Warum Instagram echte Traumhochzeiten killt

Ein „Scroll“ durch den Instagram-Feed verrät: Es ist wieder Wedding-Season! All’ diese glücklichen Paare, wunderschönen Gäste und traumhaft sonnigen Locations lassen uns an wahr gewordene Märchen glauben. Nur: Wie echt ist das eigentlich? Und schockt das noch?

von Paula Becker

Eine kleine Geschichte vorweg: Im letzten Sommer fielen mir in meinem Instagram-Feed die traumhaften Hochzeitsbilder einer entfernten Bekannten auf. Eine mallorquinische Finka im strahlenden Sonnenschein, eine wunderschöne Schar in pures weiß gekleideter Hochzeitsgäste und eine hauchdünne Braut in einer mit Patina veredelten Kapelle in einem Traum von Hochzeitskleid aus zarter Spitze. Was nur irgendwie auf fast jedem Bild fehlte war: Der Bräutigam. Ich stutzte. Es schien hier längst nicht mehr um die Liebe zweier Menschen, sondern hauptsächlich um die Inszenierung des instatauglichen Lebens der extrovertierten Braut zu gehen. Und wirklich: Schon ein Sylvester später postete sie Fotos mit einem anderen Mann im Schnee. Von ihrem Bräutigam fand ich jetzt auch endlich Bilder: Auf Tinder.

Weil eine gute Party eben nicht instaproof ist

116 Millionen Beiträge habe ich auf Instagram unter dem Hashtag #wedding gefunden. Laut dem Marktforschungsunternehmen Mintel ist für 29 Prozent aller Frauen Instagram zu einer der größten Inspirationsquellen für ihre Hochzeit geworden. Das setzt vor allem auch unter Druck. Natürlich finden sich dort lauter Bilder, auf die man stolz sein kann. Doch wie viel echter Spaß steckt eigentlich noch hinter diesen steifen Klamotten, überzeichneten Make-ups und anstrengenden Posen in praller Sonne. Wie toll ist eine Strandhochzeit für die Gäste wirklich, auf der die Herren in Hemd und Sakko bei 30 Grad schwitzen und den Damen das Make-up wie flüssiger Teer verläuft? Kann eine Party wirklich ausgelassen sein, auf der die Gäste dazu angehalten sind unter dem Hastag #meierwedding halbstündig Fotos hochzuladen – anstatt mal so richtig gedankenlos zu eskalieren? Ich glaube nicht. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Die besten Partys waren doch immer die, auf denen die Haare um Mitternacht nicht mehr saßen, wir die hohen Schuhe in die Ecke geworfen haben und uns verdammt nochmal einfach egal war, ob wir die Tischdeko mit unserem umgeworfenen Weinglas für Instgram unfotografierbar gemacht haben. Amen.

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Paula Becker
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