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„Trenn dich vom Höschen, das am Po kneift“: Magic Cleaning braucht kein Mensch!

„Trenn dich vom Höschen, das am Po kneift“: Magic Cleaning braucht kein Mensch!
© Getty Images
Selbsthilfebücher zu lesen ist nichts für unsere Autorin. Und bis vor Kurzem dachte sie, Magic Cleaning hätte irgendwas mit Bibi Blocksberg zu tun. Aber dann zog sie um – und erfand eine ganze neue und äußerst effektive Aufräummethode.
von Viola Kaiser

Falls ihr etwas über Marie Kondo lernen wollt, seid ihr hier falsch! Ich habe davon keine Ahnung und hatte bis vor zwei Wochen noch T-Shirts im Schrank, die mir schon seit einer Dekade nicht mehr passen. Erwartet nicht zu viel. Dieser Text wird kurz, weil alles, was ich in den vergangenen sieben Tagen über das Ausmisten gelernt habe, supereasy ist. Zumindest, wenn man kein krankhafter Messie ist. 

Das Shirt in XS aus Kalifornien von 97? Brauch ich noch!

Es ist nämlich so: Meine Familie und ich sind umgezogen. Wir haben jetzt zwei Räume mehr und die anderen sind größer. Bis auf das Schlafzimmer. Das ist nämlich logischerweise kleiner und hat auch den dementsprechenden Schrank. Das vorherige Exemplar war sehr groß und total vollgemüllt. Eigentlich waren es sogar zwei Schränke. Das liegt daran, dass ich am liebsten und zu einem Drittel Kleidung horte, die einen sentimentalen Wert hat. Mein Abi-Shirt hat mir zum Beispiel noch nie gepasst, weil irgendwer mir XXL bestellt hat. Es ist ein relativ hartes, sehr hässliches Polohemd mit einem kratzigen Kragen, das man nicht mal zum Schlafen tragen kann. Ich würde es trotzdem nie wegtun. Auch von dem T-Shirt in XS aus dem Jahr 1997, das mir meine Schwester mal aus Kalifornien mitgebracht hat, kann ich mich nicht trennen. Das sind nur zwei von 1000 Beispielen, die meine Schrankfächer verstopften.

Ich sah in den meisten Klamotten eh beschissen aus

Aber jetzt kommt der Teil des Textes, bei dem man von mir lernen kann. Von mir, die nie Texte mit Aufräumtipps liest. Irgendwann, als ich meine Klamotten einsortierte, fiel mir auf, dass da noch sechs Kartons zusätzlich mit altem Zeug aus dem Keller stehen und nur noch eine halbe Schublade frei ist. Und da packte mich ein Gefühl, das ich sonst nie habe: Ich wollte unbedingt aussortieren, Ballast abwerfen, ein neues Leben anfangen. Sofort. Oder so ähnlich.

Auf jeden Fall nahm ich eine von den fünfundzwanzig Jeans, die mir irgendwann vor den Schwangerschaften gepasst hatten und probierte sie an. Übrig blieben drei. Der Rest war zu eng und würde auch nie wieder passen. Genau jetzt war der Moment, um das zu begreifen. Dann guckte ich meine Kleider durch, zog sie an, stellte fest, dass ich in 85 Prozent des Stoffs beschissen aussah und stopfte sie zu den Hosen in den Sack für Oxfam.

Kill your Kellerleiche!

Unterwäsche? Naja, ich tat einfach weg, was entweder oll aussah oder kaputt war oder irgendwo zwickte. Dasselbe machte ich mit den Socken. Emotionen ließ ich dabei raus. Natürlich hätte ich noch mal Marie Kondos Bestseller lesen können. Dinge in die Hand nehmen und überlegen können, ob sie mich glücklich machen und so weiter und so fort. Sachen machen mich aber eh nicht glücklich. Ich stellte an diesem Tag fest, dass ich voll gut "magic cleanen" kann. Ich musste nur wollen. Meine neuartige Methode heißt: "Alles muss raus!"

Ich habe bisher übrigens keine einzige Socke und kein Shirt vermisst. Und vor allem keine der Hosen, die mir viel zu eng waren. Noch weniger die Sommerkleider von 1995, die in den unteren Etagen des Hauses vor sich hinrotteten. Das könnte daran liegen, dass noch kein Sommer ist – oder aber daran, dass ich den Mist einfach nicht mehr brauche. Was ich noch gelernt habe? Kill your Kellerleiche! Trenn dich von Größe 36, wenn du längst 40 trägst und wirf den Schlüpper, der dir eh nur in den Hintern beißt, endlich einfach weg. Wenn ich es kann, kannst du es auch. Allerdings gibt es natürlich persönliche Grenzen. Mein Abi-Shirt habe ich noch. Marie Kondo würde sagen, weil es mich glücklich macht. 


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