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Sweet Sixteen – so ist das Leben einer Sechzehnjährigen heute!

Sweet Sixteen – so ist das Leben einer Sechzehnjährigen heute!
© Getty Images
 Partys, Sex und Social Media: Ein Teeniemädchen erzählt aus ihrem Alltag. Einer Welt aus Saurem Apfel, lüsternen Molchen und der Kunst, sich gut zu stylen
von Rosalie S.

Freitag steht ’ne Party an. Bedeutet: schminken, heiß aussehen und die beste Gang im Schlepptau haben. Den ersten „mental breakdown“ habe ich dann meist schon beim Schminken, nur weil der Eyeliner doppelt so fett geworden ist wie geplant. Vor der Party treffen wir uns zum Vorglühen. Ein Ritual, das wir nie auslassen. Es ist extrem wichtig für den Verlauf der Nacht, sorgt für einen guten Pegel und tolle Stimmung. Wir pushen uns dabei gegenseitig, machen uns Komplimente, beim Tanzen wie beim Trinken, und alle sind happy. Mädchen sind vielleicht keine Fans von Jägermeister und Astra-Urtyp-Pils, aber Sekt, Cola-Wodka und Kurze (meistens Saurer Apfel) tun es auch. Wer jetzt „Wie bitte?“ denkt, der rechnet vielleicht mal schnell ein paar Jahre zurück. Und? War es da anders?

Mädchen trinken also genauso wie Jungs, wir werden kommunikativer, was wiederum die Jungs freut, die so leichter mit uns ins Gespräch kommen. Wo wir auch schon beim wichtigsten Thema einer Party sind: Jungs. Was das angeht, sind Privatpartys immer besser, denn im Club (wenn wir denn reinkommen) tanzen sie einen entweder abartig von hinten an oder sind sturzbesoffen und bemerken einen gar nicht, egal wie oft das Haar extra auffällig nach hinten geworfen wird.

Die Erlaubnis, abends lange wegzubleiben, musste ich mir hart erkämpfen. Partys und Jungs sind eben die Bereiche, in denen wir die erste Selbstständigkeit entwickeln und ausleben wollen! Das führt zu Streitereien zu Hause. Vielleicht weil ich mich fühle, als würde ich jeden Tag enorm an geistiger Reife gewinnen – was wahrscheinlich nicht stimmt, wenn meine Eltern gefragt werden. Aber innerhalb eines Jahres wurde ich vom verhätschelten Teenie zur jungen Frau, die sich gefälligst um ihre Zukunft kümmern soll. Was ich auch mache – nur nicht zusammen mit meinen Eltern, sondern mit meinen Freunden. Wir reden über Dinge, die uns bewegen, darüber, wie wir uns das Leben vorstellen. Über Politik genauso wie über Jungs.

Wo ich wieder beim Thema wäre: Treffe ich auf einer Party tatsächlich mal jemanden, der mir gefällt und auf charmante Art und Weise sagt, dass ich gut aussehe, beginnt der innere Konflikt: Während Jungs wie lüsterne Molche durch die Straßen ziehen und für jedes Mädchen, das sie geklärt haben, von ihren Freunden gefeiert werden, gelten Mädchen schon als Schlampe, wenn sie was mit drei Typen hatten. Ich hasse das. So gern ich mir einrede, es würde mich nicht interessieren, was andere über mich reden – es stimmt nicht. Zum Glück hat nächste Woche wieder irgendwer irgendwen anderes geküsst und ist damit das neue Gesprächsthema.

Eines will ich unbedingt klarstellen: Alle sprechen immer davon, wie häufig Jungs an Sex denken und dass es in ihrem Leben nichts anderes gibt. Ich sehe da keinen Unterschied zu Mädchen. Unser Hauptgesprächsthema war und ist: Sex. Und eventuell noch die Person, mit der man welchen hatte.

Wir begutachten automatisch jeden Jungen auf der Straße – und träumen nicht davon, mit ihm romantisch in den Sonnenuntergang zu reiten. Sieht er gut aus, denken wir darüber nach, ihn zu küssen, mit ihm zu schlafen. Trotzdem weiß ich eigentlich nie, ob der Junge nur auf Sex aus ist oder auf eine Beziehung. Das verunsichert mich. Was wiederum den Jungen verunsichert, der nicht mehr weiß, was ich eigentlich will. Und schon haben wir das Gefühl meiner Zeit: ein Wirrwarr.

