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Echt jetzt? Die Matratze ist das neue Statussymbol.

Echt jetzt? Die Matratze ist das neue Statussymbol.
© Gettyimages
Unsere Autorin wollte einfach nur eine neue Matratze kaufen. Aber dafür braucht man heutzutage einen Doktor.
von Theresa König

Die Matratze meiner Vormieterin hatte ihren Namen wirklich nicht mehr verdient. Sie war bestenfalls noch ein dicker Textil-Lappen mit einer tiefen Kuhle in der Mitte. Eine Kuhle, in der ich viel zu viele Nächte vergeblich nach Schlaf gesucht habe und morgens mit verrenktem Oberkörper und Augenringen aufstand, bevor ich mich entschloss, endlich eine eigene Matratze zu kaufen. Früher bin ich dafür zu Ikea gegangen, da musste ich mich im Prinzip einmal zwischen Federkern und Schaum entscheiden. Und dann nochmal zwischen der Standard- und Luxusversion, also zwischen billig und teuer. 

Schlafen ist ein Lifestyle

Aber Ikea ist Mittelmaß, und das ist nicht mehr gut genug. Denn schlafen kannst du nicht mehr, wenn du tot bist. Schlafen ist ein Lifestyle. Das sehe ich jeden Tag auf Facebook, wo mir Matratzen, die schöne Namen tragen, nicht nur einen besseren Schlaf sondern auch gleich ein besseres Leben versprechen. Matratzen sind heute nicht einfach nur eine Schlafunterlage, sondern ein Wunderwerk aus sieben Zonen, vier Lagen und einem wendbaren Kern. Preisgekrönt, selbstverständlich.

Die Matratze deines Lebens

"Du lebst, wie du schläfst", wirbt das Unternehmen Casper, der selbst ernannte Matratzen-König, auf seiner Seite. Wer schlecht schläft, hat auch ein schlechtes Leben. Deshalb haben die Experten von Casper 200 verschiedene Schaumsorten getestet, um die perfekte Matratze zu finden. Es gibt nur noch ein Modell, weil die eine Matratze für alle passen soll. Die Matratze, deines Lebens, das Motto des Unternehmens. Eigentlich genial, dann müsste ich mir ja um den Kauf meiner Matratze genauso wenig Gedanken machen wie um mein Handy. Darum kümmert sich schließlich Apple und sagt mir alle zwei Jahre, dass es Zeit für ein neues iPhone wird, mit oder ohne Kopfhörer-Anschluss. Apple entscheidet, was für eine Erleichterung. Also Apple fürs Handy, Casper für die Matratze?

Emma, Casper oder Bruno?

Das Problem ist: Nicht nur Casper will mir die Matratze meines Lebens verkaufen. Matratzen sind das neue Ding. Da ist auch noch Muun (nachhaltig, hochwertig, persönlich) und Emma (Träume made in Germany) und Bruno (unvergleichbarer Schlaf). Alle tragen einen Namen, und alle versprechen den besten Schlaf. Wie soll ich mich denn nun um Himmels Willen zwischen Muun, Emma, Casper und Bruno entscheiden?

Ich will doch nur schlafen

Ich bin ratlos und gehe zum Matratzen-Geschäft bei mir um die Ecke, schmeiße mich auf drei verschiedene Modelle. Alle fühlen sich gut an, besser als meine alte jedenfalls. Während ich im Geschäft schon fast wegnicke, erklärt mit der Verkäufer, dass Kaltschaum-Matratzen besonders günstig für Frostbeulen sind. Na also, das ist doch mal eine Information, mit der ich etwas anfangen kann. Keine Kuhle, keine Kälte, mehr will ich doch gar nicht. Ich schlage sofort zu.

Meine neue Matratze heißt Badenia Irisette Lotus TFK – kein Name, von dem ich meinen Freunden vorschwärmen könnte. Dafür tut sie auch nicht so, als würde sie mein Leben verändern. Tut eine Matratze nämlich auch nicht, niemals. Ich finde, es reicht schon, dass ich wieder ohne Rückenschmerzen und Ringe unter den Augen aufstehen kann.


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