Kranke Männer: "Nein, an Schnupfen stirbt man nicht"

Wenn der Mann unserer Autorin krank ist, ist das nicht leicht. Vor allem für sie. Denn ihr sonst eher unkomplizierter Liebster neigt schon bei der leichtesten Infektion zum Drama. In mehreren Akten.

von Lea Schwarzbach

Wenn er die Taschentücher aus dem Schrank holt, weiß ich schon Bescheid. Die nächsten Tage werde ich mich zusammenreißen müssen. Denn mein Mann ist jetzt offiziell krank – und das bedeutet, es wird anstrengend. Vor allem für mich. Natürlich kümmere ich mich gern um meine Familie. Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde! Aber wenn mein Mann krank ist, muss ich eine extragroße Portion Verständnis und Mitleid aufbringen. Er möchte dann umsorgt werden, selbst wenn er "nur" einen Männerschnupfen hat. 

Ganz wichtig ist, dass ich folgende Sätze in diesem Fall niemals benutze:

1. "Das ist doch nur ein Schnupfen"

und

2. "Stell dich nicht so an!"

Denn diese beiden Aussagen verschlimmern die Symptome sofort um ein Vielfaches. Besser ist "Möchtest du einen Tee?" oder "Soll ich dir einen kalten Waschlappen für deine Stirn bringen?". Auch gut: "Soll ich dir eine Suppe kochen?". Denn diese bieten die Möglichkeit zum ausgiebigen Klagen (ich verwende hier bewusst nicht das Wort "Jammern", weil ich Angst habe, dass mein Mann den Text irgendwann lesen könnte!) über den allgemeinen Zustand. Außerdem zeugen sie selbstverständlich von aufrichtiger Anteilnahme.

Natürlich weiß ich, dass Zuwendung Wunder bewirken kann, wenn jemand ernsthaft krank ist. Natürlich bin ich auch bereit, im Notfall Tag und Nacht Betten abzuziehen, Tee zu kochen und Händchen zu halten. Das tue ich bei meinen Kindern ja auch. Wenn es sich allerdings um eine laufende Nase und Halskratzen handelt, hält sich meine Empathie leicht in Grenzen – vor allem, wenn etwa 1000 Mal in der Minute betont wird, wie schlecht es dem Patienten geht. Stark zusammenreißen muss ich mich auch bei Kommentaren wie "Dieser Hustensaft schmeckt wirklich eklig!". Ja und? Wenn er hilft, ist das ja wohl völlig egal. 

Dreijährige sind oft zäher als mancher erwachsene Mann

Ich bin bereit, diesen Dialog mit einer Dreijährigen zu führen, nicht mit jemandem, der den 40. Geburtstag hinter sich hat. Mir geht die Einstellung zur Krankheit auf die Nerven. Dass er nicht aktiv dagegen vorgeht mit Inhalation, viel Wasser und Vitaminen, sondern sich einfach mit gequältem Gesicht hinlegt und lautstark leidet. Außerdem habe ich selbst schon mit Scharlach oder Magen-Darm-Grippe weiter die Kinder versorgt und Wäsche aufgehängt. Das war wahrscheinlich bescheuert, aber einer muss es ja tun.

Tatsächlich sind Dreijährige oft zäher als mancher erwachsene Mann (natürlich gilt das nicht für alle!). Das konnte ich schon im Krankenhaus feststellen, in dem ich mal gearbeitet habe. Schwangere, ältere Frauen, kleine Kinder – alle machten nicht so einen Aufriss wie Männer zwischen 30 und 50, wenn sie zum Beispiel eine Spritze nahen sahen. Manch einer schrie schon, wenn er nur eine Nadel in der Nähe vermutete. Warum das so ist? Das ist nicht geklärt.

Allerdings leiden laut Untersuchungen Männer öfter und intensiver an Infekten. Schuld daran sind die Hormone: Östrogen wirkt stärkend auf die Immunzellen. Außerdem haben Frauen in der Regel generell eine bessere Abwehrreaktion als Männer. Das hat was damit zu tun, dass wir zwei X-Chromosomen haben und dementsprechend alles doppelt – auch die Gene, die mit der Immunabwehr zu tun haben. Kurz gesagt: Die funktioniert bei Frauen in der Regel besser. Daran werde ich das nächste Mal denken, wenn er neben mir schnieft.

Gerade kam er nach Hause und legte sich einfach ins Bett mit den Worten "Ich glaube, ich werde krank". Ganz ohne einen Ton des Jammerns. Diesmal muss es etwas Ernstes sein.