"Mein Kühlschrank kauft heute selber ein" – Intelligente Technik vs. mein Leben

von Lara Seidel

 

Mein Zuhause wird nicht der nächste MediaMarkt!

Neulich wurde dieser Balance-Akt mal wieder ganz akut: Alles fing an, als wir bei meiner Arbeitskollegin Linda und ihrem Ehemann zum Abendessen eingeladen waren. Umgeben von der neuesten Smart Home Technik bekamen wir eine Führung durch ihr Heim, die bei mir das Gefühl hinterließ, mich im nächstgelegenen Media Markt zu befinden. Lindas Mann, der der dozierenden Linda hinterher schlich, merkte ich an, dass er wohl dieselbe Einstellung zu Technik hegte wie ich – und das Ganze wohl aus Nächstenliebe über sich ergehen ließ. Nach automatischen Heizungen, einkaufenden Kühlschränken und selbstfahrenden Staubsaugern schwirrte mir der Kopf.  Die Frage was passierte, wenn hier mal das Müsli umkippte, blieb mir im Halse stecken.

 

Lasst die Spiele beginnen: Ich gegen die Technik?

Meinem Mann aber leuchteten die Augen. Und ich wusste, was die nächsten Wochen für mich bereithalten würden: Zahlreiche Smart Home Projekte, bei denen ich nach den ersten Beschwerden aber mitspielte. Aus Nächstenliebe wie – genau wie Lindas Mann. Und vielleicht auch ein bisschen aus Neugier.   

 

Projekt 1: Die digitale Stimme im Haus

Strahlend und mit dem Amazon Echo, einem digitalen Sprachassistenten, unter dem Arm kam mein Mann in der folgenden Woche von der Arbeit nach Hause. Musik anmachen, Einkäufe erledigen, sogar ein Taxi bestellen könne das Ding… Nachdem bei uns 24 Dosen Katzenfutter geliefert wurden, ohne dass wir Katzen besitzen – dafür aber ein streichespielendes Kind – legten wir das Projekt intelligenter persönlicher Assistent doch erst mal ad acta. Und ein bisschen freute ich mich das Ganze scheitern zu sehen. 1:0 für mich.

 

Projekt 2: Komm, wir verdraten uns!

Nachdem die ganz harten Smart Home Geschütze bei uns gescheitert waren, probierten wir nun statt Haushaltsrobotern einen leichteren Einstieg aus: eine Familienkalender App, die uns das wöchentliche Planungswirrwarr erleichtern sollte. Keine selbstfahrenden Staubsauger, keine Bequemlichkeiten, sondern echte Chaosbeseitigung also. Statt um einen Küchentisch sitzende, rauchende Köpfe, die Sonntagsabends versuchten die Terminkalender von 4 sehr beschäftigten Familienmitgliedern und einem Hund zu koordinieren, half uns die Looping App unsere Termine in einem gemeinsamen Kalender unter einen Hut zu bringen. Obwohl wir uns anfangs noch an das Planen über das Smartphone gewöhnen mussten, verschwand unsere Zettelwirtschaft am Kühlschrank nach und nach. Die App erinnerte Anna, dass sie dran war mit dem Hund eine Runde zu drehen und ich konnte mir den gehobenen Zeigefinger endlich mal sparen. Mittlerweile nutze ich die App sogar für meine Walking-Gruppe. Über die Chatfunktion tauschen wir uns da meist auf den letzten Drücker noch aus, ob wir auch bei Regenwetter losstöckeln oder gemeinsam im Café versacken. Ok zugegeben, mit diesem 1:1 für die Technik kann ich wirklich gut leben.

 

Fazit: Technik, ja. Aber bitte in Maßen.

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