Wie ausgrechnet eine Trennung die Beziehung retten kann! – Diese Paarcoaches verraten es

Sie haben eine Krise? Herzlichen Glückwunsch! Denn eine Krise ist die kostbarste Zeit für jede Beziehung. So jedenfalls sehen das Eva-Maria und Wolfram Zurhorst, und die müssen es wissen

von Miriam Collée

Frau Zurhorst, Herr Zurhorst, Sie sind Paar-Coaches, wann haben Sie das letzte Mal einem Paar zur Trennung geraten?

Wolfram: Das raten wir eigentlich jedem Paar.

Wie bitte?

Eva-Maria: Wir nennen das Trennung in der Beziehung.

Klingt kompliziert.

Eva-Maria: Ist aber relativ simpel. Meistens ist es ja so: Einer klammert, der andere flüchtet. Um eine Beziehung, die nicht rundläuft, zu ändern, müssen beide erst mal loslassen und die Stopptaste drücken. Alltagsabläufe stoppen, Verpflichtungen, Vereinbarungen, Schuldzuweisungen. Sie müssen abends nicht zusammen essen, nicht im gleichen Bett schlafen, nicht zusammen auf irgendwelche Feste gehen oder Sex haben, der dem oder der einen keinen Spaß macht.

Sie erteilen eine Lizenz zur Ego-Sau?

Eva-Maria: Nein, aber zur Selbstverantwortung. In den meisten Beziehungen schleicht sich über die Jahre eine Verstrickung zwischen beiden ein, die zu festgelegten Rollen, unterschwelligen Machtkämpfen, gegenseitigem Klammern und Flüchten führt. Da verschwindet irgendwann das eigene Ich. Da kommt keiner mehr dazu, sich zu fragen: Bin ich damit eigentlich zufrieden? Was will ich? Was tut mir gut, was nicht? Was fehlt mir? In welchen Bereichen meines Lebens lebe ich nicht so, wie ich es möchte?

Ich, ich, ich ... Gehören zu einer Beziehung nicht zwei?

Wolfram: Die meisten, die in einer Krise stecken, denken: Ich muss etwas mit meinem Partner verändern, und am besten muss er sich ändern. Aber das funktioniert nicht.

Was funktioniert denn?

Eva-Maria: Ich muss mich mit mir selbst auseinandersetzen, mit meiner eigenen Software. Mit dem Programm, das ich über Beziehungen gelernt habe.

Könnten Sie das bitte einem IT-Laien erklären?

Eva-Maria: Unsere Vorstellungen von einer Beziehung – also Fragen wie: Was erwarte ich von einer Partnerschaft? Wie verhalte ich mich darin? – werden in den ersten drei Lebensjahren, im Grunde schon im Mutterbauch festgelegt. Wir inhalieren als Kleinkind, wie die Menschen in unserer Umgebung mit Gefühlen umgehen, wie sie zusammenleben. Mit diesen Vorstellungen, einer Art automatischer Software, laufen wir ein Leben lang herum wie ein Duracell-Häschen.

Es sei denn, das Häschen läuft gegen die Wand.

Wolfram: Ja, das wäre super.

Nicht Ihr Ernst!

Wolfram: Doch! Nur wenn das Häschen gegen die Wand läuft, wird es etwas ändern. Eine Krise ist vor allem eine kostbare Phase.

Eva-Maria: Ich sage Paaren, die zu uns kommen, gern: Bitte beerdigen Sie Ihre alte Beziehung. Sie ist tot. Sie dürfen jetzt eine neue aufbauen.

Wie merken Sie, ob ein Paar in der Lage ist, etwas zu ändern beziehungsweise Neues aufzubauen?

Eva-Maria: Solange keine Gewalt oder etwas wirklich Schwerwiegendes im Spiel ist, etwa wie der Verlust eines Kindes, kann man sagen: Die allermeisten Paare haben das Potenzial, sich wieder anzunähern.

Anzunähern oder zu versöhnen?

Eva-Maria: Es geht nicht ums Versöhnen. Es geht eher darum, zu vergeben und sich gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Vergangenheit bis hierhin ist das Ergebnis der alten Programme. Jetzt heißt es, emotional erwachsen zu werden und sich gemeinsam zu den jeweiligen Bedürfnissen des Einzelnen hin zu entwickeln. Das ist ein Abenteuer.

Man schreibt gemeinsam an einer neuen Software.

Eva-Maria: Ich würde es eher ein Update nennen. Jedes Paar geht mit einer Software an den Start, und die braucht, wie jedes Computerprogramm, ab und zu ein Update. Wenn man zehn Jahre zusammen ist, steht die Beziehung in der Rangliste irgendwo auf Platz 25. Davor kommen die Kinder, der Job, die Schule, das Haus, der Garten, die Eltern ... Und man hofft, dass das Ding von selbst läuft. Tut es aber nicht.

Wie geht so ein Update?

Eva-Maria: Oft hilft es schon, den Stecker zu ziehen und sich ein paar Fragen zu stellen – oder, wenn es zu verwickelt ist, sich von Leuten wie uns Fragen stellen zu lassen. Manchmal muss man ein neues System raufspielen. Das heißt aber nicht, dass man deswegen gleich den ganzen Computer wegwerfen muss, dass man sich trennen oder scheiden lassen muss. Es heißt nur, dass man eine Art Säuberungsprogramm, einen Virenscanner braucht. Eine Trennung würde im Übrigen auch gar nicht viel bringen, denn dann würde der Virus ja bleiben – und irgendeine nachfolgende Beziehung wieder aufhängen.

Wann geht buchstäblich nichts mehr?

Eva-Maria: Wenn einer hoffnungslos wie verrückt klammert, festhält, aushält, also der klassische Opfertyp ist. Dem möchte man direkt sagen: Raus, schnell! Diese Beziehung tut beiden nicht gut.

Wolfram: Oder wenn einer überhaupt keinen Kontakt zu sich selbst aufbaut und weiter stur auf Kopf oder Analyse schaltet.

Eva-Maria: Mit so jemandem über eine Beziehung zu sprechen ist in etwa so, als würden Sie mit dem Pförtner eines Unternehmens verhandeln. Entscheidungen werden aber oben in der Chefetage getroffen und nicht an der Tiefgarageneinfahrt. Ein Mensch, der keinen Kontakt zu seinen Gefühlen hat, kann zehnmal sagen: „Ja, Schatz, ich ändere was.“ Wenn er aber keinen Kontakt zur Chefetage, also zu seinen Gefühlen hat, dann hat er natürlich auch keinen Einfluss.

Gibt es einen Satz, bei dem Sie am liebsten schreiend gehen möchten?

Wolfram: Oh ja: „Das ist halt so. So bin ich eben.“

Eva-Maria: Oder auch: „Das Thema steht hier gerade nicht zur Debatte.“

Wolfram: Männer sind darin Meister. Wir beschränken unsere emotionale Kommunikation ja gern auf Morsezeichen.

Und Frauen?

Eva-Maria: Sind Expertinnen in der entgegengesetzten Disziplin, dem Zerreden von Emotionen.

Dann hören wir hier jetzt lieber auf. Danke für das Gespräch!

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