Langstrecke im Billigflieger buchen – Dämlich oder klug?

Von München nach Sydney mit der nächstbesten Billig-Airline oder muss es auf Langstrecken schon etwas feiner sein? Unsere Autorin hat beides ausprobiert.

von Miriam Kühnel

Mein erster Langstreckenflug war ein Geschenk. Ohne selber die Rechnung für das Ticket zahlen zu müssen, flog ich mit einer arabischen Luxusflotte über den großen Teich. Schon als man mir kurz nach dem Einsteigen ein warmes, feuchtes Handtuch „zur Erfrischung“ reichte, wusste ich: Hach, diese Leute und ich, wir würden Freunde werden. Die Stewardessen in der Tausendundeine-Nacht-Uniform waren derselben Meinung. Zumindest lächelten sie mich unentwegt an, als sei es ihnen die größte Freude ihres Lebens, mich und all die anderen hier in engen Gängen mit Wasser, Tomatensaft und Spirituosen zu versorgen. Und dann das Bordprogramm. Herrlich. Wirklich nichts, was es nicht gab... Die Wunderlampe war ganz sicher mit an Bord.

Alles hat seinen Preis

Dann das böse Erwachen beim Buchen des zweiten Langstreckenflugs. Den zahlte ich nämlich selber und ich sag mal so: Zwischen 400 Euro bei der Billig-Airline und fast 1200 Euro bei den anderen liegen immerhin 800 verdammte Euro oder anders gesagt: zwei ganze Urlaube, zumindest die Flüge dahin. Da kommt man doch etwas ins Grübeln. Braucht man wirklich feuchtwarme Handtücher? Könnte man den neuesten Hollywoodfilm nicht auch einfach im Kino gucken? Müssen es wirklich Garnelen zum Lunch sein? Und tut der kleine Zwischenstop in Köln echt so weh? Mein urlaubsreifes Herz schrie JAAAA, mein Konto schrie noch lauter NEEEIIIIN. Und so fand ich mich plötzlich in Reihe 51 im Billoflieger wieder. Ganz im Sinne meines Geldbeutels.

New York hin und zurück und eine Runde Todesangst für nur 400 Euro

Der Preis? Unschlagbar! Die Story, um sie danach Freunden zu erzählen? Unbezahlbar. Wiederholungslust? Null! Denn was ich auf unserem Flug nach New York erlebte, könnte so auch der Alptraum eines Flugphobikers sein. Zunächst: So billig ist billig in echt gar nicht. Nachdem ich das Gepäck, das Essen, die Getränke und das mickrige Bordprogramm bezahlt hatte, lag ich schon fast zweihundert Euro über dem Schnäppchenpreis. Und da hatte ich noch lange keinen Wunschsitzplatz und erst recht keinen warmen Waschlappen. Was es aber gratis dazu gab: Todesangst. Denn dummerweise flogen wir New York im Sturm an. Klar, das kann auch die beste Airline erwischen. Dass bei Oman Air, Lufthansa, Emirates und Co die Stewardessen und Stewards allerdings kotzend vor den Notausgängen knien und für Passagiere grundsätzlich leider keine entsprechenden Tüten zur Verfügung stehen, wage ich zu bezweifeln. Noch schlimmer: Erst zehn Minuten nach dem missglückten Landeversuch wurden wir informiert. Da kriegt man es durchaus mit der Angst zu tun. Dann endlich die Durchsage: Man versuche es nochmal, krächzte der Chefsteward und griff erneut zu seiner Tüte. Immerhin hatte er eine. Meine Sitznachbarin hatte nur eine Handtasche. Und ich nur die Schulter meines Freundes.

Es lebe die Dekadenz

Ich habe diesen Flug überlebt. Noch etwas Gutes fällt mir zu der Erfahrung leider nicht ein, mit Urlaubsgefühlen hatte der Flug zumindest wenig zu tun. Erst im Nachgang machte ich mich schlau, wie die Billigflugpreise überhaupt zustande kommen und erfuhr: Wer nur die gesetzliche Mindestanzahl an Flugbegleitern mitnimmt und dann auch noch auf unerfahrenes Personal baut, kann natürlich günstigere Tickets verkaufen. Und ja, ob Stewardess X nun besonders erfahren darin ist, Tomatensaft einzuschenken, ist auch mir ziemlich egal. Doch darum geht es ja gar nicht. Nur wenn ich im Notfall Hilfe bräuchte, dann wäre ich wirklich froh um ein bisschen Erfahrung und Kompetenz. Doch die hat wie immer ihren Preis. Ich habe mir geschworen, genau den in Zukunft zu zahlen. Allein schon dafür, um in eine Tüte und nicht auf die Schulter meines Sitznachbarn zu reihern. Und ein bisschen auch für den feucht-warmen Waschlappen.
 

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Langstrecke im Billigflieger buchen – Dämlich oder klug?

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