The joy of missing out: "Einen Sch*** muss ich!"

Das Gegenteil von der Angst etwas zu verpassen? Die Freude mal nicht dabei sein zu müssen! Klingt geil, oder?

von Theresa König

Früher hatten wir das Gefühl, wir könnten etwas verpassen, wenn wir am Wochenende nicht vor die Tür sind: die Party des Jahrhunderts zum Beispiel. Oder den besten Sex unseres Lebens. „Fear of missing out“ nennen das die Amerikaner. Aber jetzt macht sich eine Gegenbewegung breit. JOMO heißt die, das steht für "Joy of missing out". Bedeutet: Es gibt nichts Schöneres, als einfach mal NICHT dabei zu sein. Also Füße hochlegen und abhängen. Die Vorteile davon liegen ja quasi auf der Hand:

1. Traumkörper

Früher war das so: Erst musste man eine deftige Grundlage schaffen, dann jede Menge Alkohol trinken, darauf folgte ein Döner, um den ganzen Alkohol wieder aufzusaugen. Eine Runde tanzen, dann haben wir noch ein paar Drinks obendrauf gekippt, deswegen brauchten wir dann wiederum Elektrolyte in Form von Chips, um dem Kater vorzubeugen. Half nur ein bisschen, also gab's am nächsten Morgen trotzdem ein herzhaftes Katerfrühstück, um dann am frühen Nachmittag mit einer Tiefkühlpizza wieder eine Grundlage zu schaffen - und schon ging der Spaß von vorne los. Die Bilanz: 12345 Kalorien. Mindestens. Und heute? Schenken wir uns die Hälfte davon, wachen ohne Kater auf und sehen selbst ohne Sport sensationell gut aus. Läuft.


2. Reichtum

Stellen wir mal eine Rechnung auf: An einem billigen Abend haben wir früher in etwa zwei Cocktails und ein Bier bezahlt, eine Packung Kippen und Eintritt für einen Club. Zack, schon waren 40 Euro weg. Rechnet man das auf die 52 Wochen eines Jahres hoch, kommt man auf 2080 Euro. Geht man davon aus, dass wir früher mindestens zwei Tage feiern waren, summiert sich die Partykasse auf 4160 Euro. Dagegen rechnen wir jetzt die Couchpotatoe-Kosten für ein Jahr (12 Monate Netflix-Abo, 12 gute Flaschen Wein, 24 Tüten Chips = 120 + 120 + 48 Euro = 288 Euro) – und es bleiben 3872 Euro für den nächsten Karbik-Urlaub! Tätätätääääääääää!

3. Zeit

After-Work, Bad Taste Parties, Schlager-Move... was haben wir nicht alles mitgemacht, nur um es nicht zu verpassen. Ok, ja, es war eine Erfahrung wert. Können wir aber zum Glück jetzt abhaken und uns stattdessen auf die Dinge konzentrieren, die wirklich Spaß machen: schlafen, essen, reden, mit Freunden treffen, auf dem Weg zum Bäcker die Vögel beobachten, alle Sternbilder auswendig lernen, ein Doktor in Biochemie machen – egal! Denn, wenn wir den ganzen Mist nicht mitmachen, haben wir für die guten Sachen Zeit!