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"Och nee, das mach ich später" Prokrastination ist unser Hobby

Frau liegt auf Teppich mit geschlossenen Augen und Händen unter dem Kopf
© Getty Images
NICHTS HÖREN, NICHTS SEHEN
von Stefanie Hellge

„Ich bin sehr gut darin, zu übersehen, dass die Waschmaschine fertig ist. Ich kann ohne Weiteres direkt danebenstehen und mir Brote schmieren. Meine partielle Blindheit dauert genau so lange, bis mein Mann die Wäsche aufgehängt hat.“

Marisa, 46

WEGWERFGESELLE

„Mein Freund hat kein Geschirr, damit er nicht abwaschen muss. Wenn er was isst, dann nur von Papptellern, die er anschließend wegschmeißt. Außerdem steht in seiner Wohnung permanent ein Wäscheständer im Weg, riesig groß, mit ausgeklappten Flügeln. Trockene Wäsche wird nicht in den Schrank geräumt, sondern nach Bedarf direkt vom Wäscheständer gepflückt und benutzt. Wie faul kann man denn bitte sein!?“

Nicole, 33

SCHONWASCHGANG

„Ich lege Verabredungen und Termine generell so, dass sie mit meinen Haarwasch-Tagen zusammenfallen. Das spart Zeit und Wasser!“

Dorothee, 37

PAPIERFREIHEIT

„Manchmal träume ich davon, nirgends Mitglied, Versicherte oder Kundin zu sein. Ich müsste keine Beiträge zahlen, keine Ordner voll Unterlagen heften, keine Papierstapel sortieren. Ohne Papier wäre ich ein freier Mensch.“

Jolante, 32

* Faule Helden, No. 1

„Ich würd so gern, aber ich hab keine Lust.“

Tick, Trick und Track

SOFAKURIER

„Der Sohn meiner Freundin schickt manchmal SMS mit ,Mama, kannst du mir bitte was zu trinken bringen‘, weil er zu faul ist, vom Sofa aufzustehen.“

Detlef, 49

* Faule Helden, No. 2

„Ich bin ja sooooooooo müde.“

Willi, aus „Biene Maja“

DER SAUBERKEITSRADIUS

„Wenn ich vom Flur aus das Kabel meines Staubsaugers bis zum Anschlag ausreize, dann schaffe ich es, den Flur, die Küche, das Schlaf- und das Kinderzimmer zu saugen. Beim Wohnzimmer dagegen reicht es nur für einen Meter. Dahinter bleiben die Wollmäuse liegen.“

Anna-Sophie, 27

TOP FIVE: AUS FAULHEIT GEBOREN

1. Fahrstuhl

2. Taschenrechner

3. Laubbläser

4. Spülmaschine

5. Skilift

LACK TO GO

„Abgeblätterten Nagellack pinsle ich über. Und – ganz peinlich: Ich schneide auch lackierte Nägel ...“

Muskaan, 39

* Faule Helden, No. 3

„Ich bin fett und faul und stolz darauf.“ Garfield

 

DER IST NICHT DOOF, DER IST NUR FAUL

Frau Freitag ist Lehrerin. Und ihre Schüler Meister im Nichtstun. Wie hält man das aus?

Englischstunde. Als ich die Vokabeln für den Vokabeltest diktieren will, fragt Hamid: „Warum haben Sie uns das nicht einfach kopiert?“ Meine Schüler schreiben nicht gern. Sie machen auch selten ihre Hausaufgaben. Sich mit möglichst wenig Anstrengung durch das Leben zu schummeln, das haben sie perfektioniert. Darin sind sie Meister: „Wieso müssen wir das von der Tafel abschreiben? Ich kann doch Foto machen.“ Meine Schüler sind pragmatisch. Überall suchen sie die Abkürzung. Nehmen grundsätzlich den Weg des geringsten Widerstands. Deshalb sind sie auch nicht auf dem Gymnasium. Unsere Schule ist das Gegenteil von einem Gymnasium. Chanel kommt am Freitag nur mit einem Handtäschchen in die Schule. „Chanel, wo ist deine Schultasche?“ „Was Schultasche? Wir haben doch heute nur unwichtige Fächer. Erst Sport, da mach ich ja sowieso nicht mit, und dann Ethik, Kunst und Erdkunde. Schultasche lohnt sich nicht.“ Wenn ich sage, dass sie ein leeres Blatt brauchen, dann bewegt sich nur der Streber. Wenn man nicht aufpasst, verteilt der an alle anderen Papier. „Hamid, du hast also kein Material dabei“, sage ich und blättere in meinem Notenbuch. Und plötzlich lässt sich Hamid doch dazu herab, seinen Rucksack zu öffnen. Aber warum sollte er sich ohne Druck von mir anstrengen? Ein lapidares „Gib mal Blatt!“ zum Streber reicht doch auch. Der Streber ist eigentlich auch nur der Streber, weil er immer gleich macht, was ich sage, und Papier und sogar eine Federtasche dabeihat. Ich rege mich zwar immer noch über meine Schüler auf, aber ich befürchte, ihre Faulheit färbt langsam auf mich ab. Wohnung aufräumen? Nur wenn Besuch kommt. Fußnägel schneiden? Erst wenn man Sandalen anziehen kann. Fenster putzen? Die werden doch eh wieder dreckig. Ich würd mal sagen: „Lohnt sich nicht!“

FRAU FREITAG hat vier sehr lustige und wahre Bücher über ihre Schüler geschrieben. Zum Beispiel: „Für mich ist auch die 6. Stunde“. Alle bei Ullstein


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