Mit 20 ins Kloster – Wenn Gott zur Verlobung ruft

Wilde Partys, Alkohol, Sex? Alles verboten. Stattdessen: Aufstehen im Morgengrauen, Beten, Putzen, schlammfarbene Gewänder. Die Amerikanerin Lauren Franko ging mit 20 Jahren ins Kloster – weil Gott sie rief-

von Katie Breen & Jana Felgenhauer

Mit 20 Jahren bricht Lauren ihr Studium ab und macht mit ihrem Freund Schluss, um ins Kloster zu gehen. Der ist nicht überrascht – schließlich hatte sie ständig davon geredet, Nonne werden zu wollen.

Ihr Vater ist wütend, Freunde ziehen sich zurück. Im Kloster muss Lauren eine Probezeit bestehen. Der weiße Schleier, den sie nach zwei Jahren bekommt, bedeutet: Sie ist jetzt mit Gott verlobt. Aus Lauren wird Schwester Teresa Maria.

Vier Schritte sind nötig, um eine Nonne zu werden. Erst nach sieben Jahren legt sie ihr heiliges Ordensgelübde ab.

Eng zusammen im Schweigen

Geschirrklappern, Schritte, das Rascheln der Ordenstrachten, das ist alles, was man im Kloster hört. Stimmen dagegen selten. Beim Mittag- und Abendessen dürfen sich die Nonnen nicht unterhalten – außer an Weihnachten und zu Ostern. Erst nach den Mahlzeiten dürfen sie miteinander sprechen – für eine kurze Zeit. Dann reden alle wild durcheinander. Jede will loswerden, was sich in ihrem Kopf angestaut hat. Danach ist Gott wieder der einzige Zuhörer.

Als Lauren sieben Jahre alt ist, unterhalten sich ihre Freunde über ihre Berufswünsche. Ihr wird mulmig. „Farmerin“, sagt sie. Dabei sieht sie sich gar nicht mit Gummistiefeln im Kuhmist stehen.

Sie möchte etwas anderes: Nonne sein. Sie ist Schülerin einer katholischen Schule, die Lehrerin, eine Nonne, ist ihr Vorbild. So werden wie sie, das ist Laurens Traum.

Als Teenager hat sie eine Phase, die sie als „nicht besonders keusch“ beschreibt, trifft sich mit Jungs, weil man das eben so macht. Aber etwas in ihrem Leben fehlt.

"Ja, Gott, ich will."

Lauren studiert auf dem College Religion und Vogelkunde, hat viele Dates – und betet regelmäßig. Der tiefe Wunsch, Nonne zu werden, lässt sie nicht los, sie wird immer trauriger, sagt zu Gott: „Stehen die Frauen bei dir Schlange? Wohl kaum. Also lass mich dich heiraten!“

Eines Abends will sie ihre Lieblingsmusik auf YouTube hören, schmeißt das Internet an, setzt Kopfhörer auf. Doch statt der Musik hört sie in ihrem Kopf die Worte: „Willst du mich heiraten?“ Wie ein Antrag von Gott. Und Lauren sagt Ja.

Am Anfang hat Lauren es vermisst, andere Leute zu treffen. Doch daran hat sie sich gewöhnt. Ihre Eltern akzeptieren inzwischen ihre Entscheidung, kommen einmal im Monat zu Besuch. Auch alte Freunde sieht sie hin und wieder. Besuchszeit: eine Stunde.

Facebook nutzen dürfen die Nonnen nicht, E-Mails schreiben schon. Doch manchmal hat Lauren Angst, das Kloster dadurch gedanklich zu sehr zu verlassen. „Das macht alles nur schwerer“, sagt sie. Am liebsten sind ihr daher intensive Freundschaften mit anderen Nonnen.

Strengste Routine

Jeden Tag im Morgengrauen aufstehen. 5.30 Uhr Chor, beten von 6.00 bis 6.30, dann Messe, und das alles vor dem Frühstück. Von 9.00 bis 11.00 Uhr schrubbt Lauren mit den anderen Nonnen Böden, wäscht, schält Kartoffeln, zupft Unkraut. Beten, arbeiten, beten: So geht es bis zum Abend.

Noch vor 21 Uhr müssen die Nonnen auf ihren Zimmern sein. Aber Lauren vermisst ihr altes Leben nicht. Nur manchmal die Nähe zu ihrer Familie. „Meiner Schwester die Haare zu bürsten ..."

Streiten, sich wieder vertragen, füreinander da sein – all die Höhen und Tiefen, die eine Paarbeziehung ausmachen, vermisst Lauren manchmal. Aber das heißt nicht, dass es keine Liebe in ihrem Leben gibt. „Als Nonne liebt man radikal und intensiv. Schließlich haben wir alles für Gott aufgegeben.

Kein Sex, aber Raum für Gott

Ihn zu lieben ist viel intensiver, als einen Menschen zu lieben“, sagt Lauren. Und was ist mit Sex? „Natürlich lebe ich meine Sexualität nicht aus, aber so schaffe ich Raum in mir für Gott.“

Auch Lauren hat nicht immer Lust auf Chorprobe morgens um halb sechs. Natürlich geht sie trotzdem. Für Gott und für die anderen Nonnen. Und weil sie einfach muss. Weil Lauren auf so vieles verzichtet, freut sie sich umso mehr über die kleinen Dinge: über eine halbe Stunde Freizeit, über Blumen im Garten, über den Sonnenuntergang.

Jeden Abend schaut sie in den Himmel und spricht mit Gott darüber, ob er ihr heute gefällt oder nicht. „Du hattest schon bessere“, sagt sie dann manchmal.