Nachbarschaft: Habt ihr noch alle Latten am Zaun?

Akribisch gestutzte Hecken, laute Rasenmäher, komische Zwerge: Gartenbesitzer können echt nerven, dafür haben sie’s schön grün.

Nachbars Garten und der eigene können echte Kampfgebiete sein. Wir haben uns mal umgehört. So streiten die Gartenbesitzer: 


AUFREGUNG:

„Eine Nachbarin regt sich immer furchtbar über das Unkraut in unserem Rasen auf. Sie sagt, die Unkrautsamen fliegen in ihren Garten rüber und versauen den englischen Rasen. Ist klar ...“

Amal, 45


FORMVOLLENDET:

„Mein Vater liebt es, Bäume, Hecken und Pflanzen zurückzuschneiden. Er gerät jedoch immer in eine Art Stutzwahn ohne Formempfinden, so ist der Garten meiner Eltern ein lustiger Haufen wirrer Pflanzen, die an den Stellen wachsen, an die mein Vater nicht rankommt. Man könnte auch sagen: sehr individuell.“

Nicole, 32


LÖCHER STOPFEN:

„Der Rasen meiner Eltern ist wohl eher eine Moosweide mit Gänseblümchenherden. Meine Mutter hasst das. Also wird im Frühjahr vertikutiert, die kahlen Stellen werden nachgesät, und wochenlang schwadroniert sie, dass eigentlich nur ein ganz neuer Rasen helfen würde. Jedes Jahr dasselbe Spiel. Seit 20 Jahren. Mein Vater hört nicht hin, und ich denk mir: Moos ist doch auch grün, wo ist das Problem?“

Luise, 29


SCHEISSE IM ANFLUG:

„ICH weiss, das man heutzutage nichts mehr gegen Bienen sagen darf, aber die Bienen unseres Nachbarn, Hobbyimker, machen mich irre. Die kacken kleine gelbe Kackflecken auf meine frische Wäsche, die an der Leine trocknet. Scheisse." 

Vanessa, 48


VOLLAUSSTATTUNG:

„Mein Bruder hat mit seiner Familie ein kleines Haus am Stadtrand. Mit Garten, Leuchtkugeln aus dem Baumarkt, Metalldingern, die man in den Boden steckt, Feuerkorb und Weber-Grill. Für mich: der Inbegriff von Spießigkeit. Und trotzdem gibt’s nix Schöneres, als in dieser scheinbar heilen Welt zu hocken und den Blumen beim Blühen zuzugucken.“

Yuki, 36


ALLES TOLL, NUR DIE VIECHER NERVEN:

„Für mich gibt es kein erhabeneres Gefühl, als in meinem Gemüsegarten zu ernten. Aber wenn mir ein Regenwurm oder eine Assel in die Quere kommt, quieke ich wie eine Fünfjährige, der gerade das Eis runtergefallen ist. Bin wohl doch keine Gärtnerin.“

Lyra, 35


DUNKEL:

„Unser Haus hat einen tollen Garten, aber die Vorbesitzer haben acht (!) Tannen gepflanzt – vor 60 Jahren. Wohnen wie im Nadelwald, ganz ohne Licht.“

Waltraud, 51


DER SCHREBERGARTEN: 

Sprießt da nicht die Spießigkeit? Nö, sagt die Hamburgerin Kaja Paradiek, 32. Sie muss es wissen, hat sie doch jetzt selbst einen

„Auf eine Parzelle mitten in der Stadt kann man in Hamburg lange warten, bis zu sieben Jahre. Eine Bekannte empfahl mir und meinem Freund eine Schrebergartenkolonie im Umland. Da ging alles ganz schnell: Vorstellungsgespräch beim Vorstand, Formulare ausgefüllt, fertig ist die Laube. Die stand übrigens wirklich schon fertig auf den 300 Quadratmetern, Rasenmäher und Kettensäge inklusive, für 1500 Euro. Zur Begrüßung gab’s die Vereinssatzung, damit wir nicht sagen können, wir hätten’s nicht gewusst: dass die Hecke nur 1,20 m hoch sein darf. Oder dass ein Drittel der Fläche für Obst- und Gemüseanbau genutzt werden muss. Ist aber halb so wild. Ab und zu kontrolliert mal jemand die Heckenhöhe. Zu hoch? Dann bekommt man einen „Bitte schneiden“-Brief. Wir bauen heimisches Obst wie Apfel, Zwetschge und Heidelbeere an. Hat aber noch keiner überprüft, ob das genau ein Drittel der Fläche ausmacht. Wir können ganz gemütlich die Früchte unserer Gartenarbeit ernten, während wir mit den Nachbarn quatschen.“


Wer hier schreibt:

Paula Becker
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