. Ooommmm.

Ganz beliebt im Moment: Portugal, Marokko und die Kanarischen Inseln. An sich ganz nette und farbenfrohe Länder und Gebiete. Super viel Sonnenschein und prima Essen – wär eigentlich ganz nett. Wo man dann aber den Yoga-Kult an sich noch umgehen könnte, mischen sich dann garantiert Surfer mit ein. Surfen und Yoga zieht sich übrigens magnetisch an. Auch auf Social Media.

Und obwohl wir Strandbars wie auf Tahiti lieben und vegane Sangria wohl auch ganz gut schmeckt – es nervt doch, wenn wir uns nebst all den durchtrainierten, sonnengeküsst-straffen Körpern im Urlaub auch noch schlecht fühlen. Pfui, dabei wollten wir Hawaii-Burger futtern. Wer's trotzdem wagt, geht dafür mit mehr "mindfulness" nach Hause, als John Lennon. Und eventuell Dreadlocks.

Hipper Städtetrip: New York, Stockholm, Barcelona

Für die kulturellen unter uns sind Städtetrips ja Dauerbrenner. Nur leider scheint es die Menschen immer an die gleichen Orte zu ziehen: Wer nicht aus Berlin kommt, reist erstmal nach Berlin. New York, London, Paris. Auch Kopenhagen ist derzeit sehr cool, weil es da viele Nischen-Kleiderläden gibt und alles auf Hygge macht.

Das heisst aber auch, das genau diese Metropolen von Touristen überladen sind. So steigen nicht nur die Flugpreise, sondern auch das Quecksilber im Nervtötungs-Meter, weil: Wie viele Blueberry-Doublecream-Cheesecakes-Fotos kann man eigentlich auf Instagram hochladen? Und wie viele Liter Skinny Latte? Denn besucht werden die Brunch-Cafes wohl stärker als die Museen.

Aber nicht so schlimm: Es gibt ja noch ganz viele nette Städte mit kulturellem Flair. Wie wär's mit Moskau – da gibt's ein Katzenmuseum. Oder man macht eine Wein, Salami und Käse-Tour durch Bologna.

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Frau mit Cocktail am Strand.
Klar, war ich im selben Hotel wie du – 9000km entfernt!

Elefantenritt in Asien, Hipster-Brunch in New York: Wenn es hier noch kalt ist, schreit das Fernweh besonders laut. Nur blöd, dass immer alle an die selben, "total hippen" Trendziele fahren.

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

E-Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden