Warum 80er-Kids echt die coolsten sind!

Ja, wir haben Vokuhila getragen, blauen Kajal und Moonwashed-Jeans. Trotzdem war es irgendwie lässig, damals in den Achtzigern aufzuwachsen. Auch wenn es nicht immer leicht war...

von Viola Kaiser

Niemals werde ich vergessen, wie ich vor meiner Stereoanlage gesessen und ewig gewartet habe, damit ich an meinem Kassettenrekorder rechtzeitig die "Aufnahme"-Taste drücken konnte, wenn mein Lieblingslied von Queen im Radio kam. Spotify gab es ja damals noch nicht, nein, ich wusste nicht mal, was ein CD-Player ist. Ich trug also die Haare vorne kurz und hinten länger und hatte eine Hose an, die geschnitten war wie eine Karotte, in die ich ein Sweatshirt gesteckt und geshoppt hatte. Das fand ich superchic. Das nur mal zu den technischen und optischen Problemen, die 80er-Kinder überwinden mussten. 

David Hasselhoff war nicht immer nur besoffen

Außerdem sind wir mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass Milli Vanilli und Bros coole Bands sind und Schulterpolster eine extrem gute Figur machen. Das war zum einen sicherlich völlig idiotisch, zum anderen war das sehr originell. Ich zumindest kenne niemanden, der 2000 vergleichsweise amüsante Hairstyles wie meine Schwester und ich 1985 hatten. Jane Fonda kennen wir übrigens nicht nur aus Netflix-Serien, in denen sie attraktive ältere Damen verkörpert, sondern wir erinnern uns an sie als die junge Aerobicgöttin, die sie immer für uns bleiben wird. Und David Hasselhoff war mal ziemlich heiß – damals als er für uns noch "Michael Knight" hieß und mit seinem schlauen Auto K.I.T.T sprach. Ganz ohne dabei besoffen zu sein übrigens. 

Außerdem sind die 80er das Jahrzehnt, in dem unter anderem so großartige Künstler wie Nena, Rio Reiser, Kraftwerk oder Trio in diesem Land berühmt wurden. Die Neue Deutsche Welle ist etwas, das ich bis heute unvergleichlich amüsant und wunderbar finde. Erinnert sich hier noch jemand an Andreas Doraus "Fred vom Jupiter"? Allein beim Gedanken an den Text und das dilettantische Video dazu muss ich lachen. 

Pilotenbrille? Hatte Onkel Gerd schon 1984

Wir können aber nicht nur bis heute "I've been looking for freedom" auswendig, haben Hosen in Möhrenshape getragen, uns den türkisfarbenen Kajal ins Auge geschmiert und scheußliche Frisuren gehabt: Tatsächlich mussten wir auch damit leben, dass wir sehr lange dachten "Helmut Kohl" und "Bundeskanzler" wären Synonyme für ein und dieselbe Sache. Wir haben Tschernobyl und den Mauerfall miterlebt.

Wir wissen nicht nur aus James Bond-Filmen, was der Kalte Krieg ist, wir erinnern uns persönlich an die Grenzkontrollen, wenn wir mal nach Berlin zu den Verwandten gefahren sind. Das alles – und noch viel mehr  (na, wer weiß aus welchem Lied diese Zeile stammt?) –  haben wir überstanden. Es hat uns ganz sicher nur stärker gemacht. Deswegen können wir auch bloß müde lächeln, wenn sich junge Menschen mit Pilotenbrillen wahnsinnig modisch vorkommen. So eine hatte Onkel Gerd nämlich schon 1984.