Der Gamechanger im Alltagschaos: Die Eine-Minute-Regel

Unsere Autorin ist kein unordentlicher oder chaotischer Mensch. Und trotzdem sind sie da, die kleinen, gemeinen Aufgaben auf der To-Do-Liste. Die, die nie weggehen. Die, die man immer vor sich herschiebt, weil „Ist ja nicht dringend“ und „Geht ja schnell“ – eigentlich. Ein Lösungsversuch. 

von Charlotte Reppenhagen

Ich liebe To-Do-Listen, weil ich ein totaler Fan davon bin, mich selbst für das zu feiern, was ich schon geschafft habe. Sind wir doch mal ehrlich, das brauchen wir alle ab und zu, richtig? Und das wird durchs krakelige Aufschreiben auf rumflatternde Zettelchen eben sehr gut sichtbar. Bad geputzt? Check. Staubgesaugt? Check. Einkaufen? Check. Genial! 
Ein gemeines Phänomen, das allerdings alle To-Do-Listen mit sich bringen, sind die kleinen Aufgaben. Die, die nicht dringend oder zeitaufwendig sind, die man immer schnell erledigen könnte, zwischendurch. Und trotzdem – sie sind da. Immer. 

Bei meiner neuesten Stöberei durch die Tiefen des Internets entdeckte ich sie, die universelle Formel für mein Problem: Die sogenannte „Eine-Minute-Regel“.  Wie von Zauberhand und mit Heiligenschein tauchte sie vor mir auf, nahezu perfekt und so offensichtlich einfach: Wenn du eine Aufgabe hast, die du in weniger als einer Minute erledigen kannst, erledige sie sofort.  Wie jetzt, so einfach? Kann nicht sein. Wäre ich ja sonst schon längst drauf gekommen. Dachte ich. 

Von der, die loszog, ihn zu suchen

Irgendwo muss der Haken ja sein. Kopfschüttelnd und „Zu schön um wahr zu sein“-murmelnd begab ich mich in den Kampf gegen die kleinen Aufgaben. Gegen ungemachte Betten, achtlos in der Ecke liegende Sporttaschen (inklusive der Kleidung, natürlich nicht gewaschen), gegen Kalkflecken auf dem Wasserhahn und Kaffeetassen von letztem Freitag auf dem Schreibtisch.  Für den Anfang setzte ich mir das Ziel, drei Tage lang nach der „Eine-Minute-Regel“ zu leben. Soweit, so gut. 

Tag 1

Es beginnt kurz vor halb acht. Noch sehr verschlafen stelle ich meine Cornflakes-Schale in die Spüle und will mich fast wieder umdrehen, da fällt es mir ein. Ha! Fast hätte mich der Schweinhund gepackt, aber nicht mit mir. Schnell spüle ich die Schale ab und stelle sie zufrieden zum Trocknen auf. Wenn das mal nicht gut losgeht! 
Im Laufe des Tages fallen sie mir immer öfter auf, die kleinen Dinge. Wenn die Wasserflasche leer ist, stehe ich auf und hole eine neue, ist auch eine schöne Abwechslung zum ständigen Sitzen. Der Kaffeebecher wird ohne große Umwege direkt weggebracht und nicht noch schön auf dem Schreibtisch drapiert. Meine herumfliegenden Büroklammern sammle ich auf und bewahre sie an einem Ort auf. Hach, wie schön, diese Ordnung. Und so leicht! 

Tag 2 

Heute ist ein stressiger Tag, ohne Frage. Hier ein Termin, dort noch schnell die Mails abarbeiten, irgendwie kommt man trotzdem zu nichts. Wenn ich das Gefühl habe, dass mir alles über den Kopf wächst, beschäftige ich mich mit kleineren Aufgaben, um zwischendurch die Motivation nicht zu verlieren. Denn es macht einen Unterschied, ob man nach zehn Minuten fünf Tätigkeiten erledigt hat oder nach drei Stunden einen Haken hinter eine größere setzen kann. Für ein Erfolgserlebnis to-go sind die vorher nervigen Popel-Aufgaben Gold wert, nur dranbleiben muss man eben.

Tag 3

Samstag. Zwischen Decken und Kopfkissen drehe ich mich nochmal um, denn eigentlich habe ich heute gar keine Lust auf To-Dos. Als ich einen vorsichtigen Blick auf die Liste werfe, merke ich, dass die gar nicht so lang ist, wie gedacht. Finde ich prinzipiell schon mal gut. Aber kann das wirklich daran liegen, dass ich kleinere Aufgaben kleckerweise in den letzten Tagen erledigt habe? Kann es, denke ich mir, als ich einen Blick auf den nicht vorhandenen Geschirrstapel in der Spüle schaue. Zwar hängt mein Pullover von gestern immer noch über dem Schreibtischstuhl und den Papiermüll wollte ich auch schon längst runter gebracht haben, aber es ist Besserung in Sicht. 

Es sind die kleinen Dinge

Mittlerweile sind drei Tage vorbei. Schön wars. Das war es wirklich, weil es machbar ist, und so einfach. Mein noch aufgeräumteres Ich schiebt sich die imaginäre Schlauberger-Brille auf dem Nasenbein hoch und empfiehlt euch mit hochgehobenem Zeigefinger die "Eine-Minute-Regel". Prädikat Gut und unbedingt mal ausprobieren! Denn, wie heißt es denn so schön: Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Amen. 

Wer hier schreibt:

Charlotte Reppenhagen
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