Sollte sich dann tatsächlich eine Beziehung entwickeln, will ich mit der Person Dinge erleben wie mit keinem anderen. Ich habe mich schon immer sehr nach dem Gefühl gesehnt, geliebt zu werden. Wenn es dann tatsächlich da ist, dann ist es das Schönste auf der Welt.

Das Zweitschönste der Welt ist Style! Klingt oberflächlich, macht aber Spaß! „Das Leben ist eine Fashion-Show, die Welt der Laufsteg“ – da muss ich Marc Jacobs zustimmen. Leider bin ich noch an die Konventionen in der Schule gebunden. Ich würde meine roséfarbene Fellweste gern öfter tragen, doch ich möchte nicht als überstylter Yeti das Klassenzimmer betreten. Trotzdem hab ich keinen Bock, immer mit Nike-Sneakern, Röhrenjeans und Abercrombie-&-Fitch-Pullis rumzulaufen. In der Schule halten sich viele gern daran fest. Bevor sie etwas Falsches anziehen, gehen sie lieber mit der Masse. Jungs müssen übrigens nur ein normales Shirt, ein paar ordentliche Sneaker und eine passende Hose tragen. Wenn sie sonst gut aussehen, reicht das. Überstylte Jungs kommen bei uns nämlich nicht so gut an.

Zum guten Style gehört auch eine gute Figur. In meinem Umkreis hat Fitness bei Mädchen wie bei Jungs einen hohen Stellenwert. Wir sehen überall durchtrainierte Fitnessmodels – so wollen wir auch aussehen. Ja, in meiner Generation ist ein kleiner Fitnesswahn ausgebrochen. Finde ich aber allemal besser, als sich runterzuhungern. Auch ich wollte diesen sportlichen Lifestyle, also fing ich mit Fitnesstraining und gesunder Ernährung an (damit meine ich: in der Woche auf Sachen wie Chips und Schokolade zu verzichten). Was mich richtig nervt sind absurde Schönheitsideale. Entweder bist du so curvy wie Kim Kardashian oder hast einen Laufsteg-Körper wie Candice Swanepoel. Mal im Ernst: zwei Varianten, die als schön gelten? Das ist doch ein Witz.

Der ganze Aufwand mit Mode, Partys und Work-out würde aber nur halb so viel Spaß machen, wenn ich das Ergebnis nicht auch mit anderen teilen könnte. Vor der Schule, währenddessen, nach der Schule und eigentlich die ganze Zeit: Social Media gehört zu meinem Leben wie Schule, Style und Jungs. Und nein, ich starre nicht einfach blind aufs Display. Ich schaue mir Bilder und Videos von Personen an, die mich interessieren. Ich meine nicht Zac Efron (der mich natürlich auch ein wenig interessiert), sondern Leute in meinem Alter, denen ich auch sonst täglich begegne.

Da ist zum Beispiel dieser heiße Typ einen Jahrgang über mir. Ich sehe ihn jeden Tag und wünsche mir nichts sehnlicher, als mit ihm zu reden. Aber wegen Verhaltensregeln aus dem viktorianischen Zeitalter ist es unmöglich, ihn anzusprechen. Deswegen mache ich mich schlau. Einfach gesagt: Ich stalke ihn in den sozialen Medien. Und weil das alle so machen, ist das eigene Profil extrem wichtig. Instagram, Facebook und Snapchat geben mir die Möglichkeit, das zu sein, was ich sein will. Und es der Welt zu zeigen. Es geht nicht einfach darum, hübsch zu sein. Es geht um einen Lifestyle, den wir verkörpern wollen. Wenn ich der Meinung bin, nach 3546 geschossenen Fotos endlich das eine gefunden zu haben (wir Mädchen sind sehr kritisch und äußerst wählerisch, was das angeht), dann lade ich es hoch. Aber Selfies allein sind längst nicht mehr genug, um in den sozialen Netzwerken Eindruck zu machen. Bilder vom Restaurant-Essen, aus dem Flugzeug und Partyfotos mit Freunden gehören genauso dazu. Das ist viel Arbeit, aber völlig okay, solange wir noch fähig sind, das Handy auch mal einen Tag wegzupacken und uns an Dingen zu erfreuen, die im echten Leben so passieren. Es hat nämlich alles überhaupt gar keinen Zweck, wenn du einen geilen Instagram-Account mit total tollen Bildern von dir und leckerem Gourmet-Essen hast, aber nicht mehr schnallst, was im realen Leben eigentlich so abgeht.


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