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Psychologin verrät: So machen wir jetzt das Beste aus jedem Tag

Frau mit Tasse lacht
© Getty Images
Soviel Zeit in den eigenen vier Wänden hatten wir noch nie. Kein Wunder, dass vielen langsam die Decke auf den Kopf zu fallen droht. Psychologin Stefanie Stahl verrät, wie wir es schaffen, nicht durchzudrehen. 
von Dipl-Psych. Stefanie Stahl

1. Struktur

Auf keinen Fall einfach in den Tag hineinleben, die Gefahr ist, dass man im Internet oder vor dem Fernseher versumpft. Deswegen sollte man auch zu einer bestimmten Uhrzeit aufstehen und seine normale Körperpflege vollziehen und sich normal anziehen. Auch, wenn Sie also Homeoffice machen, sitzen Sie bitte nicht im Schlafanzug vor dem Computer. Ein normales Outfit verschafft einem ein gutes Körpergefühl und ein Stück Normalität. Falls Sie Kinder haben, ist auch für diese besonders wichtig, dass der Tagesablauf eine klare Struktur aufweist.

  • Teilen Sie Ihren Tag in Blöcke ein: Arbeitszeit, Haushaltszeit, Essenszeit, Zeit für gemeinsame Aktivitäten zu Hause (Filme ansehen, Spiele, basteln, kochen/backen, Sport machen)
  • Planen Sie bewusst Pausen ein: z.B. alle 90 min.: öffnen Sie das Fenster, trinken Sie einen Tee, atmen Sie für 30-60 Sekunden bewusst tief ein uns aus

2. Neue Projekte

Falls Sie kein Homeoffice machen und zu wenig zu tun haben, nehmen Sie sich Projekte vor. Jetzt ist die beste Zeit, Dinge zu tun, die man lange vor sich hingeschoben hat, wie beispielsweise den Keller aufzuräumen. Tätigkeiten, die wenig lustbringend sind sollte man hierbei zeitlich begrenzen und auch in die Tagesstruktur einpflegen. So könnte man sich beispielsweise vornehmen, jeden Tag eine Stunde lang den Keller aufzuräumen. Jetzt ist auch eine gute Zeit, um schöne Dinge zu tun, die ansonsten im Leben zu kurz kommen: Greifen Sich doch alte Hobbies auf oder finden Sie ein neues Hobby für sich.

Fragen Sie sich:

  • Für was hatte ich bislang keine Zeit ( Lesen, Aufräumen/ Ausmisten, Steuererklärung, Garten)?
  • Was habe ich früher immer gerne gemacht?

Schreibe Sie fünf Dinge auf, die Sie in den nächsten zwei Wochen erledigen/tun möchten und notieren Sie an welchen Tagen Sie dies tun werden. Denn: es gibt nichts Gutes außer man tut es. Nutzen Sie die Chance, damit Sie hinterher nicht sagen: hätte ich die Zeit zu Hause doch anders genutzt!

3. Fokus

Machen Sie sich bewusst, dass es noch andere Themen als Corona gibt. Überlegen Sie, was Ihnen ansonsten noch wichtig ist im Leben und wie Sie diesen Dingen mehr Zeit widmen können. Schauen Sie nur einmal am Tag die Nachrichten. Durch eine ständige Nachrichtenüberflutung nimmt unser Gehirn die Bedrohung ansonsten viel stärker wahr. Und vertrauen Sie nur ganz seriösen Quellen. Es kursieren in den Medien auch viele falsche Informationen. Machen Sie sich klar, dass jede Medaille zwei Seiten hat und so beinhaltet auch diese Krise eine Chance für jeden von uns. Mit Hilfe unseres Verstandes können wir uns bewusst entscheiden diese andere Seite zu sehen. Denken Sie an die positiven Seiten der Ausgangssperre – für Ihr persönliches Leben und für die Umwelt. Schreiben Sie mindestens 10 positive Auswirkungen auf.

