"Ich weiß da eine Abkürzung" – orientierungslose Männer

„Schatz, lass mal, ich weiß da eine Abkürzung“ – trotz angeblich besserem Orientierungssinn verfahren sich Männer genauso oft wie wir. Selbstüberschätzung lässt grüßen. Warum wir Frauen sie trotzdem hinters Steuer lassen? Weil wir seine "Mission" unterstützen.

von Diana Huth

Mit dem Mietwagen durch ein fremdes Land, der Klassiker. Natürlich bestimmt der Mann die Route. Entweder sucht er akribisch genau den besten Weg auf verschiedensten Landkarten – wer braucht schon ein Navi – oder er fühlt sich zum Abenteurer berufen. Sieben Staffeln MacGyver sei dank, ist er natürlich bestens auf jede Notlage vorbereitet und bereit, einen DIY Flammenwerfer aus einem Schlauch, einem Stab und Benzin zu basteln, falls Angreifer kommen sollten. Am besten machen lassen. Wir Frauen wissen natürlich, dass es anders kommen wird. Mit größter Wahrscheinlichkeit wird er sich irgendwann verfahren oder bei der Stadtbesichtigung in die falsche Gasse biegen. Wir lassen ihn – aus Liebe.

Frauen beschreiben Orte, Männer Richtungen und Entfernungen

Aus verschiedenen wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass Frauen sich anhand von Wegmarken orientieren (markante Häuser oder Objekte wie Windräder oder Berge). Männer richten sich zusätzlich nach räumlichen Informationen wie Richtungen und Straßennamen. Das klingt dann so: „Die 2. rechts, an der 3. Ampel links, wieder rechts und nach 700 Metern nochmal links." Klingt vielleicht schlau, vor allem aber auch kompliziert. „Bei der Kirche mit dem Heuballen reinfahren und dann hinter dem REWE rechts“ lässt sich doch wohl deutlich besser merken, oder? Die britischen Forscherinnen Catherine Jones und Susan Healy haben 2006 in diversen Orientierungstests herausgefunden, dass Frauen in räumlichen Aufgaben ohne optische Hinweise (wie die Wegmarken) schlechter abschnitten als Männer.

Der Praxistest: Die Selbstüberschätzung der Männer

Alles schön und gut. Daran sieht man aber auch, dass Studien oft wenig mit der Realität zu tun haben. Denn 1. sind wir doch immer in Umgebungen mit optischen Hinweise unterwegs (es sei denn, wir cruisen durch die Wüste). Bedeutet: Wir finden uns genauso gut zurecht wie die Männer. Und 2. waren die Männer in den Experimenten anscheinend keine Ehemänner in Abenteurerstimmung. Denn von denen wissen wir: Sie wollen sich und ihren Frauen beweisen, dass sie es drauf haben. Dass sie genauso krass sind wie Reinhold Messner und Crocodile Dundee. Denn sie haben eine Mission – und überschätzen sich dabei. Vor lauter Erwartungsdruck verwechseln sie schon mal rechts mit links und enden dann in einer ganz verwegenen Gasse.

Lob nicht vergessen: „Du bist ein ganz toller Abenteurer, Schatz“

Was wir dann machen? Breites Grinsekatze-Lächeln aufsetzen und auf dem Heimweg nochmal loben, was für ein tolles Abenteuer wir dank ihm erleben durften. "Danke Schatz, wirklich. Gaaaaanz toll." Manchmal überspielen Männer ja auch gern, dass sie sich im Weg geirrt haben. Dann unbedingt mitspielen. Wenn ihr dazu noch die Nerven habt...