Altbacksch? Nö, DIY-Porzellan ist voll angesagt!

Unsere Autorin wundert sich, warum eigentlich alles was jahrelang als hausmütterlich galt jetzt plötzlich hip ist: Töpfern zum Beispiel.

von Cara Johannsen

„Schau mal!“. Freudestrahlend streckt mir meine beste Freundin einen klobigen Porzellan-Pott mit grün-gelblichem Karomuster entgegen. Schon wieder ein „Kunstwerk“ ihrer kleinen Tochter, eines von solchen, das an Hässlichkeit nicht zu übertrumpfen ist, aber das man als moralischer Mensch und Freund der Familie in den Himmel loben muss.

Neuer Trend des urbanen Hipstertums?

Nee, weit gefehlt. „Hab ich selbst bemalt!“, erklärt mir meine Freundin mit vor Stolz geschwellter Brust, und so lerne ich in der nächsten halben Stunde alles über ihr neu entdecktes Hobby, das „meditativ und kreativ“ zugleich sei, und so unglaublich praktisch, weil man ja sowieso Geschirr braucht. Hmmm, ich bin skeptisch. Geschmäcker sind verschieden, und das Tassen-Design meiner Freundin haut mich jetzt nicht vom Hocker. Ist das Porzellan-Bemalen jetzt für den urbanen Hipster das, was Töpfern für meine Mutter und ihre häkelnde Handarbeit-Damengruppe ist? Scheinbar ist nämlich all das, was meine Mutter und ihre Freundinnen seit jeher tun und jahrelang als altbacken abgegolten wurde, auf einmal wieder total angesagt: Marmelade einkochen und Gewürzgurken einlegen gehört jetzt zum Repertoire jeder Hipster-Küche, und in der U-Bahn zücken tätowierte Mädels beherzt ihre Häkelnadeln und das I-Phone, um Material für die nächste Instagram-Story oder den DIY-Blog parat zu haben.

Muss ich wirklich mit?

Meine Freundin muss meinen angewiderten Gesichtsausdruck falsch interpretiert haben: Klar nehm ich dich auch mal mit in den Porzellan-Laden, das wird dir gefallen! Oh je. Muss ich wirklich mit? Kein Entkommen. Und so sitze ich am Sonntagnachmittag nicht wie sonst auf meiner geliebten Couch, sondern bewaffnet mit Pinsel und Farbe vor einem weißen Porzellanbecher. Gerade will ich anfangen zu meckern, als ich ein besonders schönes Blau im Farbtopf vor mir entdecke. Ich sehe, wie sich meine Hand Richtung Farbe bewegt, den Pinsel ansetzt und ein Wellenmuster auf die Tasse malt, das der dreijährigen Tochter meiner Feundin Konkurrenz machen könnte. Und dann male ich plötzlich pinke Punkte. Dann grell-grüne Schlangenlinien. Mein Pinsel huscht über die Tasse. Fühlt sich echt gut an. Vielleicht ist da doch mehr Picasso in mir, als gedacht. Oder ein Monet! Sind das nicht Seerosen da auf meiner Tasse? Am Ende gehe ich glücklich mit meinem Kunstwerk aus dem Laden. Meine Tasse: nicht schön, aber selten. Aber über Monet wurde ja auch anfangs gelacht, denke ich, und drücke meine Tasse fest an mich. Morgen werde ich sie meiner Freundin schenken. Rache muss schließlich sein.