„Themen, über die man in wirklich jeder Beziehung dringend reden sollte“

Die Bestsellerautorin Heike Blümner hat mit ihrer Kollegin Laura Ewert  das Trennungs-Buch „Schluss Jetzt" geschrieben. Hier kommt ein Gastbeitrag von ihr, der die ein oder andere Liebe retten könnte...

von Heike Blümner

Treffen sich zwei Frauen, von denen eine frisch getrennt ist. Ja, das könnte auch der Anfang eines schlechten Witzes sein. Oder einer Karussellfahrt. Nicht, weil am Ende des Abends unter Umständen alkoholische Getränke den Körper über die selbe Körperöffnung verlassen, in die sie ursprünglich gegossen wurde. Sondern, weil wir, liebe Frauen, uns im Kreis drehen.

Es heißt ja, dass wir, im Gegensatz zu Männern, das kommunikativere Geschlecht seien. Und es stimmt. Wir reden viel. Nach Trennungen sowieso. Darüber wie schlecht ER uns behandelt hat, was ER alles falsch gemacht hat und wie blöd und zerschossen WIR nun am Ende der Beziehung dastehen. Und die Freundin schmeißt die Nickmaschine an und mixt ein paar Anekdoten unter, wie ihr genau dasselbe auch schon ein- bis hundertmal passiert ist. Auf die Gefahr hin als Spielverderberin zu gelten: Diese Art der Konversation bringt auf Dauer niemanden weiter. Aber das fällt uns noch nicht einmal dann auf, sollten zu einem späteren Zeitpunkt beide Gesprächspartnerinnen wieder am selben Tisch sitzen in einer ähnlichen Situation – ob in den selben oder getauschten Rollen.

"Idiotisches Mitgefühl"

Die amerikanische Psychologin Laurie Goldstein nennt diese Art von Kommunikation unter Freunden „idiot compassion“, iditiotisches Mitgefühl“. Und sie meint es nicht bösartig. Wir dürsten nach einer Trennung nach eindimensionalem Mitgefühl und es sei uns gegönnt. Es ist nicht verwerflich, sich trösten zu lassen. Es ist überlebensnotwendig. Aber nach der Wiederbelebung durch Herzmassage sollten wir uns unbedingt die Reha gönnen, denn sonst laufen wir Gefahr, dass der nächste Beziehungsinfarkt bevorsteht. Oder dass wir in schlechten Beziehungen hängen bleiben wie an der Herz- Lungenmaschinen. Nicht tot und nicht lebendig. Und das betrifft nicht nur uns persönlich, sondern auch unsere Freundinnen, unsere Töchter und hoffentlich unsere Enkelinnen nicht mehr so sehr. Denn wir, die Frauen de 21. Jahrhunderts schlagen uns teilweise noch mit den wässrigen Auszügen der Probleme rum, die für unsere Großmütter als toxisches Konzentrat  ihr Leben bestimmte.

Wir müssen also reden. Und uns nicht nur bemitleiden. Denn sonst hört das alles nie auf.

1. Redet über das schlechte Gewissen!

Frauen sind häufiger geneigt, Dinge zum vermeintlichen Wohle anderer oder aller auszuhalten. Für das möglichst anhaltende Glück in der Beziehung, für das Dekor im tatsächlichen wir übertragenen Sinn. Wir reden uns deshalb ein, dass wir es alleine nicht schaffen, dass die biologische Uhr tickt und es von daher besser wäre, sich auch mit einem eher unpassenden Partner abzugeben, oder dass wir „in unserem Alter“ nach einer Trennung niemanden mehr finden. Die Angst vor Verlust wird dann mit Liebe verwechselt. Und wenn wir es doch tun – also trennen – zweifeln wir an der Entscheidung, oder haben ein schlechtes Gewissen dem Partner gegenüber. Das muss aufhören. Es geht nicht darum rücksichtslos zu sein, oder jemanden bei der kleinsten Dissonanz zu verlassen, sondern darum, seinen Bedürfnissen und Wünschen zu trauen und zu seinen Entscheidungen zu stehen.

2. Redet über Geld!

Am besten immer! Also: Vor der Beziehung und während der Beziehung. Dann wird es danach vielleicht nicht ganz so unangenehm. Frau zu sein, bedeutet qua Geschlecht in finanziellem Hintertreffen zu sein: Wir verdienen im Schnitt weniger als Männer – auch für den gleichen Job. Und trotzdem, oder vielleicht auch deswegen, stecken Frauen, wenn sie Kinder bekommen, auch noch beruflich zurück, um danach bestenfalls auf niedrigen Gehaltsniveau wieder einzusteigen. Die Folgen sind hinreichend bekannt – für Alleinerziehende und alte Frauen sieht es deswegen am schlimmsten aus. Nun lässt sich einwenden: Kann doch jeder machen wie er oder sie will. Stimmt. Bloß, worüber man sich auch im Klaren sein sollte. Das Modell, bei dem der Job des Mannes immer mit eingebauter Vorfahrt kommt, geht so lange gut bis es nicht mehr gut geht, und dann wird es garantiert schlecht.

3. Redet über Hausarbeit!

 Olle Kamellen? Nun, mit der Berührungsangst vor den Oldies feministischer Forderungen ist meistens dann Schluss, wenn Beziehung, Beruf und Kinder und einen Hut gebracht werden müssen. Es geht nicht darum, die ungerechte Aufgabenverteilung zu Hause umzudrehen, sondern sie erstmal nicht als naturgegeben anzusehen. Dazu gehört, die Wäsche so zu waschen und aufzuhängen, dass sie vor dem Urlaub trocknen kann, Kindersocken zu kaufen, einen Kuchen zu backen oder ein Handtuch nach Benutzung nicht auf den Boden zu werfen. Und von selbst daran zu denken.

4. Redet über Sex!

Mit Partnern und mit Freundinnen. Doch zuvor sollte sich die wichtigste Frage: Was bereitet mir Lust, jeder erst einmal selbst beantworten. Dass Begehren sich im Laufe einer Beziehung verändert, ist normal. Sich keinen Sex auf Dauer als normal oder egal schönzureden nicht. Manche Frauen sind eben immer noch lieber mit einem Mann zusammen, der sie sexuell nicht befriedigen kann oder will, als diese Befriedigung einzufordern oder sich zu trennen. Da hilft nur zu sprechen. Und sich auch darüber im Klaren zu sein, dass gelungener Sex in Langzeitbeziehungen ein Kunststück ist, denn es gilt zwei gegensätzliche menschliche Grundbedürfnisse miteinander zu verbinden – die Suche nach Sicherheit und das Bedürfnis nach Neuem und Abenteuer.

Wie möchte ich leben?

Es lohnt sich immer, im Gespräch zu bleiben. Und in Beziehungen sollte die Frage von daher eher nicht lauten: Was macht er schon wieder falsch? Sondern: Wie möchte ich leben? Eigentlich ein spannendes Thema, zu dem man von Menschen, denen man nahesteht doch gerne etwas hören möchte. Doch wenn in einer Beziehung die Vorstellungen auf Dauer nicht vereinbar sind, kann eine Trennung nur ein Gewinn sein. Dann ist auch Trennen ein Akt der Liebe – der Liebe zu sich selbst.

Heike Blümner hat zusammen mit Laura Ewert das Buch „Schluss Jetzt: Von der Freiheit, sich zu trennen“ geschrieben. Es ist bei Hanserblau erschienen und kostet 15 Euro.

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