4. Bewegung & Natur

Treiben Sie regelmäßig Sport. Bewegung ist eines der effektivsten Mittel, um sich vor Depressionen zu schützen. Das Internet bietet eine Vielzahl an Videos für Workouts oder Yoga zu Hause. Oder gehen Sie raus in die Natur spazieren oder laufen. Wissenschaftliche Studien beweisen, dass der Wald unsere Selbstheilungskräfte aktiviert. Machen Sie bewusst Pausen und nutzen Sie die Zeit um frische Luft zu tanken und die Natur bewusst wahrzunehmen. Lassen Sie am besten Ihr Handy zu Hause und fokussieren Sie sich auf das was Sie um sich herum wahrnehmen: Pflanzen die gerade beginnen zu blühen, Vögel die Nester bauen, die strahlende Sonne, usw. Wenn Sie ganz im Hier und Jetzt sind, werden Ihre Sorgen um die aktuelle Situation kleiner und Ihr Nervensystem entspannt sich. Nach einem langen Spaziergang in der Natur haben Sie auch gleich wieder mehr Energie für die nächste Einheit im Homeoffice.

5. Verbindung

Mit wem wollten Sie schon seit Langem wieder Kontakt aufnehmen? Für welche Freundin hatten Sie in den vergangenen Wochen/Monaten zu wenig Zeit? Vielleicht ist es jetzt an der Zeit die guten alten Postkarten wieder rauszukramen, den Hörer in die Hand zu nehmen oder Skype auf Ihrem Computer zu installieren. Bleiben Sie im Kontakt mit anderen Menschen. Nur weil Sie sich gerade nicht mit anderen Menschen physisch treffen können, können Sie trotzdem in Verbindung bleiben. Verabreden Sie sich z.B. per Skype auf einen Kaffee oder ein Glas Wein.  Machen Sie sich bewusst, dass Sie innerlich mit vielen Menschen verbunden sind. Sie können auch gedanklich eine ganz starke Verbindung zu nahestehenden Menschen herstellen, um sich gegen das Gefühl von Einsamkeit zu schützen.

6. Dankbarkeit

In herausfordernden Situationen sehen viele Menschen nur noch Probleme und befinden sich in einem Tunnel, in dem Sie nur wahrnehmen was schlecht läuft. Vielleicht fragen Sie sich auch was es gerade Positives in Ihrem Leben gibt!? Tatsächlich entscheiden wir jeden Tag selbst darüber wie wir die Welt wahrnehmen und auf was wir uns fokussieren. Deshalb: Entscheiden Sie sich bewusst dafür, die Dinge wahrzunehmen die in Ihrem Leben positiv sind. Stellen Sie Ihren Blick auf Weitwinkel, damit Sie auch wahrnehmen, was alles gut läuft in Ihrem Leben.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Für wen sind Sie in Ihrem Leben dankbar? Notieren Sie drei Personen und schreiben Sie auf in welcher Form diese Menschen Ihr Leben bereichern. Gerne können Sie diesen Menschen schreiben oder kurz den Hörer in die Hand nehmen.
  • Für was sind Sie in Ihrem Leben dankbar? Haben Sie Arbeit, eine Wohnung, einen gesunden Körper? Notieren Sie zehn Dinge für die Sie dankbar sind.

Wofür können Sie in dieser Zeit dankbar sein, dass sonst so selbstverständlich scheint? (z.B. Ihre Freiheit, unser Gesundheitssystem, etc.) Notieren Sie fünf Dinge

Stefanie Stahl Dipl-Psych., ist Psychotherapeutin in freier Praxis in Trier und Buchautorin unter anderem der Bestseller "Das Kind in dir muss Heimat finden" und "Jeder ist beziehungsfähig". Sie hält im deutschsprachigen Raum Seminare zum Thema Bindungsangst, Liebe und Selbstwertgefühl, ist erfolgreich mit „So bin ich eben. Stefanie Stahls podcast für alle Normalgestörten“ und ihrem Magazin „Brigitte Leben“, dessen zweite Ausgabe am 22.4. am Kiosk ist.

Portrait Stefanie Stahl
© PR

 Mehr von Stefanie Stahl? Am 27.4. veröffentlicht die bekannte Psychologin erstmals eine Handreichung für alle, die im Beruf erfolgreich sein wollen. Was sind meine Stärken und wie kann ich sie im Job optimal einsetzen? Wie kommt die richtige Aufgabe zur richtigen Person? Warum sind manche erfolgreich und andere nicht? Stefanie Stahl und Christian Bernreiter, der Experte für Management, zeigen in "So bin ich eben! im Job" wie es geht.

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