Wochenende mit Freundinnen: Zusammen verreisen auf eigene Gefahr

Ein Mädelstrip mit den besten Freundinnen: Was für eine gute Idee! Unsere Autorin hat’s schon öfter getan – sowohl mit guten als auch mit schlechten Erfahrungen. 

von Franziska Steinberg

Ich habe zwei Freundinnen, mit denen ich schon öfter verreist bin. Ob New York, Venedig oder Heidelberg – Reiseziele, die sich spontan ergeben hatten und die für uns super funktioniert haben. Überhaupt funktionierten wir in der Konstellation sehr gut. Trotzdem wir starke Persönlichkeiten mit wirklich ausreichend Macken sind, war der Umgang untereinander für uns nie ein Problem. Offen und neugierig wird die neue Gegend erkundet, nach was Essbarem gesucht, Aperol-Spritz-Pausen gemacht – am Ende des Tages waren wir fix und fertig, sind viele Kilometer abgelaufen, haben viele Lokalitäten von innen oder außen gesehen und Selfies geschossen – beschwippst, verschwitzt und glücklich fielen wir die Abende ins Bett. Diskutiert haben wir auch viel, Meinungen ausgetauscht und interessante Gespräche über kleine und große Themen geführt. Und sehr viel gelacht haben wir. Eigentlich so wie man sich einen Mädelstripp vorstellt. Also ich mir zumindest. Die Reisen verflogen im Eiltempo und unsere Männer haben immer glückliche Frauen zurückbekommen. 

Wenn die Freundschaft auf Reisen nicht funktioniert 

Die zweite Mädelsrunde von mir wollte eines Tages auch verreisen. Zu meiner großen Freude: Viel zu selten verbringen wir mal wirklich Quality Time miteinander und das auserkorene Reiseziel, Porto, eignet sich doch fantastisch für eine Auszeit zu viert: Sonne, Kultur und gutes Essen – was will man mehr? Dachte ich mir. Die Rechnung hab ich jedoch ohne die Mädels gemacht. Sie freuten sich zwar genauso wie ich auf den Kurztrip, doch die Vorstellungen waren andere. Logisch, ich konnte ja auch nicht meine bisherigen Erfahrungen auf die anderen Freundinnen übertragen. Das merkte ich schnell, hielt mich zunächst zurück, ließ es auf mich zukommen – und langweilte mich unendlich. Keine Diskussionen oder tiefsinnige Gespräche, sondern oberflächliches Blabla. Keine Macken, über die man sich lustig machen könnte, sondern ganz viel Rücksichtnahme. Kein Brunch in coolen portugiesischen Cafés, sondern stundenlanges Frühstücken in der Ferienwohnung – damit man nicht direkt in die Mittagshitze kommt. Kein Aufsaugen der Atmosphäre der Stadt, sondern ständige Pipipausen, weil irgendjemand immer gerade mal muss oder nicht mehr kann/will. Es ist ja auch ganz schön warm, in Porto. Jeder Programmpunkt war eigentlich zu viel oder zu anstrengend. Gespräche drehten sich nie um uns oder das, was uns beschäftigte, sondern fast nur um den nächsten Programmpunkt: Wann sind wir wieder zurück in der Unterkunft? Und wo ist ein Supermarkt, in dem wir Nudeln und Soße kaufen können - dann kochen wir abends schön zusammen. Bitte was?!

Mädelstrip mit Freundinnen: Streit nicht ausgeschlossen 

Als dann der Vorschlag kam, auch den letzten Abend doch gemütlich in der Unterkunft mit einem Bier zu verbringen – man sei ja schon so kaputt und hat ja jetzt auch alles gesehen – ging mir das dann doch gewaltig gegen den Strich. In der Bude hocken kann ich schließlich auch zu Hause, dafür muss ich nicht erst irgendwohin fliegen. Erst recht nicht in so eine schöne Stadt. Das Schlimmste: Ich war nahezu alleine mit meiner Ansicht. Zwei der Freundinnen wollten auf jeden Fall einen Entspannten machen, die vierte im Bunde zuckte mit den Schultern und sah mich mitleidig an. Was war das nur? Kann man nicht offen sagen, was man gern will? Man kann die Gruppe doch sonst auch spalten? Da saßen wir nun und ich beobachtete traurig, wie sich ein dreißig-minütiges Gespräch darum drehte, ob am Folgetag wohl viel Verkehr auf dem Weg zum Flughafen sein könnte. Berufsverkehr und so. Spannend! Draußen hörte ich das Leben toben, die warme Sommerluft schlich am Fenster vorbei, weit entfernt sah ich noch den Rest Sonnenuntergang. Ich sehnte mich nach einem Aporol Spritz, irgendwo in einer Bar, mit Terrasse und Meerblick. Ja, ich war echt beleidigt und flog am nächsten Tag auch beleidigt wieder nach Hause. Meine Freundinnen waren auch beleidigt, weil ich beleidigt war. Kindergarten - ich fühlte mich nicht wie ich. 

Verreisen mit Freundinnen: Die richtige Konstellation macht's

Viele Menschen staunen, wenn ich ihnen von meinen wundervollen Mädelstrips zu dritt berichte. „Drei Frauen? Da ist doch immer eine zu viel? Das fünfte Rad am Wagen?“ Nein, es ist genau richtig – mit diesen starken Persönlichkeiten zumindest. Jede kann ihre Interessen äußern und powert nicht nach zehn Minuten Spaziergang schon aus. Möchte sich eine mal zurückziehen, war das auch nie ein Problem, da man sehr offen miteinander kommuniziert. Kam aber tatsächlich sehr selten vor - wir wollten nie etwas verpassen und blieben in den meisten Fällen zusammen. Bei der Reise zu viert waren es für mich genau drei Personen zu viel. Ich hätte Porto wirklich besser allein erkunden können, hätte die Stadt mehr genossen, hätte mehr gesehen und wäre entspannt und voller Eindrücke nach Hause gekehrt. Noch viel lieber hätte ich Porto aber mit meinen erprobten Reise-Komplizinnen erlebt. Macken, Diskussionen und ein volles Programm ist mir tausendmal lieber als Langeweile und Frauen, die ihre Ecken und Kanten lieber zu Hause lassen.

 

Disclaimer: Wir sind nach wie vor gute Freundinnen – zusammen verreisen werden wir aber wohl nicht mehr.